Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.04.2017

23:20 Uhr

Terroranschlag in Stockholm

Polizei nimmt Verdächtigen fest

Wieder rast ein Lastwagen in eine Menschenmenge. Wieder sterben Menschen – diesmal in Stockholm. Der mutmaßliche Anschlag weckt schreckliche Erinnerungen. Ein Verdächtiger ist in Haft.

Stockholm

LKW rast durch Einkaufsstraße: Mehrere Tote und Verletzte

Stockholm: LKW rast durch Einkaufsstraße: Mehrere Tote und Verletzte

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

StockholmNach Nizza und Berlin nun Stockholm: In der schwedischen Hauptstadt ist ein Mann mit einem Lastwagen in eine Menge gerast und hat mindestens vier Menschen getötet. 15 weitere wurden verletzt. Die Polizei geht von einem Terroranschlag aus. Auch Ministerpräsident Stefan Löfven sagte, alles deute auf eine Terrortat hin. Der Täter konnte zunächst flüchten. Am Abend nahm die Polizei eine Person fest, „die Verbindungen zu dem Fall haben kann“. Weltweit reagierten Politiker mit Bestürzung auf den Angriff.

Der von dem Täter offensichtlich gekaperte Lastwagen war kurz vor 15.00 Uhr an der Kreuzung der beiden Einkaufsstraßen Drottninggatan und Kungsgatan in eine Menschenmenge gerast. Anschließend fuhr er in ein Kaufhaus. Fernsehbilder zeigten, wie Menschen in Panik von der Straße flüchteten. „Ich habe Menschen gesehen, die mit einer Decke abgedeckt wurden“, sagte eine Augenzeugin. „Viele um mich herum waren hysterisch“, erzählte eine andere Augenzeugin im Fernsehen.

Am Abend bestätigte die Polizei auf einer Pressekonferenz die Festnahme eines Mannes. Er stimme mit Beschreibungen einer Person überein, die sich in der Nähe des Tatorts aufgehalten haben soll, sagte ein Sprecher. Ob es sich aber um den Täter handelt, war zunächst unklar. Der Festgenommene habe sich in einem Laden auffällig verhalten. Deshalb sei eine Polizeistreife auf ihn aufmerksam geworden und habe ihn festgenommen.

Der Anschlag weckt Erinnerungen an die Terrorattacken von Berlin und Nizza. Kurz vor Weihnachten 2016 hatte der 24-jährige Tunesier Anis Amri einen gekaperten Lastwagen in einen Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz gelenkt und zwölf Menschen getötet. Im Juli 2016 raste der 31 Jahre alte Tunesier Mohamed Lahouaiej Bouhlel mit einem Lkw auf dem Strandboulevard in Nizza in eine Menschenmenge. 86 Menschen starben. Die Terrormiliz IS reklamierte beide Anschläge für sich.

Der Lastwagen gehört Medienberichten zufolge der Brauerei Spendrups. Ein Sprecher sagte einem Radiosender, der Fahrer habe gerade ein Restaurant beliefern wollen. Er habe hinten am Laster gestanden, um ihn aufzuschließen, als ein Maskierter vorne in die Fahrerkabine gesprungen und weggefahren sei. Der Brauerei-Fahrer habe vergeblich versucht, den Mann zu stoppen.

Die schwedische Regierung verstärkte nach dem Angriff die Grenzkontrollen des Landes. Die Polizei rief die Bevölkerung auf, nicht ins Zentrum Stockholms zu fahren. Die Sicherheitskräfte zeigten erhöhte Präsenz und bewachten besonders gefährdete Plätze im ganzen Land. „Es ist wichtig für uns, eventuelle weitere Angriffe zu verhindern“, sagte ein Polizeisprecher. Medienberichte über Schüsse an verschiedenen Plätzen der Stadt bestätigten die Ermittler nicht.

Die Sicherheitskräfte riegelten wichtige Gebäude in der Innenstadt ab, darunter den Gebäudekomplex Rosenbad, Sitz der schwedischen Regierung, das Parlamentsgebäude und das Königsschloss. Die schwedische Regierung wollte noch am Abend zusammenkommen. Auch die Züge im Stockholmer Zentrum standen zwischenzeitlich still. Einige U-Bahnen fuhren am späten Abend sehr eingeschränkt wieder. Alle Kinos und viele Theater in Stockholm und Umgebung stellten ihr Abendprogramm ein.

Die Einkaufsstraße Drottninggatan war bereits im Dezember 2010 Ort eines Anschlags gewesen. Damals explodierte dort ein Auto, während sich fast zur gleichen Zeit an einer anderen Straße im Zentrum Stockholms ein 28-jähriger Schwede irakischer Abstammung in die Luft sprengte. Zwei Passanten wurden leicht verletzt.

