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11.04.2016

20:47 Uhr

Terrorverdächtiger Abrini

Anschlagspläne während der EM

Medienberichten zufolge sollen die Attentäter von Brüssel Anschläge während der Fußball-EM in Frankreich geplant haben. Der Fahndungsdruck ließ sie demnach auf die belgische Hauptstadt ausweichen.

Beamte haben den Terrorverdächtigen Mohamed Abrini am Freitag in Brüssel festgenommen. AP

Polizei-Einsatz in Brüssel

Beamte haben den Terrorverdächtigen Mohamed Abrini am Freitag in Brüssel festgenommen.

BrüsselDer verhaftete Terrorverdächtige Mohamed Abrini soll zwei unbestätigten Medienberichten zufolge die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich als Ziel genannt haben. Die Attentäter hätten ursprünglich während der EM zuschlagen wollen, sagte Abrini den Ermittlern laut einem Bericht der französischen Zeitung „Libération“.

Das Blatt beruft sich auf eigene Informationen. Die Fußball-EM findet vom 10. Juni bis zum 10. Juli statt.

Der Fernsehsender CNN berichtete am Montag ebenfalls von angeblichen Anschlagsplänen während der EM und berief sich auf eine „Quelle, die den Ermittlungen nahe steht“. Die Fahnder prüften nun die Behauptungen Abrinis. Die belgische Staatsanwaltschaft hatte am Wochenende mitgeteilt, dass die Brüsseler Terrorzelle ursprünglich in Frankreich zuschlagen wollte, dann aber unter dem Fahndungsdruck auf Brüssel ausgewichen sei. Die Behörde äußerte sich am Montag nicht. „Wir geben keinerlei Kommentar über eventuelle Ziele ab“, sagte Sprecher Thierry Werts der Nachrichtenagentur Belga.

Brüssel und die Folgen für Deutschland

Wie haben die deutschen Sicherheitsbehörden reagiert?

Wie andere EU-Staaten hat Deutschland seine Sicherheitsvorkehrungen hochgefahren. Das heißt, es wurden zum Beispiel die Kontrollen im Grenzraum, an Flughäfen und Bahnhöfen intensiviert. Die Sicherheitsvorkehrungen an Airports wurden generell verstärkt.

Was passiert hinter den Kulissen?

Polizei und Geheimdienste schauen sich nochmals genauer die deutsche Islamisten-Szene an und suchen nach möglichen Querverbindungen zu den Tätern. Sie durchforsten das Internet nach Hinweisen und Reaktionen der Szene und tauschen sich öfter als üblich im Gemeinsamen Terrorabwehrzentrum aus, wo 40 Sicherheitsbehörden aus Bund und Ländern vertreten sind. Nach den jüngsten Anschlägen in Europa war es auch verstärkt zu Durchsuchungen und Festnahmen gekommen, um Druck auf die Szene auszuüben. Das könnte nun wieder passieren.

Macht das die Islamisten nicht erst recht nervös und gefährlich?

Der Terrorexperte Rolf Tophoven hält das für möglich: Wenn der Fahndungsdruck zunehme, könnten sich Einzelne in die Enge getrieben fühlen, ihrem Auffliegen zuvorkommen und Anschlagspläne vorziehen. Er sieht die Attacken in Brüssel als direkte Reaktion auf die Festnahme des mutmaßlichen Top-Terroristen Salah Abdeslam - einen der Hauptverdächtigen für die Anschläge in Paris. Die belgische Polizei hatte den Mann am Freitag in Brüssel festgenommen. Tophoven meint, Abdeslams Umfeld habe nun wohl zeigen wollen, dass es auch nach dem Zugriff weiter handlungsfähig sei. Innenminister Thomas de Maizière (CDU) räumte ein, erfolgreiche Maßnahmen wie Festnahmen könnten dazu führen, dass Terroristen als Reaktion extra Anschläge begehen. Das dürfe aber niemanden vom Kampf gegen den Terror abhalten.

Was bedeuten die Anschläge für die Sicherheitslage in Deutschland?

Die Lage ist seit Monaten enorm angespannt. Schließlich wurden mehrere direkte Nachbarn Deutschlands in jüngster Zeit vom Terror heimgesucht. Die erneuten Attacken ändern an der Terrorgefahr für Deutschland im Grunde nichts. Die Bundesrepublik ist seit langem im Fokus islamistischer Terroristen. Die Sicherheitsbehörden betonen regelmäßig, dass auch hier ein Anschlag nicht auszuschließen sei.

Gibt es Bezüge der Täter zur deutschen Islamisten-Szene?

Bislang nicht. Es handele sich dabei aber nur um einen Zwischenstand, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums am Mittwoch. Die Ermittlungen liefen schließlich noch. Großes Gefahrenpotenzial hat die deutsche Islamisten-Szene allemal. Mehr als 43 000 Menschen werden ihr zugerechnet. Mehr als 8600 davon sind Salafisten, die einen besonders konservativen Islam leben. Polizei und Geheimdienste stufen viele Islamisten als gefährlich ein: Gut 470 solchen „Gefährdern“ trauen sie potenziell zu, dass sie einen Anschlag begehen könnten. Zum Teil sind auch Rückkehrer aus Dschihad-Gebieten darunter. Von den mehr als 800 Islamisten aus Deutschland, die bislang Richtung Syrien und Irak ausgereist sind, ist ein Drittel wieder in Deutschland – etwa 70 mit Kampferfahrung.

Der 31-jährige Belgier Abrini war am Freitag festgenommen worden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ist er der gesuchte „Mann mit dem Hut“, den Überwachungskameras mit den beiden Selbstmordattentätern vom Brüsseler Flughafen filmten. Ihm werden Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und terroristische Morde vorgeworfen.

Von

dpa

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