Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.04.2013

09:39 Uhr

Terrornetzwerk

Al-Kaida twittert

Der Kurznachrichtendienst Twitter erlaubt Fans den direkten Zugang zu ihren Idolen. Diese Tatsache wird jetzt ins Absurde geführt: Die Terrororganisation Al-Kaida ist nun auch mit einem eigenem Twitterprofil am Start.

Bisher kommunizierte AQIM, ein Arm der Al-Kaida per Videobotschaften (hier im Bild: Mokhtar Belmokhtar). Jetzt hat die Terrororganisation ein Twitterprofil. Reuters

Bisher kommunizierte AQIM, ein Arm der Al-Kaida per Videobotschaften (hier im Bild: Mokhtar Belmokhtar). Jetzt hat die Terrororganisation ein Twitterprofil.

ParisEs geht um Themen wie soziale Missstände, Arbeitslosigkeit und Unterdrückung. Themen, die viele bewegen und mit denen neue Anhänger gewonnen werden sollen. Die Al-Kaida im Islamischen Maghreb – kurz AQIM – holt ihren Kampf zumindest ein Stück weit von den Schlachtfeldern und spricht mittlerweile über Twitter vermehrt jene Sorgen und Nöte an, die schon während des Arabischen Frühlings zu Revolutionen geführt haben.

„Das ist unser einziger Weg, mit der internationalen Öffentlichkeit zu kommunizieren, seit wir nach dem Sprachgebrauch der Amerikaner und ihrer Agenten in der Region als Terroristen gelten“, erklärte AQIMs Medien-Organisation, die Al-Andalus-Medien-Stiftung, vergangene Woche in einer ungewöhnlichen Frage-und-Antwort-Runde auf Twitter zur Begründung für die Internet-Offensive.

Der nordafrikanische Al-Kaida-Arm – bislang bekannt für Massenentführungen in Mali und tödliche Terrorangriffe in seinem Herkunftsland Algerien – hat offenbar keine Probleme, Gehör auf Twitter zu finden. In den ersten beiden Wochen nach dem Start des Accounts am 28. März gewann man mehr als 5000 Follower.

Anschläge von Al-Kaida

US-Botschaften in Nairobi und Daressalam

7. August 1998: Bei fast zeitgleichen Bombenanschlägen auf die US-Botschaften in Nairobi (Kenia) und Daressalam (Tansania) sterben 230 Menschen. Mehr als 5000 Menschen wurden verletzt. Als Drahtzieher gelten bin Laden und sein Netzwerk Al-Kaida. Besonders verheerend war der Anschlag in Nairobi, bei dem 219 Menschen ums Leben kamen. Unter den Toten waren zwölf Amerikaner und rund 100 kenianische Botschaftsmitarbeiter. In Daressalam, wo eine Bombe die Fassade der Botschaft wegriss, starben elf tansanische Angestellte. 75 Menschen wurden verletzt.

Die Angriff auf die USA

11. September 2001: Die Terror-Anschläge vom 11. September haben die Welt verändert. An diesem Tag greifen 19 islamistische Terroristen Symbole amerikanischer Macht an und töten rund 3000 Menschen. Die Bilder der einstürzenden Türme des World Trade Centers in New York gingen um die Welt und lösten Entsetzen aus.

Am Morgen kaperten die Terroristen vier zivile US-Boeings mit insgesamt 265 Menschen an Bord. Ein Flugzeug raste in den Nordturm des World Trade Centers und setzte ihn in Brand, kurze Zeit später krachte die zweite Maschine in den Südturm. Das dritte Flugzeug zerschellte 34 Minuten später im Westteil des Pentagon in Washington. Offenbar nach einem Kampf im Cockpit stürzte kurz darauf bei Pittsburgh (Pennsylvania) die vierte Maschine auf freiem Feld ab.

Unter dem eingestürzten World Trade Center wurden mehr als 2750 Opfer begraben. Auch die Entführer starben. In Washington gab es rund 190 Tote, darunter fünf Entführer. In Pennsylvania starben alle 44 Flugzeuginsassen, darunter die vier Entführer.

