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08.12.2016

13:59 Uhr

Terrorkrieg

Dutzende Zivilisten bei Luftangriffen auf IS-Gebiete getötet

Regelmäßig bombardieren Jets in Syrien und im Irak Regionen unter Kontrolle der Terrormiliz Islamischer Staat. Erneut kommen dabei Zivilisten ums Leben. Wer war für die Luftangriffe verantwortlich?

Zivilisten werden oftmals in den Kampf gegen den Islamischen Staat reingezogen. dpa

Ungewollte beteiligt

Zivilisten werden oftmals in den Kampf gegen den Islamischen Staat reingezogen.

Bagdad/DamaskusBei Luftangriffen auf Gebiete unter Kontrolle der Terrormiliz IS in Syrien und im Irak sind Aktivsten und lokalen Quellen zufolge Dutzende Zivilisten ums Leben gekommen. Die meisten Menschen starben demnach bei der Bombardierung der westirakischen Grenzstadt Al-Kaim. Ein Krankenhausarzt berichtete von 66 Toten und 88 Verletzten. Der örtliche Parlamentsabgeordnete Faris al-Faris sprach am Donnerstag sogar von 120 Toten und 170 Verletzten. In Al-Kaim sei ein belebter Markt bombardiert worden, erklärte er.

Iraks Armeeführung wies die Meldungen hingegen als Propaganda der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zurück. Sämtliche Informationen aus Al-Kaim ständen unter Kontrolle der Extremisten, hieß es in einer Erklärung. Irakische Jets hätten Angriffe auf IS-Stellungen geflogen, in denen sich Selbstmordattentäter versteckt hätten.

Al-Faris erklärte hingegen, es gebe Informationen, wonach Iraks Luftwaffe Al-Kaim bombardiert habe. „Das ist ein großes Massaker, für das die Zentralregierung verantwortlich ist“, sagte er. Jets der irakischen Luftwaffe und der US-geführte internationalen Koalition greifen im Irak regelmäßig die sunnitische Terrormiliz an.

Die internationale Anti-IS-Koalition

Welche Länder beteiligen sich?

Nachdem der IS sich im Sommer 2014 in Syrien ausbreitete, beschlossen zehn Länder auf einer Nato-Konferenz ein Bündnis gegen die Terrormiliz. Heute gehören mehr als 60 Staaten zu der Allianz, darunter neben den USA auch Deutschland, Frankreich, Großbritannien und die Türkei. Saudi-Arabien und andere arabische Staaten wie Jordanien, Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar haben sich dem Bündnis ebenfalls angeschlossen.

Quelle: dpa

Wie geht die Allianz vor?

Derzeit bekämpft die Allianz den IS vor allem in Syrien und im Irak, wenngleich sich der IS auch in Libyen festgesetzt hat. Nach eigenen Angaben hat die Koalition mehr als 12.000 Luftangriffe auf IS-Stellungen geflogen. Die USA bilden im Irak Soldaten der Armee und kurdische Kämpfer aus, Deutschland liefert Waffen und Ausrüstung für kurdische Peschmerga und leistet mit sechs Tornado-Flugzeugen Aufklärungsarbeit.

Welche Erfolge gibt es?

Die Dschihadisten sind in Syrien und im Irak massiv unter Druck geraten. Seit Beginn vergangenen Jahres hat der IS mehr als ein Drittel seines „Kalifat“ genannten Herrschaftsgebietes eingebüßt. Vor allem die Kurden haben den Extremisten mit Hilfe internationaler Luftunterstützung im Norden beider Länder große Gebiete abgenommen. Der irakischen Armee gelang es, den IS aus wichtigen Städten wie Ramadi und Falludscha zu vertreiben. Außerdem haben die Luftschläge die Ölinfrastruktur unter IS-Kontrolle stark zerstört, weshalb die Extremisten laut Analysten unter Finanzproblemen leiden. Dennoch beherrscht der IS noch große Gebiete in Syrien und im Irak.

Welche Rolle spielt die Türkei?

Um die Rolle der Türkei gibt es Streit. Die Türkei stellt seit Sommer vergangenen Jahres ihren Luftwaffenstützpunkt Incirlik der Allianz für den Luftkampf gegen den IS bereit. Ankara hilft auch bei der Ausbildung und hat nach eigenen Angaben kurdische Peschmerga bei der Großoffensive auf Mossul mit Artillerie unterstützt. Die Regierung in Bagdad lehnt eine türkische Militärpräsenz im Irak allerdings ab. Die türkische Führung wiederum weigert sich, ihre Soldaten abzuziehen.

Wann ist Mossul befreit?

Das ist schwer zu sagen, zumal die eigentlichen Kämpfe um die Stadt noch nicht begonnen haben. Bei dem Koalitionstreffen in Paris geht es jedoch schon darum, die politischen Weichen für die Zeit nach dem IS in Mossul zu stellen. Das Gesellschaftsgefüge ist fragil in Iraks zweitgrößter Stadt. Während die meisten Iraker Schiiten sind, ist die Mehrheit der Bevölkerung in Mossul sunnitisch wie der IS. Zudem lebten viele Christen dort. Der sunnitische türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan forderte bereits, dass nach dem Ende der Kämpfe keine Schiiten mehr in der Stadt leben sollten.

Parlamentspräsident Salim al-Dschaburi forderte die Regierung in Bagdad auf, eine Untersuchungskommission einzusetzen. Al-Kaim liegt an der Grenze zu Syrien in der Provinz Al-Anbar, die vor allem von Sunniten bewohnt wird. Von diesen fühlen sich viele von der Mehrheit der Schiiten im Land diskriminiert.

Bei Luftangriffen auf IS-Gebiete in Nordsyrien wurden Aktivisten zufolge mindestens 22 Zivilisten getötet. Jets hätten in den vergangenen 24 Stunden Ziele in der Nähe der IS-Hochburg Al-Rakka und nördlich der Großstadt Aleppo bombardiert, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Donnerstag. Unter den Opfern im Norden Aleppos seien auch eine Mutter und ihre sieben Kinder.

Für die Bombardierung nahe Al-Rakka machten die Menschenrechtler das US-geführte internationale Bündnis verantwortlich. Bei dem Angriff nördlich von Aleppo sei unklar, ob ihn Flugzeuge der Koalition oder der Türkei geflogen hätten. Die USA und ihre Verbündeten bombardieren im Norden Syriens regelmäßig Regionen unter IS-Kontrolle. Die Extremisten beherrschen in Syrien und im Irak große Gebiete.

Von

dpa

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