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26.12.2015

10:28 Uhr

Terrorismus im Irak

Der große Kampf gegen den IS steht noch bevor

Der IS beherrscht im Irak riesige Gebiete. Auch der Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten sowie der niedrige Ölpreis belasten das Land. Die Regierung steht unter großem Druck. 2016 werden wichtige Weichen gestellt.

Trotz einiger Erfolge der irakischen Armee gegen die Truppen des Islamischen Staates (IS) wie in Ramadi Stadt kontrolliert die Terrormiliz weiterhin wesentliche Teile im Nord- und West-Irak. dpa

Militäreinsatz im Irak

Trotz einiger Erfolge der irakischen Armee gegen die Truppen des Islamischen Staates (IS) wie in Ramadi Stadt kontrolliert die Terrormiliz weiterhin wesentliche Teile im Nord- und West-Irak.

BagdadDiesmal sind sich die irakischen Offiziere ganz sicher. Noch in diesem Jahr, verkündete das Verteidigungsministerium vor kurzem, würden die Sicherheitskräfte Ramadi einnehmen, die Hochburg der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Westen des Landes. Das Militär hat zwar schon häufiger angekündigt, die Befreiung der Provinzhauptstadt stehe unmittelbar bevor. Jetzt aber könnte die Vorhersage eintreffen. Nach monatelangen Kämpfen ist die Armee bis ins Zentrum Ramadis vorgedrungen. Der Sieg scheint nahe.

Für das Militär und die Regierung des Irak wäre dies politisch, militärisch und symbolisch ein äußerst wichtiger Erfolg – für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hingegen eine schmerzhafte Niederlage. Ramadi ist bisher neben Mossul im Norden und Falludscha im Westen mit die wichtigste Hochburg der sunnitischen Extremisten im Land. Sie liegt im Kerngebiet der irakischen Sunniten, wo die Dschihadisten unter der Bevölkerung die stärkste Unterstützung finden. Zudem führt von Ramadi aus eine wichtige Verbindung in die ostsyrische Stadt Dair as-Saur, ebenfalls ein wichtiges Zentrum der Terrormiliz.

Die Gegner des Islamischen Staates

USA

Die mächtigste Militärmacht der Welt führt den Kampf gegen den IS an. Seit mehr als einem Jahr bombardiert die US-Luftwaffe die Extremisten in Syrien und im Irak. An ihrer Seite sind auch Jets aus Frankreich und anderen westlichen Staaten sowie aus arabischen Ländern im Einsatz. Washington hat zudem US-Militärberater in den Irak entsandt, die Bagdad im Kampf am Boden unterstützen.

Russland

Moskaus Luftwaffe fliegt seit Ende September Luftangriffe in Syrien. Sie sollen nach Angaben des Kremls den IS bekämpfen. Der Westen und syrische Aktivsten werfen Russland jedoch vor, die meisten Luftangriffe richteten sich gegen andere Rebellen, um so das Regime von Präsident Baschar al-Assad zu unterstützen.

Deutschland

Deutschland liefert seit mehr als einem Jahr Waffen an die Kurden im Norden des Iraks, darunter die Sturmgewehre G3 und G36 und die Panzerabwehrwaffe Milan. Die Bundeswehr bildet zudem kurdische Peschmerga-Kämpfer für den Kampf am Boden aus.

Arabische Staaten

Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Katar und Jordanien unterstützen die USA bei den Luftangriffen. Vor allem Saudi-Arabien und Jordanien sehen den IS als Gefahr, weil die Extremisten bis an ihre Grenzen herangerückt sind.

Kurden

Sowohl im Norden Syriens als auch im Nordirak gehören die Kurden zu den erbittertsten Gegnern des IS. Die kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) im Syrien und die Peschmerga im Irak konnten den Extremisten empfindliche Niederlagen beibringen. Unterstützt werden sie von mehreren westlichen Staaten.

Irakische Armee

Das irakische Militär geht in mehreren Regionen des Landes gegen den IS vor. Allerdings kann sie nur wenige Erfolge vorweisen. Seit Monaten versucht die Armee erfolglos, die westirakische Provinz Al-Anbar zu befreien. Unterstützt wird sie von schiitischen Milizen, die eng mit dem Iran verbunden sind.

Syrische Rebellen

Sie bekämpfen das Regime und den IS. Das gilt auch für die Nusra-Front, syrischer Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida. Sie teilt die Ideologie des IS, ist aber mit ihm verfeindet.

Syrisches Regime

Auch das syrische Militär geht gegen den IS vor. Kritiker werfen dem Regime jedoch vor, es greife vor allem andere Rebellen an und lassen die Extremisten gewähren. Auffällig ist, dass sich die meisten syrischen Luftangriffe nicht gegen den IS, sondern gegen Regionen unter Kontrolle anderer Gruppen richten.

Für Iraks Regierungschef Haidar al-Abadi ist ein Erfolg der Offensive im Westen fast schon überlebenswichtig. Hinter dem schiitischen Politiker liegt ein schwieriges Jahr mit vielen Rückschlägen. Zwar konnte die Armee mit Hilfe schiitischer Milizen die Stadt Tikrit aus der Gewalt des IS befreien. Zugleich aber verlor sie Ramadi im Mai an die Extremisten – nach dem Verlust Mossuls vor mehr als einem Jahr eine weitere Schmach für das Militär und die Regierung.

Politisch steht der Ministerpräsident massiv unter Druck. Al-Abadi ging in den vergangenen Monaten mehrere Reformen an, mit denen er Korruption und Vetternwirtschaft bekämpfen will. Sie gelten als Grund dafür, dass die irakische Armee beim IS-Ansturm im Sommer 2014 wehrlos zusammenbrach. So verringerte Al-Abadi die Zahl der Posten im Kabinett deutlich. Eine neue Kommission soll künftig Schmiergeldvorwürfen gegen Regierungsbeamte nachgehen. Auch die Sicherheitsstrukturen will Al-Abadi umbauen, weshalb er zahlreiche Offiziere in Armee und Polizei feuerte.

Doch gegen die Reformen regt sich massiver Widerstand, vor allem unter schiitischen Politikern und Milizen, die um ihren Einfluss fürchten. Politisch und militärisch sind die eng mit dem Iran verbundenen Milizen längst einer der wichtigsten Akteure im Land. Sie werden zwar von der Regierung bezahlt, entziehen sich aber weitestgehend ihrem Einfluss. Die Milizen machten massiv Stimmung gegen Al-Abadis Plan, Nationalgarden in den irakischen Provinzen zu schaffen, weil damit die sunnitischen Kräfte gestärkt worden wären.

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