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23.05.2017

21:38 Uhr

Terroranschlag in Manchester

„Die Lichter gingen an, die Bombe ging los“

Der Täter ist identifiziert. Die Ermittler wollen nun wissen, ob er Unterstützer hatte. Medienberichten zufolge wurde der Bruder in Gewahrsam genommen. Es bestehen Zweifel, ob der IS tatsächlich hinter der Tat steckt.

Mit Blumen und Kerzen gedenken die Briten der Opfer von Manchester: Bei dem Anschlag in der Manchester Arena sind mindestens 22 Menschen gestorben. AP

Trauer in Großbritannien

Mit Blumen und Kerzen gedenken die Briten der Opfer von Manchester: Bei dem Anschlag in der Manchester Arena sind mindestens 22 Menschen gestorben.

ManchesterNach dem Selbstmordanschlag auf ein Pop-Konzert in Manchester mit mindestens 22 Toten hat die britische Polizei den Hauptverdächtigen identifiziert. Die Ermittlungen konzentrierten sich am Dienstag auf die Frage, ob der mutmaßliche Attentäter alleine handelte oder Unterstützer hatte.

Premierministerin Theresa May sprach von einem „feigen Terroranschlag“. Der sogenannte Islamische Staat (IS) reklamierte das schwerste Attentat in Großbritannien seit zwölf Jahren, bei dem auch mehrere Kinder getötet wurden, für sich. Ungereimtheiten in ihren Angaben ließen jedoch Zweifel aufkommen, ob die Extremisten-Miliz wirklich verantwortlich ist.

Die Polizei durchsuchte mehrere Häuser in der nordenglischen Stadt. Ein 23-Jähriger wurde festgenommen, bei dem es sich Medienberichten zufolge wohl um den Bruder des Hauptverdächtigen handle. In London wurden erhöhte Sicherheitsvorkehrungen angeordnet.

+++ Live-Blog Manchester+++: Behörden haben Attentäter identifiziert

+++ Live-Blog Manchester+++

Behörden haben Attentäter identifiziert

Bei dem Selbstmordattentat auf einem Konzert in Manchester sind laut Polizei mindestens 22 Menschen gestorben. Britische Behörden haben den Attentäter inzwischen identifiziert. Die Ereignisse zum Nachlesen im Live-Blog.

Die Polizei sagte, der mutmaßliche Attentäter heiße Salman Abedi. Zwei US-Regierungsvertreter mit Kontakt zu den britischen Behörden erklärten, der 22-Jährige sei vermutlich von London mit dem Zug nach Manchester gekommen. Seine Eltern seien 1994 aus Libyen nach London ausgewandert. Seit mindestens zehn Jahren lebten sie im Süden Manchesters.

Der Attentäter sprengte sich nach Polizeiangaben am Montag nach einem Konzert der US-Sängerin Ariana Grande kurz nach 23.30 Uhr in die Luft, als die Besucher des Konzerts die 21.000 Menschen fassende Manchester Arena verließen. Er habe einen am Körper getragenen Sprengsatz gezündet, sagte Polizeichef Ian Hopkins.

Neben den Toten wurden 59 Menschen zum Teil schwer verletzt. May besuchte ein Kinderkrankenhaus in Manchester und eine Polizeiwache. Sie telefonierte mit mehreren Staats- und Regierungschefs, darunter den Präsidenten der USA und Frankreichs, Donald Trump und Emmanuel Macron.

„Es geschah buchstäblich eine Minute nach dem Ende“, berichtete der 19-jährige Sebastian Diaz. „Die Lichter gingen an, die Bombe ging los.“ Alle seien schreiend auf die Treppen Richtung Ausgang zugerannt. „Viele Menschen sind gestürzt, Mädchen weinten, und wir sahen diese Frauen, die offene Wunden an den Beinen hatten und von Sanitätern versorgt wurden.“ Aus mit den Ermittlungen vertrauten Kreisen verlautete, der Sprengsatz sei mit Metall und Schrauben gefüllt gewesen. May zufolge befanden sich viele Verletzte in einem lebensgefährlichen Zustand.

Manchester nach dem Anschlag: Eine Stadt im Ausnahmezustand

Manchester nach dem Anschlag

Eine Stadt im Ausnahmezustand

In Manchester hat ein Bombenattentat bei einem Pop-Konzert 22 Tote gefordert. Am Tag nach der Terrorattacke rückt das Land zusammen. In der nordenglischen Stadt herrscht gespenstige Ruhe – und zugleich Zuversicht.

Ariana Grande ist besonders bei Kindern und Jugendlichen beliebt. Verzweifelte Eltern und Freunde versuchten, über soziale Medien herauszufinden, wie es ihren Kindern oder Freunden geht. „Viele Eltern rannten in Panik herum, um zu ihren Kindern zu gelangen“, berichtete die 48-jährige Paula Robinson. Die 23-jährige Sängerin selbst blieb nach Angaben eines Sprechers unverletzt.

May kündigte eine weitere Sitzung des Sicherheitsrats an. Wie der Chef der oppositionellen Labour-Partei, Jeremy Corbyn, setzte sie den Wahlkampf für die am 8. Juni geplante Parlamentswahl aus. Königin Elizabeth II. erklärte, die ganze Nation sei über die vielen getöteten und verletzten Menschen schockiert.

