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31.05.2012

13:55 Uhr

Thomas Mayer

„Griechenland kann nur einen Blechschaden verursachen“

VonDorit Marschall

In diesem Jahr entscheidet sich die Zukunft des Euros, so Thomas Mayer. Der scheidende Chefvolkswirt der Deutschen Bank über Länder im Scheinwerferlicht und warum er sich um Italien mehr Sorgen macht als um Spanien.

Thomas Mayer scheidet als Chefvolkswirt der Deutschen Bank aus. Pressebild

Thomas Mayer scheidet als Chefvolkswirt der Deutschen Bank aus.

Sie haben morgen Ihren letzten Arbeitstag als Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Mit welchem Gefühl gehen Sie - angesichts der Zuspitzung der Euro-Krise?

Mit einem unguten. 2012 werden die Weichen für die Zukunft des Euros gestellt. Während bislang kleine Länder wie Griechenland, Irland und Portugal im Fokus standen, richtet sich jetzt das Scheinwerferlicht auf die großen - und damit auf Länder, die nicht unter den Schirm des Internationalen Währungsfonds (IWF) und des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) passen. Spanien und Italien sind einfach zu groß, um aufgefangen werden zu können.

Griechenland stand im Fokus? Das tut es immer noch, mehr denn je.

Das stimmt - aber egal, ob Griechenland in der Euro-Zone bleibt oder nicht: Das Land kann allenfalls einen Blechschaden in Europa verursachen, für einen Totalschaden ist es zu klein.

Konjunkturprogramme - Kein Wachstum auf Pump

Um was geht es?

Die deutsche Wirtschaft ist gegen schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme. Stattdessen teilt sie den Kurs der Bundesregierung und fordert eine neue Balance von Spar- und Wirtschaftspolitik. Dabei sollen vor allem die Strukturreformen in Südeuropa vorangetrieben werden.

Hans Peter Keitel, Präsident Bund Deutscher Industrie

„Nur durch eine Kombination von intelligentem Sparen und nachhaltigem Wachstum lassen sich die Staatsschulden auf Dauer in den Griff bekommen.“

Eckhard Cordes, Ex-Metro-Chef

„Merkels Sparkurs ist richtig.“
„Haushaltskonsolidierung und Wachstum müssen keine Gegensätze sein.“

Anton Börner, Chef des Bundesverbandes Groß- und Außenhandel

„Die Euro-Krise ist in erster Linie eine Staatsschuldenkrise, deshalb ist Konsolidierung nach wie vor das Gebot der Stunde.“

Michael Diekmann, Allianz-Chef

„Wenn jetzt lautstark Konjunkturprogramme gefordert werden, dann muss man meines Erachtens sehr vorsichtig sein.“

Dieter Hundt, Arbeitgeber-Präsident

„Wachstum ist weniger eine Frage des Geldes als der Strukturen. Die Verwaltungen müssen effizient arbeiten und die Märkte wettbewerblich organisiert sein.“

Josef Sanktjohanser, Rewe-Vorstand

„Die Sparanstrengungen dürfen die Konjunktur nicht völlig abwürgen.“
„Den Gegebenheiten in den einzelnen Euro-Staaten muss Rechnung getragen werden.“

Aber ein Dominoeffekt lässt sich doch nicht ausschließen. Was, wenn IWF und EU die Schulden erlassen und so anderen Ländern den letzten Reformeifer nehmen? Was, wenn die Griechen ihre Konten abräumen und der Bankenrun auf andere Länder übergreift?

Natürlich muss für Griechenland weiter gelten, dass es Finanzhilfe nur gegen Auflagen gibt. Ansonsten würden sich andere Länder auch nicht mehr an die Konditionen halten. Aber auch wenn Griechenland das Programm abbricht und keine allgemeine Budgethilfe mehr erhält, sollte sich die EU nicht vollständig zurückziehen, sondern den Schuldendienst des Staates übernehmen und die Banken stabilisieren. Damit wäre die Gefahr eines ungeordneten Staatsbankrotts und Bankenruns gebannt. Wenn dann der griechische Staat kein Geld mehr hat, um seine sonstigen Rechnungen zu bezahlen, kann er Schuldscheine ausgeben - ich habe diese "Geuro" genannt - die sich zu einer Parallelwährung entwickeln könnten.

Die Finanzmärkte halten Spanien für besonders ansteckungsgefährdet und zweifeln auch an der Reformfähigkeit Italiens. Zu Recht?

