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02.04.2016

17:03 Uhr

Terroristenfabrik Gefängnis

Radikalisierung hinter Gittern

Die französischen Haftanstalten gelten als „Brutstätten des Terrorismus“. Mehrere Pariser Attentäter hatten sich erst hinter Gittern radikalisiert. Frankreich will das künftig verhindern – mit verschiedenen Mitteln.

Islamistische Menschenfänger haben in Frankreichs Haftanstalten oft leichtes Spiel – gerade bei wütenden, labilen Gefangenen aus der Banlieue. dpa

Gefängnis als Terrorismusbrutstätte

Islamistische Menschenfänger haben in Frankreichs Haftanstalten oft leichtes Spiel – gerade bei wütenden, labilen Gefangenen aus der Banlieue.

FresnesEinige Häftlinge machten in den Zellen des Gefängnisses von Fresnes klare Ansagen. Beim Duschen muss eine Unterhose getragen werden, Frauensport ist im Fernsehen tabu, Sex als Gesprächsthema verboten - die Gefängnisinsassen predigen eine radikale Interpretation des Islams, die sie anderen aufdrängten. So jedenfalls schildern Aufseher die Lage in der Haftanstalt südlich von Paris, bevor Gefängnisdirektor Stéphane Scotto im Herbst 2014 einschritt. Er sonderte Häftlinge, die als Radikalisierer eingestuft wurden, vom Rest der Insassen ab.

„Eine Mehrheit muss vor einer Minderheit geschützt werden“, betont er heute. Der anfangs vom Pariser Justizministerium skeptisch beäugte Alleingang ist nach dem Terroranschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ zu einer Art Blaupause für Gefängnis-Reformprogramme geworden, um die Radikalisierung hinter Gittern zu verhindern.

Das Thema hatte neue Brisanz erhalten, da sich mehrerer Attentäter im Gefängnis radikalisiert haben sollen. Chérif Kouachi, der mit seinem Bruder den Anschlag auf „Charlie“ verübte, und Amédy Coulibaly, der kurz darauf einen jüdischen Supermarkt angriff, lernten sich beispielsweise im Gefängnis kennen.

Gefängnisdirektor Stéphane Scotto in Fresnes bei Paris: Die Änderungen in seiner Haftanstalt gelten als Vorbild für französische Gefängnis-Reformprogramme. dpa

Gefängnisdirektor Stéphane Scotto

Gefängnisdirektor Stéphane Scotto in Fresnes bei Paris: Die Änderungen in seiner Haftanstalt gelten als Vorbild für französische Gefängnis-Reformprogramme.

Nicht erst sei dem Terroranschlag auf „Charlie Hebdo“ wird dieser Verdacht oft geäußert: Hinter Gittern haben radikale Menschenfänger die Möglichkeit, die Wut labiler Mitgefangener aus den sozial abgehängten französischen Banlieues (Vororten) auf das System zu nutzen und diese auf ihre Seite zu ziehen. „Gefängnisse sind ein Brutapparat für Radikalisierung“, sagte der EU-Anti-Terror-Beauftragte Gilles De Kerchove im vergangenen Jahr. Ein Polizei-Verantwortlicher sprach gegenüber der französischen Gefängnisaufsicht CGLP sogar von einer „Brutstätte des Terrorismus“.

Frankreich hat kürzlich fünf spezielle Einheiten in Haftanstalten geschaffen, die das Abgleiten junger Männer in einen radikalen, gewaltbereiten Islam aufhalten oder sogar umkehren sollen. Durch Gesprächskreise, Treffen mit Terroropfern oder Historikern sollen sie dazu gebracht werden, ihr gewalttätiges Weltbild infrage zu stellen. Die Aufseher werden besonders geschult. Zunächst ist in jeder Einheit Platz für etwa 20 Insassen.

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