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25.06.2015

17:31 Uhr

Terrornetzwerk

IS wirbt gezielt junge Frauen an

Aus Deutschland in die Kampfgebiete der Terrormiliz – diese Route nehmen immer mehr Frauen, die sich dem „Islamischen Staat“ anschließen. Sie werden gezielt angesprochen – per Online-Netzwerk.

In Raqqa betreibt der Islamische Staat ein Frauenhaus. Von dort werden die einreisenden Frauen ihren künftigen Ehemännern zugeführt. dpa

Mädchenhandel

In Raqqa betreibt der Islamische Staat ein Frauenhaus. Von dort werden die einreisenden Frauen ihren künftigen Ehemännern zugeführt.

Berlin/MainzImmer mehr junge Frauen aus Deutschland werden nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden gezielt für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angeworben. Die Zahl der Frauen, die sich am Terror beteiligten, steige überproportional, sagte Innenminister Thomas de Maizière (CDU) am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. „Das bezieht sich insbesondere auf junge Frauen.“ Männer und Frauen würden häufig aktiv aufgesucht. Das Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz bestätigte einen Bericht von WDR, NDR und „Süddeutscher Zeitung“, wonach den Behörden rund ein Dutzend Anwerberinnen bekannt sind, die Frauen für den IS rekrutieren.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) hat bisher allerdings keinen Beweis für eine systematisch und zentral gesteuerte Ausreise von Frauen zum Kampf für das Terrornetzwerk. Zwar gebe es im Internet in großem Umfang Aufrufe zur Ausreise von Frauen in den sogenannten Heiligen Krieg nach Syrien oder in den Irak, teilte das BfV auf Anfrage mit. „Bislang existieren keine Belege, dass die Ausreisen in Deutschland zentral und gezielt organisiert werden.“ Hinweise zu möglichen „Anwerberinnen“ lägen in Einzelfällen vor.

In dem Bericht von WDR, NDR und „SZ“ ist die Rede von einem „Mädchennetzwerk“. Dieses gebe es nur im Internet, nicht physisch vor Ort, erklärte das LKA Rheinland-Pfalz.

Die Frauen werden dem Bericht zufolge in Syrien bereits erwartet: In Raqqa betreibe die Terrormiliz ein schwer bewachtes Frauenhaus. Mehrere Quellen hätten berichtet, ankommende Frauen würden dorthin gebracht, eingesperrt und zu ihren künftigen Ehemännern gebracht.

Bisher sind 700 Islamisten aus Deutschland in die Kampfgebiete in Syrien oder im Irak ausgereist, darunter annähernd 100 Frauen. Das hatten die Verfassungsschützer berichtet. Ein Drittel der bisher Ausgereisten ist nach BfV-Angaben wieder zurückgekehrt, mehr als 50 von ihnen gelten als besonders gefährlich, weil sie Kampferfahrungen gesammelt haben. Die Zahl der Salafisten in Deutschland liegt inzwischen bei 7500, sie wächst weiter.

Glossar – der politische Islam

Einen einheitlichen Islam...

… gibt es nicht. Die Religion hat etwa 1,6 Milliarden Anhänger weltweit. Doch die regional unterschiedlichen Spielarten des Glaubens variieren stark. Die meisten Muslime leben beispielsweise nicht etwa in einem Land auf der arabischen Halbinsel, sondern in Indonesien. Dort sind mit knapp 13 Prozent aller Muslime der Welt so viele Gläubige beheimatet wie in keinem anderen Staat.

Die Verwendung...

… von Begriffen wie Islamismus, politischem Islam, Fundamentalismus, radikalem Islam und Dschihadismus erfolgt in der Debatte oft nicht trennscharf. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 werden sie oftmals synonym und wenig trennscharf verwendet. Meist sollen mit „Islamismus“ solche fanatischen und gewalttätigen Gruppen mit terroristischer Ausrichtung erfasst werden, die sich auf den Islam beziehen.

Islamismus...

… bzw. Islamisten stehen für für alle politischen Auffassungen und Handlungen, die im Namen des Islams die Errichtung einer allein religiös legitimierten Gesellschafts- und Staatsordnung anstreben.

Problematisch ist,...

… dass gerade späteren Strömungen die Absicht eigen ist, den Islam nicht nur zur verbindlichen Leitlinie für das individuelle, sondern auch für das gesellschaftliche Leben zu machen. Oft geht das einher mit einer Ablehnung der Trennung von Religion, was ein Spannungsverhältnis schafft zu den Prinzipien von Individualität, Menschenrechten, Pluralismus, Säkularität und Volkssouveränität.

Friedliche Islamisten...

… sehen die Gewaltanwendung zur Durchsetzung ihres Ziels – der Errichtung eines islamischen Staats - nicht als ihr vorrangiges politisches Instrument.

Als Mittel des Widerstands...

… haben sich islamistische Strömungen allerdings in vielen Staaten entwickelt. Grobe Faustregel: Je stärker sie unterdrückt wurden, desto eher neigten sie zur Radikalisierung und einer Fokussierung auf den bewaffneten Kampf. So etwa in Syrien und in Ägypten.

Terrorismus...

… ist daher eines von mehreren Mitteln und Handlungsstilen, die Islamisten benutzen. Andere Beispiele sind Parteipolitik und Sozialarbeit.

Der Dschihad...

… bedeutet wörtlich „Anstrengung, Kampf, Bemühung, Einsatz“ für Gott, nicht Gotteskrieg. Man muss unterscheiden zwischen dem „großen Dschihad“ als Kampf gegen sich selbst, also umgangssprachlich gesagt Überwindung des eigenen „inneren Schweinehundes“ und dem „kleinen Dschihad“, dem Kampf im militärischen Sinne. Die Übersetzung von Dschihadisten als „Gotteskrieger“ verzerrt den Begriff daher, weil es einen einseitigen Fokus auf den bewaffneten Kampf legt.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Herr Horst Meiller

25.06.2015, 19:41 Uhr

"Die Zahl der Salafisten in Deutschland liegt inzwischen bei 7500, sie wächst weiter."
Kommt das nur mir so vor, oder kann es sein, daß sowohl Politik als auch Medien inzwischen völlig den Verstand verloren haben- oder schon komplett resigniert haben und das Land hier einfach nur noch sich selbst überlassen? )o:)

Herr Markus Jungfer

25.06.2015, 20:53 Uhr

Alle ausreisen lassen; am besten gleich ausfliegen und mit leichten Waffen ausrüsten (ob sie die Waffen über unsere "Verbündeten" bekommen oder gleich von uns macht praktisch keinen Unterschied). Pässe müssen abgegeben werden, Aufenthaltsgenehmigungen werden widerrufen; eine Rückkehr ist ausgeschlossen.

Wenn alle Extremisten aus Europa in den nahen Osten ausgereist sind, dann hat der liberale Islam in Europa die Möglichkeit zu beweisen das es ihn wirklich gibt.

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