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12.02.2013

21:06 Uhr

Tod bin Ladens

„Bumm! Dann ging er zu Boden“

VonNils Rüdel

Wie fühlt man sich, nachdem man den meistgesuchten Terroristen getötet hat? Was passierte in jener Nacht, in der Osama bin Laden erschossen wurde? Der Schütze erzählte nun erstmals öffentlich seine Geschichte.

Szene aus dem Film „Zero Dark Thirty“: „Ich wusste noch nicht, ob es etwas Gutes oder Schlechtes war.“ AP

Szene aus dem Film „Zero Dark Thirty“: „Ich wusste noch nicht, ob es etwas Gutes oder Schlechtes war.“

New YorkAls alles vorbei ist, beißt der Mann, der offiziell nur „Der Schütze“ genannt wird, im fernen Jalalabad in sein Bacon-Käse-Sandwich. Im Fernsehen verfolgt er live, wie US-Präsident Barack Obama gerade mit einer historischen Nachricht vor die Kameras tritt: Osama bin Laden ist tot. Erschossen von Team 6, einem Kommando der Eliteeinheit Navy Seals.

Erschossen von ihm, dem „Shooter“. Doch das wissen nur die Wenigsten, denn die Details des Einsatzes sind geheim.

Der Soldat sitzt in einer Halle auf dem US-Stützpunkt in Afghanistan, blickt auf den Präsidenten im Fernsehen, dann neben sich auf die Leiche des meistgesuchten Terroristen der Welt. „Da dachte ich, wie zur Hölle bin ich hier hergekommen? Das ist alles zu viel“, erinnert er sich. „Ich wusste noch nicht, ob es etwas Gutes oder Schlechtes war.“

Das Leben von Osama bin Laden

Eine Chronik des Al-Kaida-Chefs

Al-Kaida-Chef Osama bin Laden ist in Pakistan von US-Spezialkräften getötet worden. Im Folgenden eine Chronik der wichtigsten Ereignisse aus dem Leben bin Ladens.

Früher Verlust des Vaters

Osama bin Mohammed bin Awad bin Laden wurde in Riad in Saudi-Arabien geboren als eines von mehr als 50 Kindern des millionenschweren Geschäftsmannes Mohammed bin Laden. Der genaue Geburtstag bin Ladens ist nicht klar. Bin Ladens Vater starb bei einem Flugzeugabsturz als bin Laden noch ein Kind war.

Erste Heirat mit syrischer Cousine

Im Alter von 17 Jahren erste Heirat mit einer syrischen Cousine. Er soll mindestens 23 Kinder haben von mindestens fünf Ehefrauen.

Bin Laden, der schüchterne Student

Studium von Management und Wirtschaft an der Universität in Dscheddah. Bin Laden galt als schüchtern und als durchschnittlicher Student.

Kampf gegen sowjetische Besatzer

Unter dem Eindruck des Einmarsches der Sowjetunion in Afghanistan Ende 1979 sympathisiert bin Laden ab 1984 mit arabischen Kämpfern, die sich freiwillig zum Kampf gegen sowjetische Truppen melden. Er unterstützt ihren Einzug in Peshawar, zieht später dorthin um und importiert Waffen. Er gründet seine eigene kleine Brigade freiwilliger Kämpfer.

Gründung von Al-Kaida

Al-Kaida wird als Hort für radikale Moslems gegründet. Die Anhänger eint der Hass auf die USA, Israel und alle muslimischen Regierungen, die als Verbündete der USA gelten.

Umzug gen Sudan

Bin Laden geht in den Sudan.

Der Ausstoß aus der Familie

Bin Ladens Familie verstößt ihren Sohn und schmeißt ihn als Anteilseigner am Bau-Firmenimperium hinaus.

Entzug der saudischen Staatsbürgerschaft

Saudi-Arabien entzieht bin Laden aus Verärgerung über dessen Propaganda gegen die Führung des Landes die Staatsbürgerschaft.

Rückkehr nach Afghanistan

Bin Laden zieht sich nach Afghanistan zurück. Den Sudan muss er auf Druck der US-Regierung verlassen. Im selben Jahr erlässt er eine Fatwa, ein islamisches Rechtsgutachten, nach der Mitarbeiter des US-Militärs getötet werden sollen. Ab Oktober 1996 folgen verschiedene Bombenanschläge, etwa in Saudi-Arabien oder auf US-Botschaften in Nairobi und Dar es Salaam, bei denen auch US-Bürger getötet werden. Die USA sehen bin Laden als Drahtzieher der Anschläge. US-Präsident Bill Clinton bezeichnet bin Laden als den größten Feind Amerikas. Die USA beginnen mit Luftangriffen auf vermutete Terroristen-Zentren im Sudan und in Afghanistan. Später folgt ein Al-Kaida-Angriff auf die USS Cole im Hafen von Aden im Jemen mit 17 toten US-Soldaten.

Der Anschlag

Die Al-Kaida-Angriffe mit gekaperten Flugzeugen auf das New Yorker World Trade Center sowie das Pentagon kosten fast 3000 Menschen das Leben. Bin Laden bekannte danach in einem Video, der Einsturz der Twin Towers habe die Erwartungen von Al-Kaida übertroffen.

Der meistgesuchte Terrorist

US-Präsident George W. Bush will bin Laden „tot oder lebendig“ fassen.

Der Afghanistan-Einsatz

Die USA beginnen mit Angriffen auf Afghanistan, das damals von den radikal-islamischen Taliban regiert wurde.

Lob für die Attentäter

Al-Dschasira überträgt die Stimme von bin Laden, der die Attentäter vom 11. September lobt als Männer, „die den Lauf der Geschichte verändert haben“.

Das Ende des Terrormeisters

Bin Laden wird in einer luxuriösen Wohnanlage in Abbottabad rund 60 Kilometer nördlich der pakistanischen Hauptstadt Islamabad von US-Spezialkräften getötet.

Es sind seltene Einblicke in die letzten Stunden bin Ladens, die der „Schütze“ dem Journalisten Phil Bronstein da gewährte. In einem langen Porträt im Magazin „Esquire“ erzählt der Soldat erstmals öffentlich, wie er jene Nacht des Sturms auf bin Ladens Anwesen im pakistanischen Abbottabad erlebte. Und er schildert die Schwierigkeiten, ins zivile Leben zurückzukehren, ohne Job und soziale Absicherung. Die Angaben sind nicht verbürgt und in einem derart auf Geheimnisse bedachten Umfeld schwer zu verifizieren.

Nach langer Vertrauensarbeit über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr hatte der preisgekrönte Autor den 35-jährigen Ex-Soldaten aus Virginia zum Reden gebracht. Bereits im vergangenen Jahr hatte ein anderes Mitglied des Team 6, Matt Bissonnette, seine Erlebnisse in einem Buch geschildert und den Ärger des Pentagons auf sich gezogen. Soldaten sind verpflichtet, dem Verteidigungsministerium ihre Texte vor Veröffentlichung zu übermitteln, damit keine sensiblen Informationen nach außen dringen. Der „Esquire“-Artikel wurde laut Pentagon nicht eingereicht.

Bronstein bezeichnet den Mann, der bin Laden tötete, nur als „den Schützen“. Die wahre Identität des Ex-Soldaten bleibt aus Angst vor Racheaktionen geheim.

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