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21.03.2014

22:58 Uhr

Timoschenko-Interview

Russland hat Ukraine „für immer verloren“

Putin hat sich mit der Annexion der Krim keine Freunde in der Ukraine gemacht. Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko rief bei einem TV-Auftritt zum bewaffneten Widerstand auf, sollte Russland die Grenzen überqueren.

Julia Timoschenko sagt Putin den Kampf an. dpa

Julia Timoschenko sagt Putin den Kampf an.

KiewMit der im Eilverfahren betrieben Angliederung der Krim hat Russland das Vertrauen der Ukrainer nach Ansicht von Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko dauerhaft verspielt.

Russlands Präsident Wladimir Putin "hat die Ukraine für immer verloren, nachdem er uns den Krieg erklärt hat", sagte die Politikerin am Freitag bei ihrem ersten großen Fernsehauftritt seit ihrer Entlassung aus jahrelanger Haft.

"Putin ist der Staatsfeind Nummer eins der Ukraine, der unser Territorium mit Waffengewalt eingenommen hat", sagte Timoschenko in der live ausgestrahlten Polit-Talkshow. Sollte Russland die "Rote Linie" überschreiten und Truppen auf das ukrainische Festland schicken, müssten ihre Landsleute bereit zum Widerstand sein.

Die Halbinsel Krim

Lage und Verwaltung

Die Halbinsel am Schwarzen Meer umfasst eine Fläche von 26.000 Quadratkilometer. Sie ist unterteilt in die Autonome Republik Krim und den Stadtbezirk Sewastopol, der direkt der ukrainischen Zentralregierung untersteht. 1991 hatten die Bewohner der Krim mehrheitlich für die Autonomie innerhalb der Ukraine gestimmt.

Bevölkerung

Knapp zwei Millionen Menschen leben auf der Halbinsel. Mit fast 60 Prozent stellen russische Staatsbürger den größten Bevölkerungsanteil. 24 Prozent der Einwohner sind Ukrainer, zwölf Prozent Krimtataren. Zu den weiteren Bevölkerungsgruppen gehören unter anderem Krimdeutsche, Weißrussen und Polen. Die Amtssprache ist Ukrainisch. Russisch und Krimtatarisch sind anerkannte Sprachen. In einer Volkszählung gaben 2001 fast 80 Prozent der Bevölkerung Russisch als Muttersprache an.

Strategische Bedeutung

Strategisch ist die Krim von besonderer Bedeutung, weil in Sewastopol die russische Schwarzmeerflotte stationiert ist. 1997 handelten Russland und die Ukraine einen Freundschaftsvertrag aus, der die Stationierung der russischen Flotte bis 2017 festschrieb. Der Pachtvertrag wurde im Jahr 2010 bis 2042 verlängert.

Wirtschaft

Wichtige Wirtschaftszweige sind die Landwirtschaft, chemische und petrochemische Industrie, Schwerindustrie und der Tourismus.

"Wir werden kämpfen", kündigte Timoschenko für den Ernstfall an. Auf lange Sicht werde die Krim wieder zur Ukraine gehören. Putin bezeichnete sie in der mehrstündigen Sendung als "Diktator mit faschistischen Zügen".

Die proeuropäische Politikerin, die in der Ukraine ebenso beliebt wie umstritten ist, war 2010 bei der Präsidentschaftswahl ihrem prorussischen Rivalen Viktor Janukowitsch unterlegen.

Nach dessen Amtsantritt war sie festgenommen und wegen Amtsmissbrauchs zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Im Gefängnis erkrankte die Politikerin an einem schweren Rückenleiden.

Die EU machte ihre Freilassung und Behandlung zur Bedingung für die Unterzeichnung eines Assoziierungsabkommens mit der Ukraine. Diesem verweigerte Janukowitsch die Unterschrift, woraufhin sich eine Protestwelle erhob, die ihn letztlich das Amt kostete.

Von

afp

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