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08.12.2015

12:33 Uhr

Terrorattentat von San Bernardino

So kamen die Attentäter in die USA

Kein Lächeln, keine Freude: Ein Foto zeigt das Attentäter-Paar von San Bernardino bei seiner Einreise die USA. Der Weg ihrer Radikalisierung ist weiter unklar. Dagegen kommen Details über ein Schießtraining ans Licht.

Dieses Bild zeigt die beiden Täter, Tashfeen Malik (l.) und Syed Farook, am Flughafen in Chicago Ende Juli 2014. Das Paar heiratete einen Monat später. dpa

Foto am Flughafen

Dieses Bild zeigt die beiden Täter, Tashfeen Malik (l.) und Syed Farook, am Flughafen in Chicago Ende Juli 2014. Das Paar heiratete einen Monat später.

Knapp eine Woche nach der Tragödie mit 16 Toten im kalifornischen San Bernardino kursieren Fotos auf diversen Nachrichtenportalen, die die beiden Täter – das Ehepaar Syed Farook und Tashfeen Malik – bei ihrer Einreise in die USA zeigen.

Das Foto wurde am 27. Juli 2014 am Flughafen in Chicago aufgenommen, als Farook und Malik die Zollkontrolle passierten. Es war das erste Mal, dass die pakistanische Ehefrau des US-Bürgers mit pakistanischen Wurzeln amerikanischen Boden betrat.

Ausländer, die einen US-Bürger heiraten wollen, dürfen durch ein modifiziertes Visa-Programm 90 Tage vor der geplanten Hochzeit in die USA einreisen. Im Vorfeld sind einzelne Tests notwendig, die Farooks angehende Ehefrau Malik scheinbar bestanden hatte.

Was wir über das Attentat von San Bernardino wissen

Die Tat

Das Ehepaar Syed Farook und Tashfeen Malik eröffnete am Mittwoch, 2. Dezember, in einer Sozialeinrichtung in San Bernadino, Kalifornien, das Feuer. Farook hatte in der Einrichtung gearbeitet. 14 Menschen starben, 21 weitere wurden schwer verletzt. Nach einer Verfolgungsjagd wurde das Paar von der Polizei in ihrem gemieteten SUV erschossen. Nach Darstellung der Behörden gaben Malik und Farook am Tatort bis zu 75 Schüsse ab, sie ließen außerdem drei Rohrbomben in einem ferngesteuerten Sprengsatz zurück, der allerdings nicht funktionierte. Bei den Leichen fanden sich weitere 1600 Schuss Munition. Zwei bei der Tat verwendete Handfeuerwaffen soll Farook legal besessen haben.

Die Täter

Tashfeen Malik stammte aus Pakistan, Syed Farook wurde in den USA geboren. Kennen lernte sich das Paar über eine Online-Dating Plattform und traf sich im Sommer 2014 in Saudi-Arabien, wo Malik vor der gemeinsamen Übersiedlung in die USA zuletzt gelebt hatte. Ende Juli 2014 reiste Malik in die USA ein, das Paar heiratete einen Monat später. Seit Juli 2015 besaß Malik offenbar eine Greencard, nach Angaben der Anwälte von Farooks Familie soll sie allerdings als „fürsorgliche Hausfrau“ sehr zurückgezogen gelebt und Burka getragen haben. Farook soll regelmäßig am Schießstand trainiert haben, allein in der Wiche vor dem Attentat zwei Mal. Das Paar scheint seine Tat lange geplant zu haben, der SUV mit dem Farook und Malik vor der Polizei flohen und in dem sie schließlich erschossen wurden war gemietet, beide hatten ihre Handys entsorgt und versucht, ihre digitalen Spuren zu verwischen. Im Haus und der Garage fand die Polizei zwölf Rohrbomben und mehr als 4500 Schuss Munition. „Die beiden waren möglicherweise auf dem Weg zu weiteren Angriffen“, erklärte Polizeichef Jarrod Burguan. „Wir haben sie vorher gestellt.“ Das Paar hatte eine sechs Monate alte Tochter.

Das sagen die Medien

Der Fernsehsender CNN zitierte am Freitag mehrere Ermittler, laut denen Tashfeen Malik im Internet Kontakt zu der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) gesucht hatte. In einem Facebook-Eintrag soll Malik IS-Anführer Abu Omar al-Bagdadi ihre Gefolgschaft versprochen haben. Die „Los Angeles Times“ zitierte einen Facebook-Sprecher, laut dem das Profil mit dem entsprechenden Beitrag inzwischen gelöscht worden sei. Los Angeles' stellvertretender FBI-Direktor David Bowdich bestätigte den Facebook-Post indirekt. Er machte aber keine Angaben zu dessen Bedeutung für die Ermittlungen: „Wir haben das gesehen, was auch Sie gesehen haben.“

Das sagt die Polizei

Die US-Bundespolizei FBI untersucht die Tat inzwischen offiziell als Terrorakt. „Ab heute, auf Basis dessen was wir bis jetzt wissen, werden wir die Schießerei in San Bernardino, der 14 Menschen zum Opfer gefallen sind und 21 verwundet wurden, als einen Terrorakt behandeln“, erklärte der stellvertretende FBI-Direktor von Los Angeles, David Bowdich am Freitagnachmittag. Zunächst hatten die Ermittler vor „voreiligen Rückschlüssen“ gewarnt und auch einen persönlichen Hintergrund für die Tat nicht ausgeschlossen. Mittlerweile gehen die Ermittler davon aus, dass sich Farook und Malik im Internet radikalisierten. Angebliche Verbindungen zur Terrormiliz IS wollte das FBI, trotz Maliks Facebook-Post, hingegen nicht bestätigen. „Wir haben solche Hinweise derzeit nicht“, erklärte FBI-Direktor James Comey. Die genauen Umstände der Radikalisierung sind allerdings auch einige Tage nach der Tat nicht bekannt.

Das Paar hatte sich 2013 bei einer Dating-Website für Muslime kennengelernt und im Juli 2014 zum ersten Mal in Saudi-Arabien getroffen, als Farook für zwei Woche dort weilte. Ende Juli erfolgte also Maliks Einreise in die USA, die Hochzeit fand im August statt. Das Ehepaar hatte am vergangenen Mittwoch auf einer Betriebsfeier 14 Menschen getötet 21 Menschen verletzt. Sie selbst wurden von der Polizei getötet.

Farook hatte einem Schießlehrer zufolge mehrmals auf einem kalifornischen Schießstand trainiert. Zuletzt sei er am 29. und 30. November – also nur drei und zwei Tage vor der Tat – auf der Riverside Magnum Range gewesen, um mit einem offenbar neuen Gewehr zu üben, sagte John Galletta am Montag nach der Überprüfung von Überwachungsaufnahmen. Niemand habe sich jedoch daran erinnern können, Farooks Ehefrau Tashfeen Malik gesehen zu haben.

Auf den FBI-Bildern ist der Bart von Farook deutlich kürzer und seine Gesichtszüge wirken älter. ap

Die Fahndungsbilder des FBI

Auf den FBI-Bildern ist der Bart von Farook deutlich kürzer und seine Gesichtszüge wirken älter.

Einmal habe Farook einen Vertreter der Anlage um Hilfe mit seinem Gewehr gebeten, weil dieses gequalmt habe, berichtete Galletta. Der Rauch sei vermutlich aufgetaucht, weil es eine neue Waffe gewesen sei, habe die Person dem Schützen dabei gesagt. Ansonsten habe Farook keinerlei auffälliges Verhalten gezeigt.

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