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28.10.2015

11:24 Uhr

Terrormiliz Boko Haram

Nigerias Armee befreit 338 Geiseln

Die nigerianische Armee erzielt Erfolge im Kampf gegen die Terrormiliz Boko Haram. Erneut ist es den Soldaten gelungen, Hunderte Geiseln aus den Händen der Islamisten zu befreien – vor allem Frauen und Kinder.

„Wir werden Boko Haram besiegen“, verkündet ein Poster auf einem Bus in der nigerianischen Hauptstadt Lagos. dpa

Anti-Boko-Haram-Poster in Lagos

„Wir werden Boko Haram besiegen“, verkündet ein Poster auf einem Bus in der nigerianischen Hauptstadt Lagos.

LagosIn Nigeria hat die Armee nach eigenen Angaben 338 Menschen aus der Gewalt der Islamistengruppe Boko Haram befreit. Es seien vor allem Frauen und Kinder gerettet worden, teilte die Armee am Mittwoch mit. Die Militäroperation am Dienstag fand demnach im Sambisa-Wald im Nordosten des Landes statt, der als eine Hochburg der Extremistengruppe gilt.

„Die Einheit (der Armee) hat 338 Menschen gerettet, die von den Terroristen in Gefangenschaft gehalten wurden“, teilte die Armee mit. Es seien 192 Kinder und 138 Frauen unter den Befreiten. Zuletzt hatte die Armee Ende September gemeldet, dass sie 241 Mädchen und Frauen aus der Gewalt von Boko Haram befreit habe. Die Islamisten hatten seit Anfang 2014 hunderte Frauen und Mädchen verschleppt, darunter auch mehr als 270 Schülerinnen einer Schule in Chibok im Nordosten Nigerias.

Glossar – der politische Islam

Einen einheitlichen Islam...

… gibt es nicht. Die Religion hat etwa 1,6 Milliarden Anhänger weltweit. Doch die regional unterschiedlichen Spielarten des Glaubens variieren stark. Die meisten Muslime leben beispielsweise nicht etwa in einem Land auf der arabischen Halbinsel, sondern in Indonesien. Dort sind mit knapp 13 Prozent aller Muslime der Welt so viele Gläubige beheimatet wie in keinem anderen Staat.

Die Verwendung...

… von Begriffen wie Islamismus, politischem Islam, Fundamentalismus, radikalem Islam und Dschihadismus erfolgt in der Debatte oft nicht trennscharf. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 werden sie oftmals synonym und wenig trennscharf verwendet. Meist sollen mit „Islamismus“ solche fanatischen und gewalttätigen Gruppen mit terroristischer Ausrichtung erfasst werden, die sich auf den Islam beziehen.

Islamismus...

… bzw. Islamisten stehen für für alle politischen Auffassungen und Handlungen, die im Namen des Islams die Errichtung einer allein religiös legitimierten Gesellschafts- und Staatsordnung anstreben.

Problematisch ist,...

… dass gerade späteren Strömungen die Absicht eigen ist, den Islam nicht nur zur verbindlichen Leitlinie für das individuelle, sondern auch für das gesellschaftliche Leben zu machen. Oft geht das einher mit einer Ablehnung der Trennung von Religion, was ein Spannungsverhältnis schafft zu den Prinzipien von Individualität, Menschenrechten, Pluralismus, Säkularität und Volkssouveränität.

Friedliche Islamisten...

… sehen die Gewaltanwendung zur Durchsetzung ihres Ziels – der Errichtung eines islamischen Staats - nicht als ihr vorrangiges politisches Instrument.

Als Mittel des Widerstands...

… haben sich islamistische Strömungen allerdings in vielen Staaten entwickelt. Grobe Faustregel: Je stärker sie unterdrückt wurden, desto eher neigten sie zur Radikalisierung und einer Fokussierung auf den bewaffneten Kampf. So etwa in Syrien und in Ägypten.

Terrorismus...

… ist daher eines von mehreren Mitteln und Handlungsstilen, die Islamisten benutzen. Andere Beispiele sind Parteipolitik und Sozialarbeit.

Der Dschihad...

… bedeutet wörtlich „Anstrengung, Kampf, Bemühung, Einsatz“ für Gott, nicht Gotteskrieg. Man muss unterscheiden zwischen dem „großen Dschihad“ als Kampf gegen sich selbst, also umgangssprachlich gesagt Überwindung des eigenen „inneren Schweinehundes“ und dem „kleinen Dschihad“, dem Kampf im militärischen Sinne. Die Übersetzung von Dschihadisten als „Gotteskrieger“ verzerrt den Begriff daher, weil es einen einseitigen Fokus auf den bewaffneten Kampf legt.

Boko Haram kämpft seit sechs Jahren für die Errichtung eines islamischen Gottesstaats im mehrheitlich muslimischen Nordosten Nigerias. Mindestens 17.000 Menschen wurden in dem Konflikt bisher getötet, 2,5 Millionen Menschen wurden durch die Gewalt in die Flucht getrieben.

Von

afp

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