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14.03.2017

21:00 Uhr

Tesla in Australien

Ein Musk gegen viele Blackouts

VonUrs Wälterlin

Wenn es Sommer wird in Australien, gerät das Stromnetz oft an die Belastungsgrenze. Blackouts verursachen Millionenschäden. Tesla-Chef Elon Musk will die Probleme nun in 100 Tagen lösen – mit einem simplen Vorschlag.

Der Tesla-Gründer unterbreitet Südaustralien einen ungewöhnlichen Vorschlag. Reuters, Sascha Rheker

Elon Musk mit einem Tesla-Stromspeicher für den Hausgebrauch

Der Tesla-Gründer unterbreitet Südaustralien einen ungewöhnlichen Vorschlag.

CanberraSo rasch hat in der Geschichte Australiens kaum je eine Regierung gehandelt: Nur Tage, nachdem der amerikanische Multimilliardär Elon Musk erklärt hatte, in Südaustralien eine massive Tesla-Stromspeicheranlage entweder „innerhalb von hundert Tagen“ bauen zu können oder sie sei gratis, macht die Regierung in Adelaide Nägel mit Köpfen. Wie Jay Weatherill, Premier von Südaustralien, am Dienstag erklärte, wird das Bundesland eine Batteriespeicheranlage mit einer Kapazität von mindestens 100 Megawatt erstellen lassen.

Gleichzeitig werde ein von der Regierung kontrolliertes Gaskraftwerk mit einer Kapazität von 250 Megawatt in Auftrag gegeben. Beide Projekte seien ab sofort ausgeschrieben. Unternehmen im In- und Ausland seien eingeladen, sich für die Aufträge zu bewerben. Zur Finanzierung hat die Regierung einen speziellen Fond im Umfang von knapp einer halben Milliarde Euro geschaffen.

Das ist der neue Tesla-Masterplan

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Die Selbstfahr-Fähigkeit soll dank den Erfahrungen aus der Tesla-Flotte zehnmal sicherer werden als ein menschlicher Fahrer.

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Südaustralien reagiert mit diesen überraschenden Maßnahmen auf eine Reihe lähmender Stromausfälle. Die Blackouts in den vergangenen Wochen und Monaten waren die Folge von zerstörten Leitungen, Überlastungen des Netzes oder mangelhafter Versorgung durch private Unternehmen, die sowohl Stromproduktion als auch -verteilung kontrollieren. Während die konservative Nationalregierung in Canberra unter Premierminister Malcolm Turnbull den mit 40 Prozent vergleichsweise hohen Anteil an erneuerbaren Energien in Südaustralien für die Situation verantwortlich machte und einen Ausbau der Kohlekraftwerke verlangt, warf Weatherill den privaten Betreibern der Stromnetze vor, sie würden ihre Monopolsituation ausnutzen, um für einen „unzuverlässigen Dienst zu hohe Preise“ fordern.

Damit solle jetzt Schluss sein, so der Premier am Dienstag in einer Ankündigung, die von Beobachtern als „spektakulär“ bewertet wurde. „Wir holen uns die Kontrolle zurück“, erklärte der Politiker. Er bezeichnete den vor Jahren privatisierten Elektrizitätsmarkt in Australien als „zerbrochen“. Neu soll der Energieminister des Bundesstaates bei Engpässen direkt eine Einspeisung zusätzlicher Kapazität ins Netz anordnen können. Bisher sei die Regierung in Krisenzeiten vom Wohlwollen der privaten Anbieter abhängig gewesen; eine Situation, die sich in den letzten Wochen als fatal erwiesen habe.

Südaustralien werde den eingeschlagenen Weg in Richtung erneuerbare Energien weiterverfolgen, so der sozialdemokratische Politiker. Die Aussage von Politikern in der konservativen Bundesregierung, wonach nur Kohle- und Gaskraftwerke die Grundlaststromversorgung garantieren könnten, sei falsch.

Kommentare (10)

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Herr Petur Agustsson

15.03.2017, 08:52 Uhr

Diese ständigen Infoboxen: Die 10 größten Kraftwerke der Welt - Die größten Stromfresser im Haushalt - .. sind einfach nur nervig und lenken vom Inhalt der Artikel ab. Obwohl - ich bin ja schon dankbar, daß der Artikel nicht in eine Bildgalerie reingepackt wurde, wie soviel andere Inhalte auf Handelsblatt.de (wie zum Beispiel 'Ergogans gefährliche Spiel') :-(

Herr Holger Narrog

15.03.2017, 10:41 Uhr

Am Artikel ist faszinierend wie er sich an der Realität vorbeimogelt.

Australien ist ein grosser Kohleförderer und Exporteur. Der grösste Teil des Stroms wird mittels Kohle generiert. Die Stromversorgung ist preiswert und sicher. Die australische Zentralregierung hält wie die meisten Nicht-europäischen Staaten wenig von der Ökoreligion mit der Weltuntergangskatastrophe "Klimawandel".

Die Provinz Südaustralien hat eine linksökologische Regierung. Kohlekraftwerke wurden stillgelegt umweltschädliche Windmühlen und Solaranlagen subventioniert. So kam es zu grossflächigen Netzzusammenbrüchen.

Teure Li-Ionen Batterien sind meines Erachtens in einem grossen Stromnetz fehl am Platz, sprich eine hinreichende Kapazität derselben ist in der Lage den Strompreis sinnlos zu vervielfachen.



Herr Holger Narrog

15.03.2017, 11:01 Uhr

Ergänzung zum vorangegangenen Kommentar...

Der Autor schlägt für Australien eine Stromerzeugung gem. ökoreligiöser Visionen analog Deutschlands vor. Mit 30 - 40 Mrd. €/Jahr Subventionen wird ca. 1/4 des Stroms in Deutschland entsprechend dieser religiösen Visionen produziert. Soweit mir bekannt wird die Deutsche Stromversorgung ausserhalb Deutschlands als abschreckendes Beispiel gesehen. Ich gehe davon aus, dass sich die australische Bevölkerung mit ihrem viel höherem Pro-Kopf Verbrauch dies auch langfristig nicht gefallen liesse.

Sachlich gesehen produzieren umweltschädliche Windmühlen und Solaranlagen Zufallsstrom gem. Wetter, Tageszeit und Jahreszeit. In einem bedarfsgesteuertem Netz ist solcher Strom wertlos.

Üblicherweise wird die Netzstabilität im Sekundenbereich durch die rotativen Massen der Turbogeneratoren moderner Grosskraftwerke vorgenommen. Solaranlagen können dies nicht es bedürfte Schwungräder oder anderer Anlagen um diese sicherzustellen. Die Kesselreserve moderner Grosskraftwerke stellt die Netzstabilität im Minutenbereich sicher. Solaranlagen können dies nicht, hierzu könnten Herrn Musks Batterien dienen. Batteriekapazitäten für längere Ausfälle der Stromeinspeisung umweltschädlicher Windmühlen und Solaranlagen würde die Kapazität von Teslas Gigafactory um Grössenordnungen überfordern.

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