Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.03.2016

09:17 Uhr

Terroranschlag in Istanbul

Empörung über israelfeindlichen Tweet nach Anschlag

Nach dem Terroranschlag in Istanbul hat ein Tweet einer Mitarbeiterin der türkischen Regierungspartei für Aufregung gesorgt. Unterdessen suchen die Behörden weiter nach den Hintermännern der Tat.

Fünf Menschen starben bei dem Bombenanschlag im Zentrum der türkischen Metropole. AP

Anschlag in Istanbul

Fünf Menschen starben bei dem Bombenanschlag im Zentrum der türkischen Metropole.

IstanbulEine Mitarbeiterin eines Lokalbüros der türkischen Regierungspartei AKP hat nach dem Selbstmordanschlag in Istanbul mit einem israelfeindlichen Tweet für Empörung gesorgt. Zu dem Angriff, bei dem unter anderen drei Menschen mit israelischen Pässen getötet und mehrere weitere Israelis verletzt wurden, schrieb Irem Aktas auf Twitter: „Ich wünsche mir, dass die israelischen Staatsbürger nicht verwundet, sondern getötet worden wären.“

Aktas arbeitet in einem kommunalen Büro der AKP, die von Präsident Recep Tayyip Erdogan gegründet wurde. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, seine Regierung habe die politische Führung in Ankara wegen der Aussage kontaktiert. Die türkische Regierung habe versichert, Schritte gegen die Mitarbeiterin zu ergreifen. Türkischen Medienberichten zufolge soll Aktas entlassen werden.

Drei der Todesopfer des Selbstmordanschlags sind Israelis. Das israelische Außenministerium in Jerusalem bestätigte am Sonntag ferner, zwei von ihnen hätten auch eine US-Staatsbürgerschaft. Dabei handelt es sich nach Medienberichten um einen 40-Jährigen sowie einen 70-Jährigen. Das dritte Opfer sei eine 60-Jährige. Die Mutter von vier Kindern und mehrfache Großmutter war mit ihrem Mann in der türkischen Stadt im Urlaub. Ihr Ehemann sei unter den Verletzten, berichteten israelische Medien.

Tödliche Anschläge in der Türkei (Chronik)

13. Mai 2016

Bei einer Sprengstoffdetonation in Diyarbakir kommen vier Menschen ums Leben. 15 werden verletzt. Die Tat wird der PKK zugeschrieben.

9. April 2016

Bei einem Bombenanschlag in Istanbul gibt es drei Verletzte. Wer hinter dem Anschlag steckt, ist unklar.

31. März 2016

Mindestens 7 Tote, rund 23 Verletzte – das sind die Opfer eines Anschlags in Diyarbakir, hinter dem die PKK vermutet wird. Bei den Opfern handelt es sich um Polizeibeamte.

19. März 2016

Bei einem Bombenanschlag in Istanbul sterben mindestens fünf Menschen, etwa 36 werden verletzt. Bei den Opfern handelt es sich um Passanten in einer Einkaufsstraße. Hinter dem Anschlag steckt vermutlich der IS.

13. März 2016

Bei einem weiteren verheerenden Autobomben-Anschlag in der türkischen Hauptstadt Ankara sind am 13. März 37 Menschen ums Leben gekommen. Kurz darauf flog die türkische Luftwaffe Angriffe auf PKK-Stellungen im Nordirak – die Regierung zufolge gehörte die Selbstmordattentäterin zu der verbotenen Partei.

Februar 2016

Am 17. Februar hat in Ankara ein Selbstmordattentäter 28 Menschen in den Tod gerissen. Inzwischen hat sich die militante Organisation Freiheitsfalken Kurdistans (TAK) – eine Splittergruppe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK – zu der Tat bekannt.

Januar 2016

Bei einem Anschlag im historischen Zentrum Istanbuls werden elf Deutsche getötet. Der Angreifer sprengt sich mitten in einer deutschen Reisegruppe in der Umgebung der Hagia Sophia und der Blauen Moschee in die Luft. Der Attentäter gehörte nach Angaben der türkische Regierung der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) an.

September 2015

Bei einem Bombenanschlag in Igdir in der Osttürkei werden zwölf Polizeibeamte getötet. Zuvor starben bei einem Angriff der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK und Gefechten im südosttürkischen Daglica in der Provinz Hakkari 16 Soldaten.

August 2015

Bei einem Bombenanschlag und einem anschließenden Angriff auf eine Polizeiwache in der Millionenmetropole Istanbul werden mindestens vier Menschen getötet. Zwei Frauen greifen zudem das US-Konsulat an, eine wird festgenommen. Sie soll Mitglied der linksextremen Terrororganisation DHKP-C sein.

Juli 2015

Im südtürkischen Grenzort Suruc reißt ein Selbstmordattentäter 33 pro-kurdische Aktivisten mit in den Tod. Die Behörden machen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verantwortlich, die sich allerdings nie zu der Tat bekennt.

Juni 2015

Zwei Tage vor der türkischen Parlamentswahl verüben Unbekannte in der südosttürkischen Kurden-Metropole Diyarbakir einen Sprengstoffanschlag auf eine Veranstaltung der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP. Mindestens vier Menschen sterben. Die türkische Regierung macht den IS verantwortlich.

Mai 2013

Bei der Explosion zweier Autobomben in der Grenzstadt Reyhanli werden mehr als 50 Menschen getötet. Die Regierung beschuldigt türkische Linksextremisten mit Kontakten zum Regime im benachbarten Syrien.

September 2011

Drei Menschen sterben in der türkischen Hauptstadt Ankara, als im Regierungsviertel eine Bombe explodiert. Eine Splittergruppe der PKK bekennt sich zur Tat.

Bei dem Selbstmordanschlag auf einer Flaniermeile in Istanbul waren am Samstag fünf Menschen getötet worden. Mindestens 36 weitere Menschen wurden verletzt, als der Attentäter am Samstagmorgen auf der Istiklal-Straße seine Bombe zündete. Unter den Verletzten befanden sich zwölf Ausländer, darunter auch ein deutscher Staatsbürger.

Es ist der bereits sechste Selbstmordanschlag in der Türkei seit Juli 2015. Ein Bekenntnis gab es am Samstag nicht. Unter Verdacht stünden die Terrormiliz Islamischer Staat und die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK, sagte ein hoher Regierungsbeamter.

Die private türkische Nachrichtenagentur Dogan berichtete, es seien DNA-Proben von Familienmitgliedern zweier möglicher IS-Kämpfer genommen worden, die das Attentat verübt haben könnten. Offiziell bestätigt wurde dies nicht. Für die fünf vorangegangenen Anschläge mit mehr als 200 Toten hatte sich entweder die PKK verantwortlich erklärt oder die türkischen Behörden machten den IS als Urheber aus.

Regierungschef Ahmet Davutoglu berief nach dem Anschlag ein Sicherheitstreffen ein. „Die Türkei hat immer gesagt, dass Terrorismus keine Religion, keine Sprache und keine Rasse hat und dass Terrorismus verurteilt werden muss, ganz egal, wer die Täter sind“, ließ er mitteilen. Der Anschlag habe einmal mehr gezeigt, wie richtig diese Position sei.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg verurteilte die Tat ebenso wie der Sprecher des amerikanischen Sicherheitsrates, Ned Price.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×