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08.07.2016

16:08 Uhr

Terrorziel Düsseldorf

Mutmaßliches IS-Mitglied hatte BND-Kontakte

Im Auftrag der Terrormiliz IS haben vier Männer angeblich einen Anschlag in der Düsseldorfer Altstadt vorbereitet. Ein konkreter Beweis dafür liegt noch nicht vor. Offenbar gibt es aber eine Verbindung zum BND.

An der U-Bahn-Station Heinrich-Heine-Allee haben IS-Terroristen angeblich einen Anschlag geplant. dpa

U-Bahn-Station Heinrich-Heine-Allee in Düsseldorf

An der U-Bahn-Station Heinrich-Heine-Allee haben IS-Terroristen angeblich einen Anschlag geplant.

BerlinEin 25-jähriger Syrer, der im Februar der Polizei in Paris von einem angeblichen Anschlagsplan der Extremistenmiliz IS in der Düsseldorfer Altstadt erzählte, verfügte einem Medienbericht zufolge über Kontakte zum Bundesnachrichtendienst (BND). Eine BND-Quelle, die mehrfach im Auftrag des Geheimdienstes in den Nahen Osten reiste, habe Saleh A. als Informanten geführt, berichtete die Zeitung „Welt am Sonntag“ vorab unter Berufung auf Sicherheitskreise. Es gebe zwar keine „unmittelbare Verbindung“ zwischen dem Syrer und dem BND, aber er sei ein „Zuträger“ einer wichtigen BND-Quelle.

Der Auslandsgeheimdienst erklärte auf Anfrage, der BND äußere sich zu geheimhaltungsbedürftigen Angelegenheiten nur gegenüber der Bundesregierung oder gegenüber den zuständigen, geheim tagenden Gremien des Bundestages.

Islamistische Szene in Deutschland

Salafisten in Deutschland

Der Verfassungsschutz rechnet mehr als 43.000 Menschen zur islamistischen Szene in Deutschland. Diese ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen - vor allem durch den starken Zulauf bei der Gruppe der Salafisten, einer besonders konservativen Strömung innerhalb des Islam. Rund 7000 Leute werden inzwischen der Salafisten-Szene zugerechnet. 2011 waren es noch etwa halb so viel. Besonders stark sind die Salafisten in Nordrhein-Westfalen vernetzt.

Millitante Islamisten

Mindestens 600 radikale Islamisten aus Deutschland sind bislang in das Kampfgebiet nach Syrien und in den Irak ausgereist. Die Zahl geht seit langem kontinuierlich nach oben. Viele haben sich dort der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen.

Kämpfer kehren zurück

Etwa 200 der Ausgereisten sind inzwischen wieder in Deutschland. Aber nur von einem kleinen Teil davon – etwa 35 Personen – ist bekannt, dass sie aktiv am bewaffneten Konflikt beteiligt waren. Rund 60 Islamisten aus Deutschland sind laut Verfassungsschutz in Syrien und dem Irak gestorben. Mindestens zehn sprengten sich bei Selbstmordanschlägen in die Luft. Dies sind aber nur die bekannten Fälle.

Diese Islamisten sind gefährlich

Die Sicherheitsbehörden stufen viele Islamisten als gefährlich ein. Etwa 1000 Menschen in Deutschland werden dem „islamistisch-terroristischen“ Spektrum zugeordnet. Darunter sind 260 sogenannte Gefährder, also Menschen, denen die Polizei zutraut, dass sie einen Terrorakt begehen könnten. Die Zahl ist so hoch wie nie zuvor. Zum Teil sind auch Rückkehrer aus Dschihad-Gebieten darunter. Diese machen den Sicherheitsbehörden große Sorgen, weil sie oft radikalisiert zurückkommen - und zum Teil kampferprobt.

A., der in Deutschland als Asylbewerber gemeldet ist, war Anfang des Jahres nach Paris gefahren. Dort hatte er sich im Februar der Polizei gestellt und nach Angaben der Bundesanwaltschaft die Anschlagspläne einer angeblichen IS-Zelle offenbart, was zu monatelangen Ermittlungen führte. Gemeinsam mit drei anderen Syrern sei er beauftragt worden, in der Düsseldorfer Altstadt Anschläge zu verüben. Auch von Selbstmordattentätern war die Rede. Anfang Juni wurden drei mutmaßliche Komplizen in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Brandenburg festgenommen.

Der Zeitung zufolge gibt es mittlerweile bei Sicherheitsbehörden und Justiz erhebliche Zweifel am Wahrheitsgehalt der Aussagen von A. Der Mann soll sich mehrfach in Widersprüche verwickelt haben. Zudem lägen keine konkreten Beweise vor, dass tatsächlich Attentate vorbereitet wurden.

Von

rtr

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