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10.12.2015

15:30 Uhr

Terrorgefahr in Genf

Polizei fahndet noch nach Verdächtigen

Terroristen des IS oder der Al-Kaida planen möglicherweise Anschläge in der Uno-Metropole Genf. Nach entsprechenden Hinweisen kurz vor Syriengesprächen läuft eine Großfahndung nach Verdächtigen.

Noch immer sucht die Genfer Polizei nach den vier Terroverdächtigen. dpa

Konkrete Bedrohung

Noch immer sucht die Genfer Polizei nach den vier Terroverdächtigen.

GenfNach Warnungen vor möglichen Attentaten fahndet die Schweizer Polizei in Genf und Umgebung seit Donnerstag mit Hochdruck nach bis zu sechs Terrorverdächtigen. Besondere Schutzvorkehrungen wurden für den Genfer Sitz der Vereinten Nationen sowie für Synagogen, den internationalen Flughafen von Genf sowie mehrere Bahnhöfe getroffen, erklärten Behördensprecher. Die geheimdienstlichen Hinweise stünden teils im Zusammenhang mit den Anschlägen in Paris am 13. November.

Die Terrorwarnstufe für Genf wurde erhöht, teilte die dortige Sicherheitsbehörde mit. Es seien zusätzliche Einsatzkräfte mobilisiert worden. Sie würden wurden an potenziell besonders gefährdeten Orten eingesetzt. Die Bundesanwaltschaft in Bern teilte mit, es sei ein formelles Strafverfahren wegen der „möglichen Planung eines terroristischen Ereignisses“ gegen unbekannt eingeleitet worden. Es bestehe der Verdacht der Unterstützung krimineller Organisation sowie des Verstoßes gegen das Verbot der Terrorgruppierungen Al-Kaida und Islamischer Staat (IS) sowie ähnlicher Organisationen.

Die gesuchten Personen könnten sich in der Stadt oder auch der Region aufhalten, hieß es bei der Genfer Polizei. Man arbeite mit nationalen und internationalen Behörden zusammen, um die Gesuchten festnehmen zu können. Genf grenzt an drei Seiten an Frankreich.

Glossar – der politische Islam

Einen einheitlichen Islam...

… gibt es nicht. Die Religion hat etwa 1,6 Milliarden Anhänger weltweit. Doch die regional unterschiedlichen Spielarten des Glaubens variieren stark. Die meisten Muslime leben beispielsweise nicht etwa in einem Land auf der arabischen Halbinsel, sondern in Indonesien. Dort sind mit knapp 13 Prozent aller Muslime der Welt so viele Gläubige beheimatet wie in keinem anderen Staat.

Die Verwendung...

… von Begriffen wie Islamismus, politischem Islam, Fundamentalismus, radikalem Islam und Dschihadismus erfolgt in der Debatte oft nicht trennscharf. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 werden sie oftmals synonym und wenig trennscharf verwendet. Meist sollen mit „Islamismus“ solche fanatischen und gewalttätigen Gruppen mit terroristischer Ausrichtung erfasst werden, die sich auf den Islam beziehen.

Islamismus...

… bzw. Islamisten stehen für für alle politischen Auffassungen und Handlungen, die im Namen des Islams die Errichtung einer allein religiös legitimierten Gesellschafts- und Staatsordnung anstreben.

Problematisch ist,...

… dass gerade späteren Strömungen die Absicht eigen ist, den Islam nicht nur zur verbindlichen Leitlinie für das individuelle, sondern auch für das gesellschaftliche Leben zu machen. Oft geht das einher mit einer Ablehnung der Trennung von Religion, was ein Spannungsverhältnis schafft zu den Prinzipien von Individualität, Menschenrechten, Pluralismus, Säkularität und Volkssouveränität.

Friedliche Islamisten...

… sehen die Gewaltanwendung zur Durchsetzung ihres Ziels – der Errichtung eines islamischen Staats - nicht als ihr vorrangiges politisches Instrument.

Als Mittel des Widerstands...

… haben sich islamistische Strömungen allerdings in vielen Staaten entwickelt. Grobe Faustregel: Je stärker sie unterdrückt wurden, desto eher neigten sie zur Radikalisierung und einer Fokussierung auf den bewaffneten Kampf. So etwa in Syrien und in Ägypten.

Terrorismus...

… ist daher eines von mehreren Mitteln und Handlungsstilen, die Islamisten benutzen. Andere Beispiele sind Parteipolitik und Sozialarbeit.

Der Dschihad...

… bedeutet wörtlich „Anstrengung, Kampf, Bemühung, Einsatz“ für Gott, nicht Gotteskrieg. Man muss unterscheiden zwischen dem „großen Dschihad“ als Kampf gegen sich selbst, also umgangssprachlich gesagt Überwindung des eigenen „inneren Schweinehundes“ und dem „kleinen Dschihad“, dem Kampf im militärischen Sinne. Die Übersetzung von Dschihadisten als „Gotteskrieger“ verzerrt den Begriff daher, weil es einen einseitigen Fokus auf den bewaffneten Kampf legt.

In Schweizer Medienberichten hieß es, die Polizei suche insgesamt fünf Personen. Die Zeitung „Le Matin“ berichtete, einer der Gesuchten sei festgenommen worden. Das wurde von der Polizei zunächst aber nicht bestätigt. Der US-Geheimdienst CIA habe der Schweiz Warnungen vor möglicherweise geplanten Anschlägen zukommen lassen, schrieb „Le Matin“.

Die Hinweise bezögen sich unter anderem auf ein im Internet gefundenes Video, in denen vier bärtige Männer eine IS-Geste machten. Der fünfte Mann soll laut „Le Matin“ in einem Video mit Attentaten in Genf sowie den kanadischen Städten Vancouver und Ottawa gedroht haben.

Die Polizei wollte dazu keine Angaben machen. Sie verwies darauf, dass die Veröffentlichung von Einzelheiten die laufenden Ermittlungen stören könnten.

Auch für örtliche Medienberichte, wonach der Fahndungseinsatz im Zusammenhang mit am Freitag in Genf geplanten Gesprächen zwischen hochrangigen amerikanischen und russischen Diplomaten über den Syrien-Konflikt stehen könnte, gab es keine behördliche Bestätigung.

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