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06.09.2014

14:51 Uhr

Terrorismus

Syrische Armee fliegt Luftangriffe gegen IS

Mehr als 30 Tote hat es bei neuen Luftangriffen der syrischen Armee die Terrormiliz IS gegeben. Doch kann die IS nun zurückschlagen? Ein neues Video der Extremisten zeigt diese mit mehreren Kampfjets.

Eine F/A-18 fliegt übers Meer. Hat die Terrormiliz IS jetzt auch Kampfjets? Reuters

Eine F/A-18 fliegt übers Meer. Hat die Terrormiliz IS jetzt auch Kampfjets?

Al-RakkaBei Luftangriffen der syrischen Armee auf eine Hochburg der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Nordosten des Landes sind mehr als 30 Menschen ums Leben gekommen. Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete am Samstag, allein beim Einschlag von Raketen nahe einer Bäckerei in der Stadt Al-Rakka seien 25 Menschen gestorben. Mindestens zwölf der Opfer seien Zivilisten gewesen, neun IS-Kämpfer. In einem militärischen Ausbildungslager des IS starben demnach sechs Extremisten.

Aktivisten berichteten im Internet von 35 Toten und mehr als 40 Verletzten. In der Nähe der Bäckerei hielten sich demnach zahlreiche Menschen auf. Laut den Menschenrechtsbeobachtern flog die syrische Luftwaffe insgesamt acht Angriffe. Aufnahmen im Internet zeigten Schäden in einem Wohngebiet. Laut den Aktivisten wurde auch das Stromnetz getroffen, weshalb die Stadt ohne Elektrizität war.

Die oppositionsnahe Beobachtungsstelle berichtete zudem, auch unbemannte Aufklärungsflugzeuge seien über Al-Rakka geflogen. Die USA lassen seit einiger Zeit Drohnen über Syrien fliegen, um Informationen über die Terrormiliz zu sammeln.

Die Terrorgruppe Islamischer Staat

Ziel

Die Organisation Islamischer Staat (IS), früher Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) genannt, gehört zu den radikalsten islamistischen Gruppen im Nahen Osten. Sie kämpft für einen sunnitischen Gottesstaat im arabischen Raum.

Ursprung

Der IS ging aus dem irakischen Widerstand der 2003 gegründeten Gruppe „Tawhid und Dschihad“ hervor, die sich gegen die US-Invasion im Irak wandte. Erster Anführer war der für seine Grausamkeit berüchtigte Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi. Seit 2013 leitet der Iraker Abu Bakr al-Baghdadi den IS.

Aktivitäten

Die Gruppe griff Im Irak nicht nur US-Soldaten an, sondern verübte auch Selbstmordanschläge auf Schiiten und Christen im Land. Al-Sarkawi wurde 2006 von der US-Armee getötet. Seither führen Iraker die Organisation. Deren zweiter früherer Name „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ verdeutlicht den Anspruch, einen sunnitischen Großstaat zwischen Mittelmeer und Euphrat zu errichten.

Entwicklung

An Macht gewann der IS, als sie sich im Frühjahr 2013 in den syrischen Bürgerkrieg einmischte. Dort überwarf sie sich mit der aus syrischen Salafisten bestehenden Al-Nusra-Front, obwohl beide Gruppen damals dem Terrornetzwerk al-Qaida nahestanden.

Standorte

Vor allem im Nordosten Syriens greift der IS syrisch-kurdische Städte an und massakriert die Zivilbevölkerung. Im Irak profitiert die Miliz vom Streit der von Schiiten dominierten irakischen Regierung mit den sunnitischen Parteien des Landes. Am 29. Juni rief der IS das Kalifat in den von im kontrollierten Gebieten aus – mit al-Baghdadi als Kalif.

Finanzierung

Der IS finanzierte sich anfangs vor allem durch Spenden aus den Golfstaaten Katar und Saudi-Arabien, aber auch durch Wegzölle entlang der Grenzen zwischen Irak und Syrien. Mit den Landgewinnen nahmen die Gewinne aus illegalen Ölverkäufen der kontrollierten Felder zu.

Söldner

In den Reihen der Gruppe kämpfen internationale Brigaden, darunter Muslime aus Nordafrika und den arabischen Golfstaaten sowie Konvertiten aus Europa und Nordamerika.

Der Islamische Staat beherrscht im Norden und Osten Syriens rund ein Drittel der Fläche des Landes. Al-Rakka ist eines der wichtigsten Zentren der Extremisten. Die syrische Armee hatte in der Nähe vor zwei Wochen den strategisch wichtigen Militärflughafen Al-Tabka an die Dschihadisten verloren. Er war die letzte Bastion des Regimes von Präsident Baschar al-Assad in der Provinz Al-Rakka. Seitdem greift die Armee verstärkt Ziele in der Region aus der Luft an.

Bei Luftangriffen auf den Ort Al-Aschara in der Nähe der Stadt Dair as-Saur waren in der vergangenen Wochen mehrere Frauen und Kinder getötet worden. Danach kam es in dem Ort zu Protesten von Einwohnern gegen die Extremisten, wie die syrischen Menschenrechtsbeobachter berichteten. Die Demonstranten verlangten, dass die IS-Kämpfer sich nicht mehr in Wohngebieten verstecken. Die Extremisten erschossen und kreuzigten daraufhin einen Mann. Damit hätten sie die Einwohner vor weiterem Widerstand warnen wollen, so die Menschenrechtsbeobachter.

Bei der Eroberung des Militärflughafen Al-Tabka bekamen die Extremisten offenbar auch Kampfflugzeuge in die Hände. In einem am Freitag im Internet aufgetauchten Video der Dschihadisten vom Flughafen sind mehrere Jets zu sehen. Die Bilder zeigen, wie IS-Kämpfer auf einer Maschine herumklettern. Ob die Flugzeuge noch einsatzbereit sind, ist unklar. Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte hatte nach der Eroberung des Flughafens berichtet, die syrische Armee habe alle Jets in Sicherheit bringen können.

Von

dpa

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