U-Bahn-Bombe in Moskau

31. August 2004: Eine mutmaßliche Tschetschenin sprengt sich in Moskau am Eingang der belebten U-Bahn-Station Rischskaja in die Luft. Elf Menschen sterben, darunter die Attentäterin und ihr Komplize, ein seit langem gesuchter Terrorist aus der nordkaukasischen Teilrepublik Karatschai-Tscherkessien. Rund 50 Menschen werden verletzt. Die Terrorgruppe Islambuli-Brigaden der Al-Kaida bekennt sich zu der Tat.

Selbstmordattentat in Scharm el Scheich

23. Juli 2005: Bei einer Serie von Anschlägen im ägyptischen Badeort Scharm el Scheich werden 66 Menschen getötet. Ein Terrorist rast mit seinem Auto in die Eingangshalle des Ghazala Garden Hotels und sprengt sich dort in die Luft. Zu den Anschlägen bekennen sich eine mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbundene Organisation und die Gruppe „Heilige Krieger von Ägypten“.

Attacke auf jordanische Hotels

9. November 2005: Drei Selbstmordattentäter reißen in der jordanischen Hauptstadt Amman 60 Menschen mit in den Tod. Die stärkste Explosion ereignet sich im Radisson SAS Hotel während einer Hochzeitsfeier, wo sich der Terrorist unter die Gäste mischte. Auch in den Fünf-Sterne-Hotels Grand Hyatt und Days Inn detonieren Bomben. Die bis dahin im Irak operierende Terrorgruppe Al-Kaida im Zweistromland um den Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi bekennt sich zu der Tat.

„Wir brauchen Spezialisten auf den Gebieten Medizin, Chemie, Elektronik, Waffenbau und neue Medien“, hieß es in der Frage-Antwort-Runde, „außerdem andere Fähigkeiten in den Bereichen Wissenschaft und Management – aber zuallererst muss die Kenntnis der Scharia vorhanden sein.“

AQIM entstand 2006, war ein Sammelbecken für radikale Aufständische in Algerien und breitete sich von dort über die Sahara aus. Im vergangenen Jahr erlangte AQIM zusammen mit zwei anderen radikalen Gruppen die Herrschaft über Nord-Mali und ging dort mit brutaler Gewalt gegen alle vor, die der radikalen Interpretation des islamischen Rechts nicht folgen wollten. Am 11. Januar startete unter der Führung der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich eine Gegenoffensive, die radikale Führer und Kämpfer zum Rückzug zwang.

In Statements und Tweets auf Arabisch und in holprigem Englisch wurde gegen die „Kreuzritter aus Frankreich“ und Präsident François Hollande, der die Militäraktion anordnete, vom Leder gezogen. Am ersten Tag auf Twitter verbreitete der AQIM-Medien-Arm ein Statement, das den Tod der französischen Geisel Philippe Verdon verkündete – was bislang noch nicht von Frankreich bestätigt wurde. Verbunden war die Ankündigung mit der Warnung, dass weitere Geiseln getötet werden könnten, wenn die 4000 französischen Soldaten nicht abgezogen würden. Derzeit hält AQIM fünf Franzosen in seiner Gewalt.

Dass die Social-Media-Offensive etwas mit dem militärischen Rückzug zu tun habe, wies AQIM entschieden zurück. Zumindest der zeitliche Zusammenhang zwischen massiven Verlusten bei Kämpfern und Territorium und der Entdeckung des Internets ist jedoch nicht von der Hand zu weisen.

Einen Schwerpunkt seiner Propaganda-Kampagne legt AQIM nach wie vor auf sein Herkunftsland Algerien. Vergangene Woche etwa veröffentlichte man eine Erklärung, die eher wie die Äußerung einer Oppositionspartei als die einer Terrorgruppe klang. Mit Blick auf die Präsidentenwahl im kommenden Jahr wurde da Amtsinhaber Abdelaziz Bouteflika scharf kritisiert und „das verloren gegangene Vertrauen der armen Bevölkerung“ beklagt, die Not leide. Zudem wurden fehlende Meinungsfreiheit und der Mangel an stabilen Internetzugängen moniert.

