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01.11.2015

15:16 Uhr

Terrormiliz im Bürgerkrieg

IS meldet sich in Syrien zurück

Der Bürgerkrieg in Syrien kennt keine Pause. Nahe der wichtigen Hauptverkehrsader nach Damaskus liefern sich Dschihadisten Kämpfe mit Regierungstruppen. Eine Stadt fällt offenbar an die Kämpfer des Islamischen Staates.

Die Kämpfe in der Region um die Stadt Homs halten an. ap

Bürgerkrieg in Syrien

Die Kämpfe in der Region um die Stadt Homs halten an.

DamaskusIm syrischen Bürgerkrieg verbucht die Terrormiliz Islamischer Staat Geländegewinne. IS-Kämpfer hätten am Sonntag nach heftigen Kämpfen mit Regierungstruppen die Stadt Mahin in der Provinz Homs eingenommen, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Mahin liegt 25 Kilometer östlich der wichtigen Hauptverkehrsstrecke von Homs nach Damaskus.

Der IS-Sender Al-Bajan berichtete, die Extremisten hätten in der Stadt auch ein großes Waffenlager erobert. Nach Angaben der Beobachtungsstelle kämpft sich der IS weiter Richtung Westen. Auch in der Nähe der christlich geprägten Stadt Sadad habe es Gefechte mit syrischen Soldaten gegeben.

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Der IS beherrscht große Teile Syriens und des Irak. Um die Terrormiliz wirksamer zu bekämpfen, hatten die USA Ende vergangener Woche angekündigt, bis zu 50 Elitesoldaten in den Norden des Bürgerkriegslandes zu schicken. Zusammen mit Verbündeten fliegen die Vereinigten Staaten bereits seit einem Jahr Luftangriffe auf den IS, ohne ihn entscheidend zu schwächen.

Die Islamistengruppe hatte sich in den Wirren des seit 2011 wütenden Bürgerkriegs in Syrien etabliert. Am Freitag einigte sich eine internationale Konferenz in Wien darauf, die Bemühungen zur Beilegung des Konflikts zu intensivieren. In zwei Wochen soll weiter verhandelt werden.

Die syrische Regierung, die in Wien nicht vertreten war, begrüßte zwar die Friedensbemühungen allgemein. Doch sei es den Unterhändlern nicht gelungen, die Unterstützung der Feinde Syriens für Terrorismus zu beenden, sagte Außenminister Walid al-Muallim am Sonntag nach einem Treffen mit dem UN-Sondergesandten Staffan de Mistura. Die syrische Regierung bezeichnet die gesamte bewaffnete Opposition im Land als Terroristen.

Wer kämpft gegen wen in Syrien?

Bürgerkrieg in Syrien

Seit mehr als vier Jahren tobt in Syrien ein Bürgerkrieg. Dem Regime in Damaskus steht eine Vielzahl von Gegnern gegenüber, die Lage ist unübersichtlich. Längst werden die Rebellen von islamistischen und radikalen Gruppen dominiert.

Regime

Die Armee kontrolliert noch immer die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen. Unterstützt werden Assads Anhänger von der libanesischen Schiiten-Miliz Hisbollah sowie von iranischen Kämpfern.

Islamischer Staat (IS)

Die Terrormiliz ist die stärkste Kraft in Syrien. Sie kontrolliert im Norden und Osten riesige Gebiete. Allerdings mussten die Extremisten in diesem Jahr mehrere Niederlagen gegen die syrischen Kurden einstecken.

Dschaisch al-Fatah

Dabei handelt es sich um ein Bündnis verschiedener moderater und radikaler Gruppen, darunter die radikale Al-Nusra-Front, die islamistische Miliz Ahrar al-Scham und Brigaden, die sich als Teil der moderaten Freien Syrien Armee (FSA) sehen. Das Bündnis beherrscht im Nordwesten Syriens die Provinz Idlib.

Al-Nusra-Front

Der Ableger des Terrornetzwerkes Al-Kaida vertritt eine ähnliche Ideologie wie IS, beide Gruppen sind aber miteinander verfeindet. Die Nusra-Front ist vor allem im Nordwesten des Landes stark, kämpft aber auch im Süden.

Ahrar al-Scham

Die islamistische Miliz ist neben der Nusra-Front die wichtigste Kraft des Rebellenbündnisses Dschaisch al-Fatah. Sie gibt sich pragmatischer und weniger radikal als der Al-Kaida-Ableger.

Freie Syrische Armee

Die FSA ist keine Armee im eigentlichen Sinne, es gibt auch keine einheitliche Führung. Mehrere moderate Gruppen rechnen sich ihr jedoch zu. Stark sind diese im Nordwesten, wo sie auch zu dem Rebellenbündnis gehören, sowie im Süden.

Kurdische Volksschutzeinheiten

Mit Hilfe der US-Luftwaffe konnte die YPG den IS aus großen Gebieten im Norden Syriens zurückschlagen. Dort haben die Kurden eine Selbstverwaltung aufgebaut. Sie kooperieren mit dem Regime, aber auch mit dessen Gegnern. Zuletzt kam es jedoch zu Zusammenstößen mit Rebellengruppen in Aleppo.

Die USA hatten der syrischen Opposition weitere 100 Millionen Dollar in Aussicht gestellt. Auch Saudi-Arabien will diese nach eigenem Bekunden weiter unterstützen. Der saudische Außenminister Adel al-Dschubair zog nach der Wiener Konferenz eine skeptische Bilanz und sagte: „Wir waren nicht im Stande, eine Einigung zu finden“.

In Wien saßen erstmals die rivalisierenden Regionalmächte Saudi-Arabien und Iran zusammen am Verhandlungstisch, die beide indirekt am Syrien-Konflikt beteiligt sind. Der Iran stützt die syrische Regierung von Präsident Baschar al-Assad und will ihn im Amt halten, Saudi-Arabien fordert seinen Abgang.

Von

ap

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