Anschläge mit Fahrzeugen in Europa

Stockholm – April 2017

Ein gekaperter Lastwagen rast in einer zentralen Einkaufsstraße erst in eine Menschenmenge und dann in ein Kaufhaus. Vier Menschen sterben, 15 werden verletzt. Noch am selben Tag nimmt die Polizei einen 39-jährigen Usbeken fest. Der Mann, der 2016 aus Schweden ausgewiesen werden sollte, steht unter Terrorverdacht.

London – März 2017

Der Attentäter Khalid Masood steuert ein Auto absichtlich in Fußgänger auf einer Brücke im Zentrum Londons. Er tötet drei Menschen, anschließend ersticht er einen Polizisten auf dem Gelände des britischen Parlaments. Er selbst wird von Sicherheitskräften erschossen. Ein weiteres Opfer stirbt gut zwei Wochen später an den Folgen seiner Verletzungen.

Berlin – Dezember 2016

Kurz vor Weihnachten wird die deutsche Hauptstadt zum Ziel eines Terroranschlags. Zwölf Menschen sterben, als ein Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) einen gekaperten Lastwagen in einen Berliner Weihnachtsmarkt steuert. Wenige Tage später wird der 24 Jahre alte Tunesier Anis Amri bei einer Polizeikontrolle nahe Mailand erschossen.

Nizza – Juli 2016

Der Attentäter, der 31 Jahre alte Tunesier Mohamed Lahouaiej Bouhlel, rast mit einem Lkw auf dem Strandboulevard Promenade des Anglais in Nizza in eine Menschenmenge. 86 Menschen sterben. Der IS ist nach Angaben seines Verlautbarungsorgans Amak für den Anschlag verantwortlich.

Die Bundesregierung versicherte der schwedischen Bevölkerung ihre Solidarität. „Wir stehen zusammen gegen den Terror“, erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier reagierte erschüttert. UN-Chef António Guterres verurteilte den mutmaßlichen Anschlag: „Die Vereinten Nationen stehen solidarisch mit dem Volk und der Regierung von Schweden.“

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sagte in Brüssel: „Ein Angriff auf einen unserer Mitgliedsstaaten ist ein Angriff auf uns alle.“ Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte: „Die Nachrichten, die aus Stockholm kommen, sind schrecklich.“

Russlands Präsident Wladimir Putin sprach Schweden sein tiefes Mitgefühl aus: „In unserem Land kennen wir die Grausamkeiten des internationalen Terrorismus nicht nur vom Hörensagen“, hieß es in einem Schreiben Putins an den schwedischen König Carl XVI. Gustaf.

Die USA haben den mutmaßlichen Terroranschlag in Schweden scharf verurteilt. Der Sprecher des Außenministeriums, Mark Toner, sprach den Angehörigen der Opfer am Freitag zudem sein Mitgefühl aus. „Solche Angriffe sollen die Saat der Angst säen, aber in Wirklichkeit bestärken sie uns nur in unserer gemeinsamen Entschlossenheit, den Terrorismus weltweit zu bekämpfen“, erklärte er. Die USA stünden bereit, der schwedischen Regierung Hilfe bei den Ermittlungen anzubieten.

Das Auswärtige Amt riet Reisenden, vorerst in ihren Unterkünften zu bleiben. Sie sollten die Entwicklung der Lage über die Medien verfolgen und auf weitere Sicherheitshinweise achten, teilte die Behörde mit. Zudem solle den Anweisungen der Sicherheitskräfte unbedingt Folge geleistet werden.

Die schwedische Polizei schaltete eine Hotline für besorgte Angehörige frei. Sie können im schwedischen Telefonnetz unter der Nummer 11414 und der Direktwahl 9 die Polizei kontaktieren. Facebook aktivierte seinen „Sicherheitscheck“. Nutzer in Stockholm können darüber Freunden mitteilen, dass sie in Sicherheit sind. Der Service war bei Terroranschlägen in den vergangenen Monaten immer wieder aktiviert worden.

Von

dpa

Kommentare (23)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Hans-Jörg Griesinger

07.04.2017, 16:15 Uhr

Der Geheimdienst spricht mittlerweile von einem Anschlag in Stockholm.
Unter weiter gehts mit der zusäglichen Anschlagsserie.
Was spricht jetzt noch dagegen, die Aussengrenzen zu schließen, außer das Drecksgeld und den Profiten der Großkonzerne, welchen alles untergeordnet wird.

Herr Hans-Jörg Griesinger

07.04.2017, 16:23 Uhr

Mein Beileid gilt den Opfern, die nächsten Zivilisten, die für den europäischen Größenwahn und offenen Grenzen geofert wurden.

Herr Hofmann Marc

07.04.2017, 16:25 Uhr

Wie sagten Sie beim Trump Artikel..."Willkommen in der Wirklichkeit"....

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×