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11.07.2016

19:15 Uhr

Theresa May folgt auf Cameron

Unsicherheit beseitigt

VonKatharina Slodczyk

Schneller als erwartet steht fest, dass Theresa May neue Premierministerin wird. Das gibt dem Land die Möglichkeit, das Brexit-Chaos endlich in den Griff zu bekommen – mit pragmatischen Lösungen. Ein Kommentar.

May steht für viel Politikerfahrung und pragmatische Lösungen. Sie ist nicht einfach in ein Recht-Links-Schema zu pressen. AFP; Files; Francois Guillot

Theresa May

May steht für viel Politikerfahrung und pragmatische Lösungen. Sie ist nicht einfach in ein Recht-Links-Schema zu pressen.

LondonDie nächste böse Überraschung nach dem Brexit-Referendum bleibt auf der Insel aus: Nach dem Rückzug der konservativen Abgeordneten Andrea Leadsom aus dem Rennen um die Nachfolge von Premier David Cameron wird Innenministerin Theresa May in No. 10 Downing Street einziehen. Damit ist das Risiko beseitigt, dass mit Leadsom eine unerfahrene Staatssekretärin in das höchste Regierungsamt kommt, die sich zu einer harten Brexit-Befürworterin entwickelte, möglicherweise ihren Lebenslauf geschönt hat und der Aufgabe nicht gewachsen schien.

May steht dagegen für viel Politikerfahrung und pragmatische Lösungen. Sie ist nicht einfach in ein Recht-Links-Schema zu pressen. Einerseits gehörte Theresa May zu den frühen Befürwortern einer Home-Ehe und steht somit für progressive Positionen – andererseits legte sie häufig eine harte Law-and-Order-Haltung an den Tag.

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In ihren sechs Jahren als Innenministerin Großbritanniens ist sie hart gegen islamistische Prediger und illegale Einwanderer vorgegangen. Im Herbst vergangenen Jahres etwa lehnte sie es ab, Flüchtlinge über den europäischen Verteilungsschlüssel aufzunehmen. Man solle denen helfen, die in Bürgerkriegsgebieten lebten „und nicht all denen, die stark und reich genug sind, um nach Europa zu kommen“, sagte sie damals.

Im Brexit-Wahlkampf stand sie zwar offiziell auf der Seite der EU-Befürworter, doch war sie nie eine lautstarke Verfechterin des Status quo. Aus taktischen Gründen hielt sie sich zurück, was ihr zuletzt wohl den Weg ins höchste Regierungsamt ebnete, denn sie gilt für Brexit-Gegner und für EU-Kritiker als akzeptable und glaubwürdige Lösung für das Amt der Premierministerin.

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Nach dem Brexit-Votum gab sich May eindeutig: Brexit ist Brexit, sagte sie und sprach sich gegen ein erneutes Referendum oder Neuwahlen aus. Die Entscheidung der Briten müsste umgesetzt werden. Damit ist jedoch nicht vor nächstem Jahr zu rechnen. Erst dann wird May voraussichtlich die offiziellen Austrittsgespräche mit der EU auf den Weg bringen.

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