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26.04.2012

15:31 Uhr

Timoschenko und die EM

Wie sich die Ukraine ins Abseits befördert

VonOliver Bilger, Dietmar Neuerer

In knapp zwei Monaten startet in der Ukraine die Fußball-Europameisterschaft. Doch vor dem Turnier gerät das Land immer stärker in die Kritik. Und das nicht nur wegen der Haftbedingungen von Julia Timoschenko.

Die Haft von Julia Timoschenko sorgt für Unstimmigkeiten zwischen der Europäischen Union und der Ukraine. dpa

Die Haft von Julia Timoschenko sorgt für Unstimmigkeiten zwischen der Europäischen Union und der Ukraine.

Kiew/BerlinAuf dem Chreschtschatyk-Boulevard, Kiews zentraler Flaniermeile, steht eine Digitaluhr, die rückwärts zählt bis zum Anpfiff der Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine. Doch mit der schwindenden Zeit wachsen die Probleme im Gastgeberland Ukraine. Zunehmend nimmt das Image der Ukraine Schaden – die Absage des Besuchs von Bundespräsident Joachim Gauck ist dabei der jüngste Höhepunkt.

Schon davor lief es nicht wirklich rund. Weit mehr als geplant, haben die Vorbereitungen gekostet, weil viel Geld in dunklen Kanälen versickerte. Die neue Sportarena in Kiew zählt zu den teuersten Stadien Europas – in einem der ärmsten Länder auf dem Kontinent. Um das neue Flughafenterminal der Hauptstadt zieht sich noch immer ein langer Bauzaun, Arbeiten an Straßen zwischen den Austragungsorten werden nicht rechtzeitig fertig. Es fehlen Hotelbetten für die Fußballfans. In Charkiw haben Hoteliers ihre offiziellen Verträge mit dem Reisekonzern Tui gekündigt, um die Preise in die Höhe zu treiben. In Charkiw wird die Deutsche Nationalmannschaft am 13. Juni im Metalist-Stadion zur Vorrundenpartie gegen die Niederlande erwartet.

Nach Charkiw blickt das westliche Europa, allen voran Deutschland, noch aus einem anderen Grund. Denn in der Stadt, 500 Kilometer östlich von Kiew, sitzt Julia Timoschenko in einem Straflager in Haft. Zu sieben Jahren ist sie wegen Amtsmissbrauchs verurteilt. Der Westen kritisiert das Urteil als politisch motiviert. In einem zweiten Prozess droht ihr wegen Steuerhinterziehung und Veruntreuung eine zwölfjährige Haftstrafe.

Seit dem 20. April soll sich Timoschenko nach Angaben ihres Anwalts im Hungerstreik befinden. Bei einem Transport soll sie außerdem geschlagen worden sein. Die Gefängnisleitung dementierte. Die ukrainische Staatsanwaltschaft prüft nun Timoschenkos Vorwurf. Menschenrechtler kritisieren immer wieder Folter und Misshandlungen in Gefängnissen und in Polizeigewahrsam sowie eine mangelhafte medizinische Versorgung.

Zeitungsbericht: Gauck streicht Besuch in der Ukraine

Zeitungsbericht

Gauck streicht Besuch in der Ukraine

Grund ist die Sorge um die in Hungerstreik getretene Julia Timoschenko.

Jede neue Nachricht über den Gesundheitszustand der Politikerin belasten die Beziehungen zwischen der Ukraine und der Europäischen Union. Für eine Unterschrift unter einem Assoziierungsabkommen zwischen Kiew und Brüssel verlangt die EU Timoschenkos Freilassung. Die Bundesregierung würde 51-Jährige am liebsten in die Charité nach Berlin holen. Der Neurologe Karl Max Einhäupl hat sie in Charkiw untersucht und beschreibt ihren Zustand als „schwer krank“.

„Im eigenen Interesse muss die Ukraine einer Verlegung der ehemaligen Regierungschefin in ein deutsches Krankenhaus zustimmen“, sagte der Berliner CDU-Abgeordnete Frank Steffel Handelsblatt Online. Ansonsten werde der in dem Land anstehenden Fußball-Europameisterschaft „für immer der Schatten Rechtsbeugung und Unmenschlichkeit liegen“, fügte das Mitglied im Bundestags-Sportausschuss hinzu. Das Vorgehen gegen Timoschenko nannte der CDU-Politiker einen juristischen, politischen und vor allem humanitären Skandal. „Es ist unvorstellbar, dass Timoschenko durch Hungerstreik oder schlechte medizinische Versorgung in einem ukrainischen Krankenhaus zu Tode kommt und wenige Kilometer entfernt ein Fußballfest stattfindet“, sagte Steffel.

Kommentare (11)

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26.04.2012, 16:20 Uhr

Ist schon klar,daß das Westerwelle nicht sonderlich bewegt,wenn ein schwerkranker Mensch noch obendrein geschlagen wird. Doch die Botschaft kann nur heißen,wenn Timoschenko nicht umgehend in die Charitee verlegt wird, findet die EM ausschließlich in Polen statt. Die Organisatoren müssen insoweit einen Plan B ausarbeiten.Die Polen werden schon Möglichkeiten finden, die zusätzlichen Gäste unterzubringen.

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26.04.2012, 16:30 Uhr

Das geht nicht. Die EM muss planmässig ohne Zwischenfälle ablaufen. Während die Europäer nämlich vor der Glotze sitzen, wird im Hintergrund der ESM durchgezogen. Das ist der Merkel-Plan, Störungen durch EM-Boykott oder Verlegung/Verschiebung kann sie da für den reibungslosen Ablauf nicht brauchen.

LotharSawall

26.04.2012, 16:50 Uhr

oh Gott diese Krokodilstränen, die Timoschenko hat sich in ihrer Amtszeit die Taschen vollgestopft, indes es dem ukrainischem Volk gnaus so beschissen ging wie heute. Da reißt man sich über eine Dame den Hintern auf die Machtgierig und Geldgierig war und ist. Da hat diese Frau einen Bandscheibenvorfall, wieviel Bundesbürger haben diesen in Deutschland von der Arbeit, selbst Kriminelle, nur ürde sich da keiner den Hintern aufreißen, den verlegt man in ein Haftkrankenhaus und damitbasta, und dann macht der sogenannte "Bürgerrechtler" Gauch, der er niemals war und sagt jetzt aus wie kleines Kind, da fahre ich als Präsident nicht hin, da muß er aber viele Staatsbesuche absagen, aber das spart Geld und er kann sowieso nur über ein Thema reeden also was olls, es ist nur toll die verlogenen Journille zu lesen.

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