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05.11.2015

14:51 Uhr

Terrorexperte Tophoven

„Anschläge gegen Flugzeuge werden am Boden zugelassen“

Ist die russische Passagiermaschine in Ägypten doch Ziel eines Anschlags geworden? Der Essener Terrorismus-Experte Tophoven hält das durchaus für möglich und warnt vor weiteren Attacken – auch auf Flughäfen.

Handyvideo vom Unglück

Video aufgetaucht: Sieht man hier den Absturz im Sinai?

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BerlinDer Terrorismusexperte Rolf Tophoven hält es für möglich, dass die Extremistengruppe Islamischer Staat (IS) hinter dem Absturz der Passagiermaschine mit 224 Menschen an Bord steckt und warnt vor weiteren, ähnlichen Attacken. „Es ist davon auszugehen, dass der IS auch Flugzeuge angreift, weil die Dimension derartiger Anschläge eine besonders hohe mediale Reaktion auslöst“, sagte Direktor des „Instituts für Krisenprävention“ (IFTUS) in Essen dem Handelsblatt. Der IS habe in seiner Propagandakampagne unter anderem stets die westliche Kultur, westliche Gesellschaftsstrukturen attackiert und  zum Dschihad aufgerufen. „Die Terrormiliz IS spielt auf der ganzen operativen Klaviatur möglicher Einsatzszenarien.“

Es wäre daher aus Tophovens Sicht „eine fatale Unterschätzung des IS, Aktionen gegen Flughäfen und Luftfahrtzeuge grundsätzlich auszuschließen.“ Ob weitere Anschläge gegen die internationale Luftfahrt zu befürchten sind, müsse zwar spekulativ bleiben. „Sicher ist jedoch, dass der IS, nicht zuletzt aufgrund des bisher bekannten brutalen und erbarmungslosen Vorgehens in den von ihm kontrollierten Gebieten, alle Optionen gegen seine Gegner ins Kalkül zieht“, sagte der Experte. „Gegenmaßnahmen gegen Luftterror sind wohl kaum hundertprozentig zu treffen“, fügte Tophoven hinzu: „Doch es gilt die Faustregel: Anschläge gegen die Luftfahrt werden am Boden zugelassen oder verhindert.“

Die Gegner des Islamischen Staates

USA

Die mächtigste Militärmacht der Welt führt den Kampf gegen den IS an. Seit mehr als einem Jahr bombardiert die US-Luftwaffe die Extremisten in Syrien und im Irak. An ihrer Seite sind auch Jets aus Frankreich und anderen westlichen Staaten sowie aus arabischen Ländern im Einsatz. Washington hat zudem US-Militärberater in den Irak entsandt, die Bagdad im Kampf am Boden unterstützen.

Russland

Moskaus Luftwaffe fliegt seit Ende September Luftangriffe in Syrien. Sie sollen nach Angaben des Kremls den IS bekämpfen. Der Westen und syrische Aktivsten werfen Russland jedoch vor, die meisten Luftangriffe richteten sich gegen andere Rebellen, um so das Regime von Präsident Baschar al-Assad zu unterstützen.

Deutschland

Deutschland liefert seit mehr als einem Jahr Waffen an die Kurden im Norden des Iraks, darunter die Sturmgewehre G3 und G36 und die Panzerabwehrwaffe Milan. Die Bundeswehr bildet zudem kurdische Peschmerga-Kämpfer für den Kampf am Boden aus.

Arabische Staaten

Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Katar und Jordanien unterstützen die USA bei den Luftangriffen. Vor allem Saudi-Arabien und Jordanien sehen den IS als Gefahr, weil die Extremisten bis an ihre Grenzen herangerückt sind.

Kurden

Sowohl im Norden Syriens als auch im Nordirak gehören die Kurden zu den erbittertsten Gegnern des IS. Die kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) im Syrien und die Peschmerga im Irak konnten den Extremisten empfindliche Niederlagen beibringen. Unterstützt werden sie von mehreren westlichen Staaten.

