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16.10.2016

15:07 Uhr

Thailand

Auf den 88-jährigen König folgt ein 96-jähriger Regent

Thailand hatte nach dem Tod von König Bhumibol sofort mit seinen Sohn als Nachfolger gerechnet. Doch der Kronprinz will noch nicht antreten. Bis es soweit ist, führt ein Regent die Staatsgeschicke.

Der 96-Jährige ist der Vorsitzende des Kronrats und wird nach dem Tod des thailändischen Königs Bhumibol vorübergehend als Regent herrschen. Das Foto stammt aus dem Jahr 2014. AP

Prem Tinsulanonda

Der 96-Jährige ist der Vorsitzende des Kronrats und wird nach dem Tod des thailändischen Königs Bhumibol vorübergehend als Regent herrschen. Das Foto stammt aus dem Jahr 2014.

BangkokKronprinz Maha Vajiralongkorn will in Thailand die Nachfolge seines verstorbenen Vaters Bhumibol frühestens in einem Jahr antreten. Das verkündete Regierungschef Prayut Chan-o-cha am Samstagabend überraschend in einer Fernsehansprache. Sorgen vor einem Machtvakuum baute er aber vor: Der Prinz habe an das Volk appelliert, sich keine Gedanken über die Thronfolge zu machen, sagte Prayut. Nach der Verfassung ist der Vorsitzende des Kronrats, eines Beraterstabs des Königs, Regent. Der Mann, Prem Tinsulanonda, ist 96 Jahre alt.

Der 96-jährige Regent Prem ist trotz seines hohen Alters politisch noch sehr aktiv und gilt als Strippenzieher hinter den Kulissen. Der frühere General und ehemalige Regierungschef war bis zuletzt der wichtigste Berater des verstorbenen Monarchen und einer seiner engsten Vertrauten.

Der Sohn des verstorbenen Königs, Vajiralongkorn, der selbst 64 Jahre alt ist, habe Prem in einer Audienz gesagt, er wolle vor der Krönung zunächst mit dem Volk um seinen Vater trauern, sagte Regierungschef Prayut. Prayut war Oberbefehlshaber der Armee, ehe er sich 2014 an die Macht putschte. Der König hat auf dem Papier zwar nur repräsentative Aufgaben, aber traditionell enormen politischen Einfluss.

Thailand und die Rolle des Militärs

Das Militär kontrolliert die Regierung

Seit Jahrzehnten spielt das Militär in Thailand eine besonders einflussreiche Rolle. Erschienen der Militärführung Parlament und politische Parteien als zu schwach oder zu korrupt oder galten die Einheit des Landes und die Monarchie als gefährdet, schritten die Militärs ein. Zuletzt putschte im Mai 2014 Armeechef Prayut Chan-o-cha nach monatelangen Straßenprotesten gegen die gewählte Regierung des politisch tief gespaltenen Landes.

(Quelle: dpa)

Die Konfliktlinien

Auf der einen Seite stehen die Anhänger des schon 2006 gestürzten Premierministers Thaksin Shinawatra. Mit populären Maßnahmen wie Kleinkrediten und bezahlbarer Krankenversicherung machte er die ärmere Stadt- und Landbevölkerung zu treuen Anhängern. Kritiker warfen ihm aber Korruption und Vetternwirtschaft vor. Auf der anderen Seite organisierte die kleine Elite, die die Politik bis dahin bestimmt hatte, Straßenproteste. Das Militär stürzte Thaksin, danach wechselten sich Pro- und Anti-Thaksin-Regierungen ab, jeweils verbunden mit blutigen Protesten des anderen Lagers.

Die jüngste Protestwelle

Zweieinhalb Jahre nach dem Amtsantritt von Thaksins Schwester Yingluck begann Ende 2013 eine neue Protestwelle. Gegner blockierten Straßen und stürmten Regierungseinrichtungen. Sie warfen ihr Korruption vor. Am 22. Mai 2014 schritt das Militär ein.

Neue Verfassung

Vor wenigen Tagen stimmte die Bevölkerung einer neuen Verfassung zu, die laut Militärregierung den Weg zu Wahlen 2017 ebnen soll. Aus Sicht von Kritikern zementiert die Verfassung aber ihre Macht des Militärs.

Nach Bhumibols Tod wurde eine einjährige Staatstrauer ausgerufen. Der Kronprinz halte einen Zeitpunkt nach dem Ende der Trauerriten für angemessen. Die buddhistische Trauerzeit kann Monate dauern, es wird erwartet, dass Bhumibol in etwa einem Jahr eingeäschert wird. Sein Leichnam ist im Palast aufgebahrt, zunächst ist die Halle nur Mitgliedern der Königshalle zugänglich, um dem am Freitag im Alter von 89 Jahren verstorbenen Monarchen die letzte Ehre zu erweisen. Sie wird am 28. Oktober für die Allgemeinheit geöffnet.

Bhumibol selbst war noch am Tag des Todes seines älteren Bruders 1946 zum König ausgerufen worden. So war es auch vergangenen Donnerstag geplant, als der König nach langer Krankheit im Alter von 88 Jahren starb. Prayut berief die vom Militär bestellte gesetzgebende Versammlung für die Proklamation ein, doch bat Vajiralongkorn kurz vorher überraschend um Aufschub, wie Prayut sagte.

Offene Spekulationen über die Hintergründe gibt es nicht. Das verbieten die Gesetze gegen Majestätsbeleidigung, die in Thailand so streng sind wie kaum anderswo in der Welt. Sie schützen die engste Königsfamilie vor Kritik und werden sehr weitreichend ausgelegt.

Bhumibol wurde wie kein anderer in dem politisch zerstrittenen Land tief verehrt und war als Integrationsfigur unumstritten. Wie das Volk zu seinem Sohn steht, ist unbekannt, Umfragen sind wegen der strengen Gesetze undenkbar.

Nach 70 Jahren Amtszeit

Thailands König Bhumibol stirbt im Alter von 88 Jahren

Nach 70 Jahren Amtszeit: Thailands König Bhumibol stirbt im Alter von 88 Jahren

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