Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.07.2015

01:00 Uhr

#ThisIsACoup

Europaweiter Zorn über Griechenland-Bevormundung

VonMartin Dowideit

Erst der Vorschlag des „temporären Grexit“ von Finanzminister Schäuble, dann eine lange Forderungsliste an das griechische Parlament - viele sehen darin eine Bevormundung Griechenlands, gar einen Staatsstreich von außen.

Die Silhouette eines Fußgängers auf den Straßen Griechenlands: Während in Brüssel die Chefs der Euro-Länder verhandeln, melden sich in den sozialen Netzwerken immer mehr Kritiker des Grexit-Vorschlags zu Wort. Reuters

Athen

Die Silhouette eines Fußgängers auf den Straßen Griechenlands: Während in Brüssel die Chefs der Euro-Länder verhandeln, melden sich in den sozialen Netzwerken immer mehr Kritiker des Grexit-Vorschlags zu Wort.

DüsseldorfOb in Spanien, Deutschland oder einigen anderen europäischen Ländern: Die Kritik am Brüsseler Verhandlungsmarathon zur künftigen Spar- und Finanzierungspolitik in Griechenland nimmt zu. Das zeigt sich in der Nacht zu Montag in sozialen Netzwerken wie dem Kurznachrichtendienst Twitter. Dort solidarisieren sich viele Kritiker des Grexit-Vorschlags von Finanzminister Wolfgang Schäuble und der harten Haltung zahlreicher Regierungen gegenüber Griechenland unter einem Schlagwort: #ThisIsACoup.

Übersetzt bedeutet die Aussage so viel wie: „Das ist ein Staatsstreich.“ Und der Satz bekommt prominente Unterstützung. Der Hashtag sei „exakt richtig“, schreibt der Wirtschaftsnobelpreisträger und Kolumnist der New York Times, Paul Krugman. Die von den Finanzministern der Euro-Zone diskutierten Forderungen an Griechenland seien „Wahnsinn“, so Krugman. Es handele sich bei dem Papier, um eine „komplette Zerstörung nationaler Souveränität“.

Die außenpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Europäischen Parlament, Barbara Lochbihler, schreibt versehen mit dem Hashtag „ThisIsACoup“: „Sie reden von Vertrauen. Und legen ein Papier vor, das einer Erniedrigung gleichkommt.“

Eine Karikatur zeigt einen Sensenmann im Rollstuhl, der Schäuble darstellen soll, und mit seinem Werkzeug die griechische und europäische Fahne zerschneidet.

Der Finanzminister muss auch weitere scharfe Kritik über sich ergehen lassen. Als Anführer eines „Neokolonialismus“ wird er gesehen und ihm wird vorgeworfen, sich nicht mit einer Kapitulation Griechenlands - wie das Reform-Papier Tsipras' teilweise gesehen wird - zufrieden zu geben, sondern auch noch eine Demütigung zu verlangen.

Vor allem Sozialisten werten die Vorschläge aus Deutschland und Brüssel als Angriff auf demokratische Grundsätze.

Doch es gibt auch Gegenstimmen wie die von Gergely Polner, der die Interessen der britischen Großbank Standard Chartered gegenüber der EU vertritt. „Wenn Sie denken: #ThisIsACoup, liegen Sie falsch“, schreibt er. „Gläubiger haben die rechtliche Verpflichtung, das Geld ihrer Steuerzahler so gut zu schützen, wie es irgendwie geht.“

Kommentare (9)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Frau Ich Kritisch

13.07.2015, 07:59 Uhr

Würde man die Griechen einfach machen lassen, würden die Milliarden genommen, ausgegeben und wieder neu beantragt.

Nee, seit 5 Jahren gibt es in dem Land keine wirklichen Reformen, die Politiker haben jeweils den Auftrag erst einmal das beste für die Bevölkerung ihrer Staaten zu tun, erst danach ist die EU dran.

Die Griechen haben uns doch gar keine andere Wahl gelassen, wenn es in dem Land vorwärts gehen soll, dann nur wenn andere das Ruder übernehmen. Die neue Regierung hat bis jetzt auch nur Geld ausgegeben - wo es herkommt hat sie keinen Deut interessiert.

Herr Ingo Tietz

13.07.2015, 08:34 Uhr

Gergely Polner der die Interessen der britischen Großbank Standard Chartered vetritt: „Gläubiger haben die rechtliche Verpflichtung, das Geld ihrer Steuerzahler so gut zu schützen, wie es irgendwie geht.“
---
Vor allem, wenn Sie vorher die Staaten und deren Volksvertreter das Haftungsrisiko durch billionenschwere €-Rettungsschirme von den Privatgläubigern auf die Steuerzahler übertragen und diese für das Ausfallrisiko haften lassen. Wo sind die letzten Aufrechten in diesem korrupten System, die dieser Finanz- und Wirtschaftsmafia endlich den Stecker ziehen - hasta la vista, Baby!

Herr H. M.

13.07.2015, 09:50 Uhr

Ich kann dieses Geweinere von Souveränitätsverlust etc. nicht mehr hören! Wer von anderen Leuten Geld will, der muss im Gegenzug auch Verpflichtungen eingehen und einhalten. Damit geht immer "Souveränität" verloren. Und wenn er diese Verpflichtungen nicht einhält und das nächste mal noch mehr Geld will, dann ist doch klar, dass die Geldgeber - sofern sie überhaupt noch bereit sind, Geld zu geben - sich Gedanken machen, wie sie sicherstellen können, dass der Kreditnehmer dieses mal auch tatsächlich seinen Verpflichtungen nachkommt. Ist doch ganz simpel.

Für Äußerungen amerikanischer "Star-Ökonomen" im Stile Krugmans habe ich, milde ausgedrückt, Null Verständnis; sie lassen vielmehr am gesunden Menschenverstand ihrer Urheber aufkommen. Und so ganz nebenbei verliert man auch das Rest-Vertrauen in das, was man als "Volkswirtschaftslehre" bezeichnet.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×