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04.01.2005

13:40 Uhr

Terrorprozess in Hamburg fortgesetzt

BKA: El Kaida hat 70 000 Männer ausgebildet

Nach Schätzungen des Bundeskriminalamtes (BKA) wurden in Trainingslagern des Terrornetzes El Kaida rund 70 000 Männer zu Glaubenskriegern ausgebildet.

HB HAMBURG. Neben islamischen Schulungen habe in den Camps der Umgang mit Waffen im Vordergrund gestanden, sagte eine BKA-Beamtin am Dienstag als Zeugin im neu aufgerollten Prozess gegen den mutmaßlichen Terrorhelfer Mounir El Motassadeq vor dem Hamburger Oberlandesgericht. Der angeklagte Marokkaner hatte in einem ersten Verfahren eine Ausbildung in einem El-Kaida-Lager in Afghanistan eingeräumt.

Nach Schilderung der Beamtin wurden die Männer in den Lagern auf den Dschihad („Heiliger Krieg“) vorbereitet. Sie lernten, Schusswaffen zu gebrauchen und Sprengstoff herzustellen. Auch im Straßen- und Geländekampf seien sie geschult worden. Als Nachschlagewerk hätten in arabischer Sprache verfasste „Terrorhandbücher“ gedient. El-Kaida-Anführer hätten den Männern zudem Verschleierungsstrategien beigebracht, die sie später bei möglichen Polizeiverhören oder vor Gericht anwenden sollten.

Osama bin Laden habe mehrmals in den Ausbildungslagern Reden gehalten, sagte die Zeugin. Ideologische Grundlage seines Terrornetzes sei die Überzeugung, dass das Töten von Amerikanern und ihren Verbündeten zur Pflicht eines jeden Moslems gehöre.

Voraussetzung für die Aufnahme in einem Lager Bin Ladens sei ein Referenzschreiben gewesen, sagte die auf El Kaida spezialisierte Kriminalhauptkommissarin. Die Männer, die damals aus aller Welt in die vor allem in Afghanistan gelegenen Lager reisten, seien vor Beginn der Ausbildung in Gästehäusern untergebracht gewesen. Dort seien ihnen die Pässe abgenommen und Decknamen zugeteilt worden.

Der heute 30 Jahre alte Motassadeq muss sich wegen Beihilfe zum Mord und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung verantworten. Er war in einem ersten Prozess 2003 zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil aber auf und verwies den Fall nach Hamburg zurück. Noch bis Anfang Februar sollen in dem Verfahren Zeugen gehört werden.

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