Leider ja - wobei ich mir um Spanien weit weniger Sorgen mache als um Italien. Spanien ähnelt einem schwer angeschlagenen Unternehmen, aber mit einem neuen Management, das schnell geliefert hat und entschlossen handelt. Die steigenden Nettoexporte sind ein erster Indikator dafür, dass die Reformen wirken.

Die Märkte sehen das bisher offenbar ganz anders.

Ja, die Bondmärkte agieren allerdings langsam - und nach hinten gerichtet. Ich sehe Spanien weit weniger skeptisch als Italien.

Kommentare (3)

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Shorty

31.05.2012, 14:16 Uhr

oje, der Zusammenbruch von GR naht

Wenn man die Medien-Nutten schon losschickt, um zu besänftigen, dann wird es ernst.

Account gelöscht!

31.05.2012, 16:19 Uhr

Thomas Mayer hat vor vier Jahren prognostiziert, dass wir 2012 eine Inflationsrate von 5% haben, und zwar wegen der leichten Geldpolitik nach der Immobilienkrise in den USA.
Diese Einschätzung von damals kommt, was die analytischen Fähigkeiten angeht, dem "heutigen Blechschaden" in nichts nach. Schon die nächste unsinnige Fehleinschätzung. Ohne die Griechenlandkrise hätten wir in Europa etwa 2% Wachtum, in Deutschland etwa 4%. Alle Märkte über Asien, China und Amerika hängen jeden Tag an den Meldungen aus Griechenland und sind vollkommen verunsichert. Wer meint, dass Griechenland nur 2% des BIP`s der Eurozone ausmacht übersieht, dass die ganze EU das schon eingebüßt hat.
Und Mayer hat keinerlei Weitblick. Ich habe seit Monaten vor der Kapitalflucht aus Europa gewarnt. Der $ ist von 1,32 auf 1,24 gestiegen. Wer das ignoriert und nicht in der Lage ist zu antizipieren, dass diese Kapitalflucht Europa in eine schwere Rezession stürzen wird, hat in VWL allenfalls mangelhafte Kenntnisse (Note 5), um nicht deutlicher werden zu müssen. Der Eurostoxxs ist währungsbereinigt auf einem neuen Tiefstand.

Ich habe als Unternehmenberater damals sogar ein Firma angeschrieben, wonach die Zinsen auf unter 3% fallen werden. Nun das Unternehmen war schlauer und blecht wahrscheinlich 6%. So geht VWL heute.

Account gelöscht!

31.05.2012, 19:22 Uhr

Wenn den Griechen – ob nun Tsipras oder Samaras – JETZT nicht die rote Karte gezeigt wird, dann werde ich zum Anti-Europäer.
Und mit mir bestimmt viel zu Viele. War das der Sinn der Sache?
Europa braucht den Euro nicht.
GR darf den Euro nicht haben.
Die fangen ja schon wieder an, uns weitere GR-Hilfen schmackhaft zu machen. Von wegen alternativlos.
Da wird ein düsteres Bild an die Wand gemalt, was uns Deutschen oder Europäern angeblich alles Schlimmes passieren wird – wenn, ja WENN wir nicht doch wieder den Griechen helfen. Und den Spaniern natürlich.
Es sind fast immer Bankenvertreter, die uns von der Notwendigkeit weiterer Hilfen zu überzeugen versuchen. Na klar – würde ich auch versuchen, wenn es so eine feine Chance gibt, sich das Geld von anderen anstelle vom Pleite-Schuldner zu holen.
Hr. Mayer möchte nur, dass seine Forderungen gegen GR in € bestehen bleiben. Er hat Angst vor einem Verlust der Deutschen Bank & Co, wenn die Griechen mit der Drachme auch ihre ausl. Verbindlichkeiten umstellen. Das ist das Geheimnis hinter der Idee.
Bezahlen sollen wir Steuerbürger. Das Muster Bad Bank kennen wir ja schon von der HRE. Und den Griechen wird eine 2-Klassenwährung zugemutet. Immobilien in €, Kartoffeln in Geuro. Denn bei wertvollen Waren wird das Vertrauen in den Geuro fehlen.

Sie werden auf immer am Tropf hängen mit einer nicht konvertierbaren Zweitwährung, die eben nur so tut, als käme GR jemals wieder auf die Beine. Das ist Betrug an den Griechen und ich hoffe, sie merken es.

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