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20.01.2016

03:11 Uhr

Terrormiliz

IS bestätigt Tod von „Dschihadi John“

Seine Brutalität hat Mohammed Emwasi zu einem der Schreckenssymbole des IS gemacht: Die Terrormiliz bestätigte nun, dass „Dschihadi John“ bei einem US-Angriff in Syrien getötet wurde.

Die IS-Terrormiliz bestätigt, dass „Dschihadi John“ bei einem US-Angriff in Syrien getötet wurde. dpa

„Dschihadi John“

Die IS-Terrormiliz bestätigt, dass „Dschihadi John“ bei einem US-Angriff in Syrien getötet wurde.

New YorkDie Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat den Tod des aus Enthauptungsvideos berüchtigten Mörders „Dschihadi John“ bestätigt. Eine Drohne habe am 12. November in der ostsyrischen Stadt Al-Rakka ein Auto getroffen und ihn getötet, heißt es in der am Dienstag im Internet verbreiteten Ausgabe des Propagandamagazins „Dabiq“. Ein Sprecher des US-Pentagons hatte damals einen Tag nach dem Angriff erklärt, „Dschihadi John“ sei so gut wie sicher tot. Eine letzte Bestätigung fehlt bisher jedoch noch.

„Dschihadi John“ ist eine der bekanntesten Figuren der sunnitischen Extremistengruppe. Der aus Kuwait stammende Extremist mit bürgerlichem Namen Mohammed Emwasi war erstmals im Enthauptungsvideo des US-Journalisten James Foley im August 2014 aufgetaucht. Emwasi war an weiteren Enthauptungen beteiligt. Der Mann trat in den IS-Videos stets vermummt auf und sprach Englisch mit Londoner Akzent. Es wird vermutet, dass er bei seinem Tod erst Mitte zwanzig war.

IS rühmt Emwasi als „Märtyrer“

„Dabiq“ rühmt Emwasi in einem dreiseitigen Artikel als „Märtyrer“. Demnach kämpfte er seit 2012 im syrischen Bürgerkrieg, wo er sich zunächst der Nusra-Front angeschlossen habe, dem Ableger des Terrronetzwerks Al-Kaida. Diese teilt zwar die Dschihad-Ideologie des IS, überwarf sich aber mit der Terrormiliz. Emwasi sei einer der ersten gewesen, die sich von der Nusra-Front losgesagt hätten.

Zugleich veröffentlichte der IS in dem Internetmagazin die Namen und Fotos von neun Attentätern, die im November an den Pariser Terroranschlägen beteiligt gewesen sein sollen. Dabei handele es sich um vier Franzosen, drei Belgier und zwei Iraker.

Bei den Anschlägen hatten Terrorkommandos 130 Menschen getötet. Auch sieben Attentäter kamen ums Leben. Weitere Angreifer und Komplizen werden gesucht. Der IS bekannte sich damals zu dem Attentat.

„Dschihadi John“ war seit August 2014 mehrmals maskiert und mit einem Messer bewaffnet in Videos zu sehen gewesen, mit denen der IS die Enthauptung westlicher Geiseln festhielt. Auffällig dabei war immer wieder sein britischer Akzent. Zu seinem Opfern zählten neben Foley und Steven Sotloff, der US-Entwicklungshelfer Abdul-Rahman Kassig, die britischen Helfer David Haines und Alan Henning sowie der japanische Journalist Kenji Goto.

Erfolge, Niederlagen und Terror des IS seit Ausrufung des „Kalifats“

IS

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ging aus einem Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida im Irak hervor. Ein Rückblick:

29. Juni 2014

Die sunnitischen Dschihadisten rufen in den von ihnen eroberten Gebieten in Syrien und im Irak ein „Kalifat“ aus. Erster „Kalif“ des neuen Gottesstaates sei Anführer Abu Bakr al-Bagdadi.

August 2014

8. August: Die USA fliegen erste Angriffe im Nordirak.

August: Die Enthauptung eines US-Journalisten schockt die Welt. In den folgenden Monaten verbreitet der IS im Internet weitere Videos mit der Ermordung zweier US-Bürger und zweier Briten.

19. September und Dezember 2014

19. September: Frankreich startet mit Hilfe arabischer Partnerländer erstmals Luftangriffe auf IS-Stellungen in Syrien.

Dezember: Kurdische Soldaten beenden mit Hilfe internationaler Luftangriffe die Belagerung des Sindschar-Gebirges nahe der IS-Hochburg Mossul. Im August waren Zehntausende Angehörige der jesidischen Volksgruppe vor den Dschihadisten in die Berge geflohen.

