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18.07.2016

17:51 Uhr

Terrornetzwerk wird globaler

Wie der IS den Terror exportiert

Der sogenannte Islamische Staat ist im Nahen Osten geografisch drastisch geschrumpft. Aber eine regionale Niederlage des Kalifats ist nicht das Ende des Netzwerks. Im Gegenteil, der IS erweitert sein Repertoire.

Der IS zieht vor allem Menschen an, die schon mal Gewalt ausgeübt haben oder mit dem Gesetz in Konflikt standen. dpa

IS zieht bestimmten Anhänger-Typ an

Der IS zieht vor allem Menschen an, die schon mal Gewalt ausgeübt haben oder mit dem Gesetz in Konflikt standen.

TunisTrotz ihrer Erfolge gegen die Terroristen des Islamischen Staates (IS) dürfte sich die Feierlaune bei der Anti-IS-Konferenz in Washington ab Mittwoch in Grenzen halten. Das Herrschaftsgebiet der Dschihadisten im Nahen Osten ist nach Angaben des Pentagon zwar drastisch geschrumpft – um 45 Prozent im Irak und 20 Prozent in Syrien – doch der IS verlagert den Krieg und exportiert den Terror in den Westen. Dafür brauchen die Dschihadisten nicht einmal mehr Bomben und auch kein Maschinengewehr. Ein Führerschein reicht, wie der Anschlag von Nizza auf den Nationalfeiertag der Franzosen zeigt.

Als Mohamed Lahouaiej-Bouhlel mit dem weißen Lastwagen über die Promenade des Anglais raste und mindestens 84 Menschen zu Tode fuhr, wusste die IS-Führung im fernen Kriegsgebiet vermutlich nichts von der Tat. Zwei Tage später verbreiteten die IS-nahe Nachrichtenagentur Amak und der IS-Radiosender Al-Bajan aber die Nachricht, der 31-jährige Tunesier sei „ein Soldat“ des Kalifats gewesen. Der IS reklamierte den Anschlag für sich, ohne weiteres Insiderwissen preiszugeben. Deutlich wird dadurch vor allem, dass die Dschihadisten ihr terroristisches Repertoire in den letzten Jahren erweitert haben.

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Die Europäer haben bisher kein wirksames Mittel gegen die Strategie des IS gefunden. Auch Deutschland könnte es irgendwann treffen. Damit dies nicht passiert, sind vor allem drei Dinge wichtig. Ein Gastbeitrag.

„Al-Kaida wollte immer große Anschläge verüben“, schreibt Terrorismusforscher Peter Neumann vom King's College in London. „Ihnen ging es um ein zweites 9/11 oder zumindest um etwas Vergleichbares, wie die Anschläge in London und Madrid.“ Der IS verstehe es im Gegensatz Al-Kaida deutlich besser, dass selbst kleine Attentate für große Furcht in der Bevölkerung sorgen. „Einsame Wölfe wurden als Verlierer angesehen, die ihr Leben für Aktionen vergeuden, die niemanden interessieren“, analysiert Neumann.

Doch schon mit den Enthauptungsvideos westlicher Geiseln zeigte der Islamische Staat, dass es keine monatelangen Vorbereitungen für hochkomplexe Operationen braucht. Terrorattacken durch „Einsame Wölfe“ haben einen ungeheuren psychologischen Einfluss auf den Westen.

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