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23.10.2014

16:48 Uhr

Terrorgefahr in Deutschland

Jung, entwurzelt, radikalisiert

VonMaike Freund

Kanada steht unter Schock. Doch der Anschlag auf das Parlament in Ottawa ist nicht völlig überraschend, sagen Experten. Auch in Deutschland könnte es Anschläge geben. Denn die Täter sind unberechenbar.

Es sind vor allem Einzeltäter, die gerade bei Anschlägen wie in Kanada auffallen.

Es sind vor allem Einzeltäter, die gerade bei Anschlägen wie in Kanada auffallen.

DüsseldorfEr handelt allein. Ist männlich, jung, sozial entwurzelt, mit kleinkriminellem Hintergrund. Selbstradikalisiert. Und vermutlich Islamist. So beschreibt Markus Kaim, Sicherheitsexperte von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), den Täter in Ottawa, Kanada, der gestern ins Parlament eindrang und mindestens 30 Schüsse abgab. Ein Wachsoldat wurde dabei schwer verletzt und starb später. Drei Menschen mussten im Krankenhaus eingeliefert werden. Die Mehrzahl der Parlamentarier und Premier Stephen Harper kamen unverletzt davon.

Bisher ist wenig über den Täter bekannt. Laut Medienberichten soll es sich um Michael Zehaf-Bibeau handeln, angeblich 1982 in Kanada geboren, angeblich zum Islam konvertiert. Ein Freund soll ihn als „geisteskrank“ beschrieben haben. Sein Foto war laut City News Toronto und The Independent bei Twitter aufgetaucht, es zeigt ihn mit Waffe in der Hand. Zehaf-Bibeau soll in der Vergangenheit wegen Drogen- und Raubdelikten im Gefängnis gesessen haben.

Kanada steht unter Schock. Die Menschen fragen sich: Wie konnte das passieren? Und das bei uns? In unserem ruhigen Land? Dabei hatte es schon Anfang der Woche einen Anschlag gegeben – in Montreal. Dort überfuhr ein Mann zwei Soldaten mit dem Auto. Auch auf diesen Täter trifft das von SWP-Experte Kaim beschriebene Muster zu: Wieder ein Einzeltäter, wieder ein junger Mann, Islamist, wieder selbstradikalisiert – ob über das Internet oder eine Moschee sei unklar, aber beides denkbar. Das Muster macht es so schwierig, solche Attentate vorherzusehen. Nicht nur in Kanada.

Salafisten – radikale Islamisten mit Verbindung zum Terror

Wer sie sind

Die Salafisten sind eine religiöse und politische Bewegung des Islam, die nur von einer kleinen Minderheit der Muslime getragen wird. Sie lehnen westliche Demokratien ab und sehen eine „islamische Ordnung“ mit islamischer Rechtsprechung (Scharia) als einzig legitime Staats- und Gesellschaftsform an.

Was sie wollen

Salafisten vertreten einen rückwärtsgewandten Ur-Islam und lehnen jede theologische Modernisierung ab. Das arabische Wort „Salaf“ steht für: Ahnen, Vorfahren. Viele Salafisten tragen lange Bärte und weite Gewänder. Sie vertreten diskriminierende Positionen gegen Frauen und bestehen auf deren Vollverschleierung.

Wie viele Anhänger sie haben

In Deutschland zählen die Salafisten oder Neosalafisten knapp 6300 Anhänger, bis Ende des Jahres sieht der Verfassungsschutz die Zahl bei 7000. 1800 seien bereits nach Syrien oder in den Irak gezogen, um mit dem Islamischen Staat (IS) zu kämpfen. Teile der Bewegung stehen beim Verfassungsschutz im Verdacht, ein Sammelbecken für gewaltbereiten Islamismus zu sein und Verbindungen zu Terrornetzwerken zu pflegen.

Wen sie beeinflussen

Aus der größten Terrorvereinigung Algeriens, der „Salafistischen Gruppe für Predigt und Kampf“ ging die Terrororganisation „Al-Kaida im islamischen Maghreb“ hervor. In der Bundesrepublik stand die terroristische Sauerland-Gruppe unter salafistischem Einfluss. Fast alle Islamisten in Deutschland, die den Dschihad (Heiligen Krieg) befürworten, sind laut Verfassungsschutz mit dem Salafismus in Berührung gekommen.

„Auch in Deutschland wären solche Attentate nicht überraschend“, sagt Kaim. Seine Begründung: Kanada sei ein Einwanderungsland mit vielen Muslimen, in dem darüber diskutiert werde, inwieweit es sich im Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) engagiere – ebenso wie in Frankreich, Großbritannien, Deutschland und andere Ländern.

Das Engagement in Afghanistan und nun bei Einsätzen gegen den IS sei ein weiterer Punkt. Diese Rahmenbedingungen zusammengenommen mit der Beschreibung der Täter lasse die Wahrscheinlichkeit ähnlicher Anschläge auch bei uns und in unseren Nachbarländern größer werden.