Irakische Armee

Das irakische Militär geht in mehreren Regionen des Landes gegen den IS vor. Allerdings kann sie nur wenige Erfolge vorweisen. Seit Monaten versucht die Armee erfolglos, die westirakische Provinz Al-Anbar zu befreien. Unterstützt wird sie von schiitischen Milizen, die eng mit dem Iran verbunden sind.

Syrische Rebellen

Sie bekämpfen das Regime und den IS. Das gilt auch für die Nusra-Front, syrischer Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida. Sie teilt die Ideologie des IS, ist aber mit ihm verfeindet.

Syrisches Regime

Auch das syrische Militär geht gegen den IS vor. Kritiker werfen dem Regime jedoch vor, es greife vor allem andere Rebellen an und lassen die Extremisten gewähren. Auffällig ist, dass sich die meisten syrischen Luftangriffe nicht gegen den IS, sondern gegen Regionen unter Kontrolle anderer Gruppen richten.

Russland wies unterdessen Vermutungen Großbritanniens und der USA zurück, eine Bombe könne den Absturz des Flugzeugs über der Sinai-Halbinsel verursacht haben. Ein Sprecher von Präsident Wladimir Putin sagte in Moskau, dies sei reine Spekulation. Das britische Außenministerium hält es dagegen für wahrscheinlich, dass sich ein Sprengsatz an Bord befand. Nach einem Bericht des US-Senders CNN legen dies auch Erkenntnisse des amerikanischen Geheimdienstes nahe. Als möglicher Urheber wird die Terrormiliz IS genannt.

Wie Tophoven hält auch der Terrorismus-Experte am Londoner King's College, Peter Neumann, diesen Verdacht für plausibel. Der IS habe auf dem Sinai einen starken Ableger und zu Anschlägen gegen Russen aufgerufen, sagte Neumann im Deutschlandfunk. Allerdings fehle noch ein Beweis, etwa durch ein Bekenner-Video.

Internationale Airlines haben angesichts der Anschlagsspekulationen Flüge nach Scharm el Scheich vorerst gestoppt. Am Flughafen des beliebten ägyptischen Badeortes auf der Sinai-Halbinsel drohen deshalb nach Angaben von Reiseanbietern chaotische Verhältnisse: Mindestens 9000 Briten saßen am Donnerstag in der Urlaubsregion fest, wie der Verband Abta in London mitteilte.

Kommentare (25)

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Account gelöscht!

05.11.2015, 14:57 Uhr

Keine Angst, der IS wird auch noch in Deutschland seine blutige Spur hinterlassen. So offen wie unser Land momentan für jeden und Alles ist....ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis hier in Deutschland die erste Bombe hochgeht.

Herr Fritz Yoski

05.11.2015, 15:00 Uhr

Sieht nun so aus als ob da die viel gelobten Facharbeiter am Werk waren. Dank Merkel demnaechst auch in Deutschland.

Herr Marc Otto

05.11.2015, 15:01 Uhr

Es wird (nicht in der westlichen LP von Hassan, einem syrischen Flüchtling berichtet:
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Hassans Familie wollte ein ruhiges friedliches Leben führen, und sie hatten deshalb beschlossen, die Krise in ihrem Heimatland abseits davon, im Ausland abzuwarten.

Hassan ist froh, dass Russland den Antiterror-Kampf in die eigenen Hände genommen hat. Russlands Vorgehen sei lobenswert und unterscheide sich in mehreren Hinsichten grundlegend von den Handlungen der USA.

„Russland bekämpft die Terroristen. Aber die USA suchen nach Öl, Öl und nochmal Öl. Die Vereinigten Staaten stecken ihre Nase in alles: Afghanistan, Libyen, Irak. Amerika ist meiner Meinung nach ein großer Teufel", sagt Hassan, wobei er seine Zeigefinger an die Schläfen drückt.

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Schade, dass wir in Deutschland diesen Reifegrad noch nicht erreicht haben. Und so lange die Deutschen ihren wahren Feind nicht kennen, werden wir immer mehr flüchtlinge brauchen. so lange, bis alle dummen Deutschen weg sind.

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