Januar und Februar 2015

Januar 2015: Nach monatelangen Kämpfen vertreiben kurdische Kämpfer den IS aus der nordsyrischen Stadt Kobane an der türkischen Grenze.

Februar: Ein Video zeigt, wie ein gefangener jordanischer Pilot bei lebendigem Leib verbrannt wird. Zuvor hatte die Terrormiliz bereits die Tötung zweier japanischer Geiseln zur Schau gestellt.

März und April 2015

März: Irakische Kräfte erobern die strategisch wichtige Stadt Tikrit zurück, die die Extremisten im Juni 2014 besetzt hatten.

April: IS-Kämpfer dringen in Ramadi 100 Kilometer westlich von Bagdad ein. Tausende Iraker fliehen vor dem Terror Richtung Bagdad, dürfen die Hauptstadt aber nicht betreten.

Mai und Juli 2015

Mai: Die Terrormiliz bringt Ramadi vollständig unter ihre Kontrolle. Kurden erobern IS-Gebiete in Nordsyrien.

Juni: Der IS verbreitet ein schockierendes Video über neue Hinrichtungsmethoden.

24. Juli und 6. August 2015

24. Juli: Nach einem dem IS zugeschriebenen Anschlag im türkischen Suruc fliegen türkische Kampfjets erstmals Angriffe auf IS-Stellungen in Syrien. Zudem öffnet Ankara wenig später den südtürkischen Nato-Stützpunkt Incirlik für US-Luftschläge gegen den IS.

6. August: Einer US-Bilanz zufolge hat das internationale Anti-Teror-Bündnis in einem Jahr mehr als 5900 Luftschläge gegen den IS im Irak und in Syrien geflogen. Außerdem sollen 10 000 IS-Kämpfer bei Angriffen getötet worden sein.

18. und 23. August 2015

18. August: Der IS enthauptet den früheren Chef-Archäologen der irakischen Oasenstadt Palmyra. Nach US-Angaben stirbt die Nummer zwei der Terrormiliz, Hadschi Mutas, bei einem Luftangriff im Irak.

23. August: Der IS sprengt den rund 2000 Jahre alten Tempel Baal Schamin in Palmyra. Einige Tage später zerstören die Extremisten auch den Baaltempel.

September 2015

Eine weitere Koalition bildet sich.  Russland bestätigt erstmals die Präsenz von Militärexperten in Syrien. Vorher waren Bilder russischer Soldaten in Syrien in den sozialen Netzwerken aufgetaucht. Russland und Iran unterstützen Syrien im Kampf gegen den IS, aber auch gegen andere Oppositionsgruppen.

November 2015

Nach den Anschlägen von Paris vom 13. November mit mindestens 129 Toten fliegt die französische Luftwaffe verstärkt Angriffe auf die Stadt Al-Raqqa, das inoffizielle Zentrum des vom IS kontrollierten Gebiet im Irak und Syrien. Frankreich fliegt bereits seit September 2014 Luftangriffe auf IS-Stellungen.

Eine frühere Geisel, der spanische Journalist Javier Espinosa, hatte ihn als Psychopathen bezeichnet, der es genossen habe, die westlichen Gefangenen zu bedrohen. Während seiner sechsmonatigen Gefangenschaft in Syrien seit September 2013 seien er und andere Geiseln von drei Extremisten mit britischem Akzent festgehalten worden, die den Spitznamen „Die Beatles“ bekommen hätten. „Dschihadi John“ war angelehnt an John Lennon, wie Espinosa sagte.

„Seine Härte gegenüber den Kuffar (Ungläubigen) wurde gefestigt durch Taten, die alle Nationen, Religionen und Gruppierungen der Kufr erzürnt haben, mit der gesamten Welt als Zeuge“, hieß es laut SITE in dem „Dabik“-Artikel.

Der US-Militärsprecher Steve Warren hatte im November bekanntgegeben, dass die Armee ziemlich sicher sei, dass Emwazi durch eine Drohne in Syrien getötet worden sei. Unabhängig von diesen Angaben hatte ein US-Regierungsbeamter berichtet, drei Drohnen - zwei aus den USA, eine aus Großbritannien - hätten das Fahrzeug ins Visier genommen, in dem der Extremist gesessen habe. Er hatte sich demnach auf dem Weg in die IS-Hochburg Rakka befunden. Eine der US-Drohnen habe eine Rakete abgefeuert, die das Fahrzeug getroffen habe, sagte der Beamte.

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