Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.12.2015

10:16 Uhr

Terrormiliz

IS kontrolliert Schmuggelrouten in Libyen

VonPierre Heumann

Auch nach der Libyen-Konferenz in Rom machen sich Experten wenig Hoffnung auf eine politische Lösung. Sie geben dem international abgestützten Versuch, das geteilte Land zu einigen, wenig Chancen.

In Libyen gibt es derzeit zwei Parlamente, zwei Regierungen und zahlreiche Milizen, die um die Herrschaft kämpfen. ap

IS

In Libyen gibt es derzeit zwei Parlamente, zwei Regierungen und zahlreiche Milizen, die um die Herrschaft kämpfen.

Tel AvivDie 17 Teilnehmerstaaten der Libyen-Konferenz, darunter die USA, Russland und Deutschland haben in Rom gegenüber Vertretern libyscher Gruppen zwar wirtschaftliche Hilfen und Unterstützung beim Wiederaufbau staatlicher Strukturen zugesagt, um die künftige Regierung der Nationalen Einheit zu unterstützen. Aber es gebe zu viele Gruppen in Libyen, die kein Interesse an einem Abkommen haben, meint Nordafrika-Experte Firas Abi-Ali von IHS Country Risk: „Diejenigen, die verhandeln, sind nicht die selben, die kämpfen.“ Für einen politischen Kompromiss sieht er nur wenig Chancen. Vor allem war lords haben ein Interesse an einer Fortsetzung der Kämpfe. Ein Ende würde ihre Bedeutung herab setzen. Und eine einzelne Gruppe, die stark genug wäre, sich gegenüber allen anderen durchzusetzen, sei nicht in Sicht. Zudem lehnen einflussreiche Kreise eine Lösung entschieden ab, die unter ausländischer Vermittlung zustande kommt.

Die Gegner des Islamischen Staates

USA

Die mächtigste Militärmacht der Welt führt den Kampf gegen den IS an. Seit mehr als einem Jahr bombardiert die US-Luftwaffe die Extremisten in Syrien und im Irak. An ihrer Seite sind auch Jets aus Frankreich und anderen westlichen Staaten sowie aus arabischen Ländern im Einsatz. Washington hat zudem US-Militärberater in den Irak entsandt, die Bagdad im Kampf am Boden unterstützen.

Russland

Moskaus Luftwaffe fliegt seit Ende September Luftangriffe in Syrien. Sie sollen nach Angaben des Kremls den IS bekämpfen. Der Westen und syrische Aktivsten werfen Russland jedoch vor, die meisten Luftangriffe richteten sich gegen andere Rebellen, um so das Regime von Präsident Baschar al-Assad zu unterstützen.

Deutschland

Deutschland liefert seit mehr als einem Jahr Waffen an die Kurden im Norden des Iraks, darunter die Sturmgewehre G3 und G36 und die Panzerabwehrwaffe Milan. Die Bundeswehr bildet zudem kurdische Peschmerga-Kämpfer für den Kampf am Boden aus.

Arabische Staaten

Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Katar und Jordanien unterstützen die USA bei den Luftangriffen. Vor allem Saudi-Arabien und Jordanien sehen den IS als Gefahr, weil die Extremisten bis an ihre Grenzen herangerückt sind.

Kurden

Sowohl im Norden Syriens als auch im Nordirak gehören die Kurden zu den erbittertsten Gegnern des IS. Die kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) im Syrien und die Peschmerga im Irak konnten den Extremisten empfindliche Niederlagen beibringen. Unterstützt werden sie von mehreren westlichen Staaten.

Irakische Armee

Das irakische Militär geht in mehreren Regionen des Landes gegen den IS vor. Allerdings kann sie nur wenige Erfolge vorweisen. Seit Monaten versucht die Armee erfolglos, die westirakische Provinz Al-Anbar zu befreien. Unterstützt wird sie von schiitischen Milizen, die eng mit dem Iran verbunden sind.

Syrische Rebellen

Sie bekämpfen das Regime und den IS. Das gilt auch für die Nusra-Front, syrischer Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida. Sie teilt die Ideologie des IS, ist aber mit ihm verfeindet.

Syrisches Regime

Auch das syrische Militär geht gegen den IS vor. Kritiker werfen dem Regime jedoch vor, es greife vor allem andere Rebellen an und lassen die Extremisten gewähren. Auffällig ist, dass sich die meisten syrischen Luftangriffe nicht gegen den IS, sondern gegen Regionen unter Kontrolle anderer Gruppen richten.

Von der Fragmentierung des Landes profitiert vor allem der Islamische Staat. Er kontrolliert derzeit Sirte. In Kufra und Sada ist seine Präsenz so stark, dass er dort ungehindert operieren kann. Libyen, meinen Beobachter in Nordafrika, sei für den IS wirtschaftlich noch lukrativer als Syrien. Das einstige Land Gaddafis habe nicht nur Erdöl, sondern sei auch Endpunkt der meisten Schmugglerrouten, die den afrikanischen Kontinent mit Europa verbinden. Der IS sei damit in der Lage, aus dem illegalen Handel Kapital zu schlagen. Er werde seine strategisch wichtige Stellung an der Schmugglerroute auch benützen, um von Migranten auf ihrer Flucht von Afrika nach Europa Geld zu verlangen.
In Libyen gibt es derzeit zwei Parlamente, zwei Regierungen und zahlreiche Milizen, die um die Herrschaft kämpfen. Die islamistisch ausgerichtete Regierung in Tripoli wird von Katar und der Türkei unterstützt, diejenige in Tobruk von Ägypten und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Beide kämpfen auch um die Kontrolle der Libyschen Zentralbank und ihrer Reserven sowie um die Herrschaft über die Erdölfelder.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×