Auch weltweit wurde der Anschlag mit Bestürzung aufgenommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte, „der mutmaßliche terroristische Anschlag wird nur unsere Entschlossenheit stärken, weiter gemeinsam mit unseren britischen Freunden gegen diejenigen vorzugehen, die solche menschenverachtenden Taten planen und ausführen“. Ähnlich äußerte sich Macron. Trump bezeichnete die Verantwortlichen als „bösartige Verlierer“. Chinas Präsident Xi Jinping kondolierte Königin Elizabeth.

Der IS beanspruchte den Anschlag über den Messanger-Dienst Telegram für sich. „Einer unserer Soldaten des Kalifats konnte einen Sprengsatz inmitten einer Ansammlung von Kreuzfahrern in Manchester platzieren“, heißt es in der Erklärung unter Anspielung auf die Kreuzzüge des Mittelalters.

Terrorismus in europäischen Metropolen

Paris - 20. April 2017

Auf dem Pariser Boulevard Champs-Élysées schießt ein Islamist mit einem Sturmgewehr in einen Polizeiwagen. Ein Beamter wird getötet, zwei weitere Polizisten und eine deutsche Passantin werden verletzt. Die Polizei erschießt den Angreifer, die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamiert die Attacke für sich.

Stockholm - 7. April 2017

Ein gekaperter Lastwagen rast in einer Einkaufsstraße erst in eine Menschenmenge und dann in ein Kaufhaus. Fünf Menschen werden getötet, 15 verletzt. Noch am selben Tag nimmt die Polizei einen 39-jährigen Usbeken unter Terrorverdacht fest.

London - 22. März 2017

Ein Attentäter steuert ein Auto absichtlich in Fußgänger auf einer Brücke im Zentrum Londons und ersticht anschließend einen Polizisten. Von den Opfern auf der Brücke erliegen vier ihren Verletzungen. Sicherheitskräfte erschießen den Täter.

Paris - Februar, März 2017

Auf dem Flughafen Orly versucht ein Mann, einer patrouillierenden Soldatin das Gewehr zu entreißen, und wird erschossen. Erst Anfang Februar war nahe dem Louvre-Museum ein Ägypter niedergeschossen worden, der sich mit Macheten auf eine Militärpatrouille gestürzt hatte.

Berlin - Dezember 2016

Kurz vor Weihnachten wird die Hauptstadt zum Ziel eines Terroranschlags. Zwölf Menschen kommen um, als ein IS-Anhänger einen gekaperten Lkw in einen Weihnachtsmarkt steuert. Wenige Tage später wird der 24 Jahre alte Tunesier bei einer Polizeikontrolle nahe Mailand erschossen.

Nizza - Juli 2016

Ein Attentäter rast mit einem Lastwagen auf der Strandboulevard in eine Menschenmenge. Mindestens 86 Menschen sterben. Der IS ist nach Angaben seines Verlautbarungsorgans Amak für den Anschlag verantwortlich.

Brüssel - März 2016

Mit mehreren Bomben töten islamistische Attentäter am Flughafen der belgischen Hauptstadt und in einer Metrostation 32 Menschen.

Istanbul - Januar 2016

Ein Selbstmordattentäter des IS zündet im historischen Zentrum mitten in einer deutschen Reisegruppe eine Bombe und reißt zwölf Deutsche mit in den Tod.

Paris - November 2015

Bei einer koordinierten Anschlagsserie am Stade de France, mehreren Restaurants und dem Musikklub „Bataclan“ töten IS-Anhänger 130 Menschen, Hunderte werden verletzt.

Kopenhagen - Februar 2015

Ein arabischstämmiger 22-Jähriger feuert auf ein Kulturcafé, ein Mann stirbt. Vor einer Synagoge erschießt der Attentäter einen Wachmann, bevor ihn Polizeikugeln tödlich treffen.

Paris - Januar 2015

Bei einem Attentat auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ und einen koscheren Supermarkt sterben 17 Menschen. Die beiden Täter kommen später bei einer Polizeiaktion ums Leben. Zu dem Anschlag bekennt sich die Terrororganisation Al-Kaida.

Brüssel - Mai 2014

Im Jüdischen Museum erschießt ein französischer Islamist vier Menschen. Kurz darauf wird er festgenommen. Als selbst ernannter „Gotteskrieger“ hatte er zuvor in Syrien gekämpft.

London - Juli 2005

Vier Islamisten mit britischem Pass zünden in der U-Bahn und einem Bus Sprengsätze. 56 Menschen sterben, etwa 700 werden verletzt.

Madrid - März 2004

Bei islamistisch motivierten Bombenanschlägen auf Pendlerzüge sterben in der spanischen Hauptstadt 191 Menschen, rund 1500 werden verletzt.

Der Direktor der nationalen US-Geheimdienste, Dan Coats, erklärte, dies könne zunächst nicht bestätigt werden. Einige IS-Bekenntnisse haben sich in der Vergangenheit als falsch erwiesen. Anhänger der Extremisten-Miliz feierten den Anschlag in sozialen Netzwerken.

In Großbritannien gilt eine erhöhte Terrorwarnstufe. Zuletzt wurde nach Angaben der Polizei im Durchschnitt jeden Tag eine Person im Zusammenhang mit einem Terrorverdacht festgenommen.

Von

rtr

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