Kommentare (18)

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Frau Ich hier

23.10.2014, 17:25 Uhr


Hat schon einmal jemand ernsthaft überlegt, warum die Terroristen, ich würde sie eher einfach nur als unsere Feinde bezeichnen, immer mehr werden?
Der Begriff "Terrorist" ist meiner Meinung nach das Brett, das uns Politiker und Medien vor den Kopf nageln, damit wir ja nicht MEHR sehen oder gar weiter nachdenken (... ob es vielleicht so etwas wie gerechtfertigte Reaktionen sind, die diese Leute motovieren).

Mein Bauchgefühl sagt mir, dass unsere Feinde mehr werden, dass liegt an uns selber, weil unsere bevorzugte Lösungsmethode die Gewalt ist, vom Drohnenmord, über Folter bis zum Krieg, den wir in andere Länder tragen und vieles andere mehr.

Nachgeben, in einer Tarifverhandlung würde man das einen ("vernünftigen"?) Kompromiss nennen, das kommt für uns nicht in Frage.
Der Gegner soll kapitulieren oder er wird ohne Rücksicht auf Verluste totgeschlagen.
Allerhöchstens kosmetische Zugeständnisse werden gemacht.

Ich denke, und die Gegenwart bestätigt das, so mehren wir unsere Feinde.
Ob WIR am Ende als "Sieger" aus der Sache herauskommen, das halte ich noch nicht für ausgemacht.

Es ist in meinen Augen Zeit für eine Kehrtwende dieser Totschlagsmentalität in der westlichen Politik.

Keiner wird als Terrorist geboren.
Die Umstände seines Lebens machen ihn dazu!
Die westliche Politik liefert reichlich Argumente für diese Leute.
Dort sollten wir ansetzen.

Wobei ich nicht meine, das wir kapitulieren sollen.

Aber das was bei uns an Offensivverteidigung praktiziert wird, ist meistens nichts weiter als pure Aggression aus ganz banalen egoistischen Motiven, zumeist mit wirtschaftlichem Hintergrund und/oder aus hegemonialen Machtansprüchen heraus.

Frau Ich hier

23.10.2014, 17:26 Uhr

Alles nur Terroristen um uns unschuldige Lämmer herum?

Hat schon einmal jemand ernsthaft überlegt, warum die Terroristen, ich würde sie eher einfach nur als unsere Feinde bezeichnen, immer mehr werden?
Der Begriff "Terrorist" ist meiner Meinung nach das Brett, das uns Politiker und Medien vor den Kopf nageln, damit wir ja nicht MEHR sehen oder gar weiter nachdenken (... ob es vielleicht so etwas wie gerechtfertigte Reaktionen sind, die diese Leute motovieren).

Mein Bauchgefühl sagt mir, dass unsere Feinde mehr werden, dass liegt an uns selber, weil unsere bevorzugte Lösungsmethode die Gewalt ist, vom Drohnenmord, über Folter bis zum Krieg, den wir in andere Länder tragen und vieles andere mehr.

Nachgeben, in einer Tarifverhandlung würde man das einen ("vernünftigen"?) Kompromiss nennen, das kommt für uns nicht in Frage.
Der Gegner soll kapitulieren oder er wird ohne Rücksicht auf Verluste totgeschlagen.
Allerhöchstens kosmetische Zugeständnisse werden gemacht.

Ich denke, und die Gegenwart bestätigt das, so mehren wir unsere Feinde.
Ob WIR am Ende als "Sieger" aus der Sache herauskommen, das halte ich noch nicht für ausgemacht.

Es ist in meinen Augen Zeit für eine Kehrtwende dieser Totschlagsmentalität in der westlichen Politik.

Keiner wird als Terrorist geboren.
Die Umstände seines Lebens machen ihn dazu!
Die westliche Politik liefert reichlich Argumente für diese Leute.
Dort sollten wir ansetzen.

Wobei ich nicht meine, das wir kapitulieren sollen.

Aber das was bei uns an Offensivverteidigung praktiziert wird, ist meistens nichts weiter als pure Aggression aus ganz banalen egoistischen Motiven, zumeist mit wirtschaftlichem Hintergrund und/oder aus hegemonialen Machtansprüchen heraus.

real. ist

23.10.2014, 17:47 Uhr

"Toleranz heißt, Zumutungen auszuhalten"

"Wir sind ein Land der Willkommenskultur"

"Der Islam gehört zu Deutschland"

"Deutschland ist ein Einwanderungsland"

"Wir müssen Migranten mehr Rechte einräumen"

"Deutschland braucht Menschen aus dem Ausland"

"Man muss fremden Kulturen mehr Verständnis gegenüber zeigen"

"Migranten sind Bereicherung für unsere Gesellschaft"

"Deutschland darf sich seinen Aufgaben nicht verschließen"


Nur ein paar geistige Rülpser unserer Volksverräter (Verzeihung, Volksvertreter)

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