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03.05.2011

18:27 Uhr

Tod des Al-Kaida-Chefs

Osamas Tod rettet Obamas Sicherheitsstrategie

VonMarkus Ziener

Den Konservativen war der US-Präsident in Militärfragen bislang zu weich. Durch den Schlag gegen Bin Laden rückt Obama in ein neues Licht.

Die nationale Sicherheit ist stets die Achillesferse eines amerikanischen Präsidenten. Wer beim Schutz der USA Schwäche zeigt, und sei dies auch nur vermeintlich so, der hat schon verloren. Barack Obama hat sich diesem Risiko mehr ausgesetzt als die meisten anderen amerikanischen Staatschefs. Denn Obama will jener Präsident sein, der nicht nur die Kriege in Irak und Afghanistan beendet, sondern auch noch bei den Militärausgaben spart. Doch jetzt ist Obama vor allem eines: der Präsident, der Osama Bin Laden zur Strecke gebracht hat.

Kritik an Obamas Außen- und Sicherheitsstrategie ist damit vom Tisch - und womöglich für lange Zeit. Tatsächlich könnte das Ende des El-Kaida-Chefs Obama die Wiederwahl im November nächsten Jahres sichern. Nicht nur, weil der Tod Bin Ladens auf das amerikanische Volk wie eine Erlösung wirkt. Mehr noch, weil die Tötung des Top-Terroristen nicht das Produkt einer zufälligen Kommandoaktion war, sondern eine über Monate vorbereitete Maßnahme. Das beinhaltet die Botschaft: Auch wenn sich die USA schrittweise von den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten zurückziehen, verliert das Weiße Haus nicht die Prioritäten aus dem Blick.

Natürlich gehört bei solchen Aktionen enormes Glück dazu. Präsident George W. Bush stand im Dezember 2001 kurz davor, den heutigen Triumph zu feiern: Amerikanische Spezialeinheiten verpassten Bin Laden in der Höhlenanlage von Tora Bora im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet damals nur um Haaresbreite. Gleiches hätte auch jetzt wieder passieren können. Aber ebendas prägt eine erfolgreiche Präsidentschaft: Fortune. Obama hat dieses Glück.

Damit hat er auch eine Gefahr abgeschüttelt, die seit Amtsübernahme im Januar 2009 über ihm schwebte: dass der erste afro-amerikanische Präsident der USA ein zweiter Jimmy Carter werden könnte. Ein Präsident, der es zwar gut meint, dem aber nur wenig gelingt. Mit Carter verbindet sich bis heute der gründlich misslungene Versuch, die US-Geiseln in Iran zu befreien. Mit Obama wird sich das Ende von Bin Laden verknüpfen. Wenn Bilanz gezogen wird, ist das der Unterschied.

Politisch gibt der Tod von Bin Laden dem US-Präsidenten ganz neue Spielräume. Nachdem dieses große Ziel erreicht ist, kann der Präsident seine sicherheitspolitische Agenda mit erheblich größerer Gelassenheit umsetzen. Dabei steht zunächst die weitere Reduzierung der Truppen im Irak an, die bereits weit fortgeschritten ist. Hier ist es Obama bislang gelungen, den Abzug zumindest ehrenvoll aussehen zu lassen. Auch wenn bei genauerer Betrachtung der Lage in Bagdad dies eine allzu optimistische Einschätzung ist. Denn tatsächlich lassen die USA im Irak ein noch immer instabiles und dem Westen nicht unbedingt freundlich gesinntes Regime zurück.

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