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12.12.2016

10:20 Uhr

Thailand

Die Spitze des Reisbergs

Die Reisindustrie gehört zu den wichtigsten Standbeinen der thailändischen Wirtschaft. Doch der Preis für Reis fällt und fällt. Nun überrascht die Militärjunta mit einem Subventionsprogramm. Ein kurioser Schritt.

Experten sehen in dem Subventionsprogramm auch einen Versuch des Militärs, mögliche Unruhen während der einjährigen Trauerzeit nach dem Tod von König Bhumibol Adulyadej im Oktober abzuwenden. Reuters

Reissäcke in einer Lagerhalle

Experten sehen in dem Subventionsprogramm auch einen Versuch des Militärs, mögliche Unruhen während der einjährigen Trauerzeit nach dem Tod von König Bhumibol Adulyadej im Oktober abzuwenden.

BangkokZum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen überrascht die thailändische Militärjunta das Land: Die Generäle legten ein Subventionsprogramm für Reisbauern vor. Der Schritt ist deshalb kurios, weil die Junta gerade erst die gestürzte Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra unerwartet zu einer Geldstrafe in Höhe von einer Milliarde Dollar (935 Millionen Euro) verurteilt hat - wegen einer umstrittenen Subventionierung des Reisanbaus.

Dabei weist die 1,5 Milliarden Dollar teure Initiative der Militärregierung frappierende Ähnlichkeiten zu Shinawatras Programm auf. Im Kern geht es bei beiden darum, armen Bauern deutlich über dem Marktpreis liegende Preise für Reis zu zahlen.

Doch der Militärregierung blieb kaum etwas anderes übrig. Sie stand zunehmend unter Druck, seit der Reispreis auf dem Weltmarkt auf seinen niedrigsten Stand seit fast zehn Jahren einbrach. Schließlich gehört die Reisindustrie zu den wichtigsten Standbeinen der thailändischen Wirtschaft.

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Experten sehen in der Kehrtwende auch einen Versuch des Militärs, mögliche Unruhen während der einjährigen Trauerzeit nach dem Tod von König Bhumibol Adulyadej im Oktober abzuwenden. Die Generäle dürften damit zugleich um die Unterstützung politisch einflussreicher Landwirte werben, die 40 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen. Das Reis-Zentrum im Norden des Landes gilt traditionell als Hochburg Yinglucks und ihrer Anhänger.

Die Junta habe erkannt, „dass sie die Not der Bauern einfach nicht mehr ignorieren kann, vor allem, wenn sie langfristig an der Macht bleiben will“, sagt die Politikwissenschaftlerin Puangthong R. Pawakapan von der Chulalongkorn-Universität in der Hauptstadt Bangkok.

Ministerpräsident Prayuth Chan-ocha, der als damaliger Armeechef den Putsch vor zwei Jahren angeführt hatte, hat bis Ende 2017 Wahlen und damit eine Rückkehr zur Zivilherrschaft versprochen. Es gilt als durchaus möglich, dass er das Amt des Regierungschefs behalten könnte. In jedem Fall garantiert die neue Verfassung des Landes dem Militär noch für viele Jahre großen politischen Einfluss.

Der Putsch war der Höhepunkt eines Jahrzehnts politischer Turbulenzen seit dem Sturz von Yinglucks Bruder, des ehemaligen Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra, durch die Armee im Jahr 2006. Fünf Jahre später gewann Yinglucks Pheu-Thai-Partei die Wahlen. Ihr Erfolg wurde unter anderem auf ihre Zusage zurückgeführt, Reisbauern den doppelten Marktpreis zu garantieren. Kritiker warfen ihr deswegen Stimmenkauf vor.

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