„Das sind die direkten Folgen des Arabischen Frühlings“, sagt Jean-Paul Rouiller, Direktor des Genfer Zentrums für Terrorismusanalyse, über die Medienkampagne von AQIM. „Sie sind weniger gewalttätig in dem, was sie schreiben. Stattdessen geben sie sich sozialer, versuchen einen Bezug herzustellen zu den Problemen der Menschen, besonders in Algerien.“

Der Arabische Frühling hat 2011 zur Absetzung zahlreicher Autokraten in der arabischen Welt geführt. An Algerien ging er vorbei. Die Menschen dort suchten Ruhe nach einer langen Zeit des Schreckens und der Gewalt mit geschätzt 200 000 Todesopfern.

In den algerischen Nachbarländern Tunesien und Libyen ist die Situation heute noch immer instabil. AQIM scheine zu denken, dass man die Situation noch etwas anheizen könne, sagt Rouiller. Und dann wolle die Organisation „Teil einer zweiten Welle“ sein.

Rouiller und andere Experten bezweifeln, dass Twitter das Hauptrekrutierungs-Tool von AQIM wird. Aber der Zulauf des Accounts zeige, dass es da ein Vakuum gegeben habe. „Wir sprechen hier nicht von Rihanna“, sagt Rouiller. Die Zahl der Follower „sagt uns eine Menge über den Einfluss. Da tut sich gerade etwas.“

Von

ap

Kommentare (9)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

28.04.2013, 10:04 Uhr

Na wenn das der Prophet wüsste, was diese islam-faschistischen Halbstarken mit Hang zur Perversion da in seinem Namen veranstalten - da wär der blasphemische Kopf wohl ab. Kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass mit "Islam" die Hingabe an das Kleinhirn gemeint ist. Die Irr-Wege zur Wahrheit/Allah können schon bizarr sein.

Account gelöscht!

28.04.2013, 10:09 Uhr

Die Zahl der Follower „sagt uns eine Menge über den Einfluss. Da tut sich gerade etwas.“
--------------
Hier fehlt offensichtlich Aufklärung !
Was die Scharia ist , welche Islamischen Gesetze zu befolgen sind , was ein verstoß für Konsequenzen hätte sollte doch mal ausführlich erklärt werden .
Die Kausalität , wenn man nach Islamisches recht in Europa zb.leben möchte , sollte eindeutig dargestellt werden .
Diese vielen "Follower" sind nur auf Unwissenheit zurückzuführen .

Account gelöscht!

28.04.2013, 10:19 Uhr

Das der Krieg Muslime gegen die Christen und andere Glaubensrichtungen voll entbrannt ist, verleugnen nur Leute die auch den Afghanistan Krieg als Bauhilfe bezeichnet haben
und nie als Krieg. Die Muslime und ihre Terrororganisationen
sind mittlerweise stärker in den Bevölkerungenstrukturen
westlicher Länder vertreten als uns lieb ist. Ob Parteien
in Deutschland und Europa und Muslimischen Organisationen, die harmlos sich verhalten aber vehement Islamische Forderungen umsetzen, der Islam siegt Stück für Stück. Die Kreuze aus Schulen,dafür Kopftuch rein.Schwimm.-Turn,-Klassenreisen out und muslimische Gebetsräume bitte einrichten. Mit Twittern geht es weiter
und man sieht, dass die Politik von gewissen Parteien gegen die Bürger Jungen Leuten zu den Muslimen treiben wo sie Macht,Ordnung und Zusammenhalt erleben. Im Gegensatz
zu Erniedrigung,Schuldgefühlen und eigentlich auch heimatlos. Der Krieg der Religionen hat aber auch was Gutes. Dieser Krieg der Muslime verhindert einen großen Weltkrieg, weil alle Staaten mittlerweile angegriffen werden. Die Muslime können nicht siegen, aber uns noch jahrzehnte beschäftigen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×