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30.09.2011

16:10 Uhr

Teure Paff-Erlaubnis

Raucher sollen Griechenland sanieren

Die griechische Regierung steckt im Dilemma: Einerseits torpedieren Streiks und Proteste ihren Sparkurs, andererseits muss sie harte Reformvorgaben der EU-Partner erfüllen. Das tut Athen auch - mit kuriosen Ideen.

Ein Raucher. dpa

Ein Raucher.

AthenWegen der akuten Geldnot hat der griechische Staat wieder das Rauchen in größeren Lokalen und Kasinos erlaubt - aber gegen Bezahlung. Lokale, die über eine Fläche von mehr als 300 Quadratmeter verfügen, dürfen die Hälfte dieser Fläche für Raucher reservieren. Vorausgesetzt, sie zahlen an den Staat jährlich 200 Euro pro Quadratmeter „Raucherfläche“.

Dies sieht eine neue Verordnung des Gesundheitsministeriums vor. Die neue Regelung wurde am Freitag in Athen veröffentlicht. Bislang war das Rauchen völlig verboten. Allerdings wurde das Verbot in der Regel nicht eingehalten.

Die Arbeit der Inspekteure der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank und des Internationalen Währungsfonds, die in Athen die Umsetzung des Konsolidierungsprogramms prüfen sollen, wird derweil immer mehr zu einem Spießrutenlaufen. Blockierte Behörden, besetzte Ministerien, Streiks und Proteste behindern ihre Arbeit.

Vielfach steht die Troika vor verschlossenen Türen. Treffen mit Ministern der griechischen Regierung müssen statt in deren Büros an andere, geheime Orte verlegt werden, weil protestierende Staatsbedienstete die Ministerien belagern. So mussten die Inspekteure am Freitagmorgen vor dem Verkehrsministerium kehrt machen, wo sie sich mit Minister Giannis Ragoussis verabredet hatten – Demonstranten hatten das Ministerium besetzt.

Planspiel: Euro-Zone ohne Griechenland

Welche Folgen hätte ein Austritt Griechenlands aus dem Euro?

Die konkreten ökonomischen Folgen eines Euro-Austritts Griechenlands sind kaum vorhersehbar, da es eine vergleichbare Situation bisher noch nicht gegeben hat. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen sowohl für Griechenland als auch für die anderen Länder des Währungsraums verheerend wären. Experten befürchten schwere Konsequenzen für den europäischen Bankensektor - dem Hauptkreditgeber Griechenlands. Und da keine entwickelte Volkswirtschaft ohne gesunde Banken auskommen kann, würden auch Verbraucher und Unternehmen stark getroffen werden.

Welche Folgen würden sich für Griechenland ergeben?

Für Griechenland würde ein Euro-Austritt vermutlich den wirtschaftlichen Zusammenbruch bedeuten. Ohne Euro müssten die Hellenen wieder ihre alte Währung Drachme einführen, die vermutlich drastisch abwerten würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugute kommen.

Was würde sich am Schuldenstand Athens ändern?

Die in Euro aufgenommenen Altschulden würden infolge der Abwertung der neuen eigenen Währung drastisch steigen. „Selbst ein starker Schuldenschnitt würde Griechenlands Probleme dann nicht lösen, da das Land über Jahre hinweg vom Kapitalmarkt abgeschnitten wäre“, unterstreicht ein HSBC-Experte. Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher schon.

Ist ein Austritt Griechenlands im Interesse anderer Euro-Länder?

Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht. An den Finanzmärkten würden nach einem Euro-Austritt Griechenlands wohl schnell andere finanzschwache Länder unter starken Druck geraten, möglicherweise auch wirtschaftsstarke Länder. Denn letztlich könnte sich kein Investor mehr darauf verlassen, dass nicht auch andere Länder - möglicherweise in Verbindung mit einem Schuldenschnitt - aus dem Euroraum ausscheren. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden vermutlich drastisch steigen, und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraums ins Wanken geraten.

Kommentare (14)

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Die-Troika-als-Ober-Affe

30.09.2011, 14:39 Uhr

Die Troika vera***t sich selbst! Sie sieht genau, dass die Bedingungen nicht erfüllt sind. Daher wird die Troika etwas ganz Windelweiches melden und Herr Schäuble das als starkes Signal zum Abschicken der Gelder ansehen.
.
Ein unerhörtes Stück von Ausplünderung Deutschlands.

Vertrauenskrise

30.09.2011, 14:55 Uhr

Das Alles ist einfach nur eine Frechheit und obendrein von Dummheit gepaart. Fast die Ganze Poltik hat keinerlei Glaubwürdikeit mehr. Die freie Marktwirtschaft wird wieder
komplett ausgeheblt, frei nach dem Motto: Kollektive Verantwortung bedeutet, dass die Verluste sozialiert werden. Deutschland kann und will nicht jeden retten.

Griechenland ist farce dennoch bekommen sie die nächsten 8 Mill., weil es poltisch gewollt ist.

Aber spätestens wenn der Erste deutsche Rentner mit seinen Steuern die Sozialleistungen in Griechenland bezahlen muss,
ist der Friende entglütig vorbei!!!

lowabras

30.09.2011, 14:57 Uhr

Das spielt doch überhaupt keine Rolle was die Troyka an Informationen bringt, das Geld wird überwiesen so oder so. Schließlich haben die Regierungstrottel, allesamt voran die FDJ Trulla, ja einen Persilschein bekommen von den unterbelichteten Parlamentariern, von denen die wenigsten überhaupt wissen über was sie abgestimmt haben. Nun ist ja wieder genug im ESFS, da fallen doch 8 Milliarden überhaupt nicht in s Gewicht und niemand wirds merken!

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