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13.09.2012

09:59 Uhr

Tod des US-Botschafters

USA schickt Kriegsschiffe nach Libyen

Nach dem Tod des US-Botschafters schickt die US-Marine zwei Kriegsschiffe an die Küste Libyens - als „Präventivmaßnahme“. Denn der Angriff auf die Botschaft könnte einen terroristischen Hintergrund haben.

Die USS Vella Gulf (Archivbild). ap

Die USS Vella Gulf (Archivbild).

WashingtonNach dem Angriff auf das US-Konsulat in der libyschen Stadt Bengasi hat die US-Marine zwei Kriegsschiffe an die Küste des Landes geschickt. Die beiden Zerstörer sowie ein 50-köpfiges Marineteam würden als "Präventivmaßnahme" entsendet, sagte ein US-Regierungsvertreter, der anonym bleiben wollte. Bereits zuvor war aus dem Pentagon verlautet, dass die US-Armee eine Anti-Terror-Einheit nach Libyen schickt. US-Präsident Barack Obama hat mittlerweile mit den Präsidenten von Ägypten und Libyen telefoniert und eine Zusammenarbeit bei den Ermittlungen mit ihnen vereinbart.

Der Angriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi hat möglicherweise einen terroristischen Hintergrund. Wie am Mittwoch aus US-Regierungskreisen verlautete, gehen die Geheimdienste mittlerweile von einem geplanten Angriff aus. Die Proteste gegen einen in den USA produzierten antiislamischen Film hielten unterdessen in zahlreichen arabischen Ländern an und erreichten den US-Präsidentschaftswahlkampf.

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Die Attacke trage "klar" die Handschrift des Terrornetzwerks Al-Kaida, sagte der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im US-Repräsentantenhaus, Mike Rogers, dem Sender CNN. Dass es sich um einen geplanten Angriff handeln könnte, sei "derzeit die Arbeitshypothese", sagte zudem ein ranghoher Regierungsvertreter AFP. Demnach könnten sich extremistische Angreifer die wütende Menge in Bengasi zu Nutze gemacht haben.

Das Internetportal Youtube hat nun den Zugriff auf das Video aus Libyen und Ägypten erschwert. Zwar verstoße der Inhalt des Films nicht gegen die Youtube-Richtlinien, angesichts der "schwierigen Lage in Libyen und Ägypten" sei der Zugang in beiden arabischen Ländern jedoch "vorübergehend eingeschränkt" worden, erklärte ein Sprecher des Google-Dienstes am Donnerstag.

Das Konsulat war am Dienstag mit Raketen und Granaten angegriffen worden. Der US-Botschafter Chris Stevens und drei Mitarbeiter wurden getötet, auch mehrere libysche Sicherheitskräfte starben. Der Angriff ereignete sich am Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001, ein für islamistische Terroristen symbolisches Datum. Zunächst hatte es geheißen, dass es sich um einen spontanen Angriff gehandelt habe. Seit Dienstag gibt es in zahlreichen Ländern Proteste gegen einen US-Film, in dem der Prophet Mohammed verunglimpft wird. Auch in Kairo hatten militante Islamisten die US-Botschaft gestürmt.

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Laut Rogers deutet aber viel auf einen Terroranschlag hin. "Seit Monaten haben wir beobachtet, wie Al-Kaida nach westlichen Zielen Ausschau gehalten hat", sagte der US-Abgeordnete. "Das fand überall in Nordafrika statt. Wir haben bestimmte Aktivitäten beobachtet, die einen glauben lassen können, dass es eine mit Al-Kaida verbündete Gruppe war."

Die Proteste hielten unterdessen an. Unweit der tunesischen Hauptstadt Tunis setzte die Polizei Tränengas gegen rund 300 Demonstranten ein, die auf das Gelände der US-Botschaft vordringen wollten, wie ein AFP-Fotograf berichtete. Offiziellen Angaben zufolge wurden fünf Menschen festgenommen, mindestens zwei Polizisten wurden verletzt.

Auch in Kairo protestierten am Abend erneut hunderte Menschen vor der US-Botschaft. Dem Sender CNN zufolge kam es zu Zusammenstößen mit Vertretern der Sicherheitskräfte. Auch in Casablanca in Marokko gingen bis zu 400 Menschen auf die Straßen. Einige dutzend Menschen protestierten zudem im Gazastreifen gegen die USA und zündeten vor dem Sitz der UNO US-Fahnen an. Das iranische Außenministerium verurteilte den Film als "schändlich". Mehrere iranische Medien kündigten für Donnerstag eine Demonstration in Teheran an.

Unterdessen erreichten die Vorfälle auch den US-Wahlkampf. US-Präsident Barack Obama warf seinem Herausforderer Mitt Romney eine Taktik nach dem Motto "erst schießen und dann zielen" vor, nachdem dieser seine Reaktion auf die Attacken kritisiert hatte. Romney hatte Obama vorgeworfen, nach den Angriffen vom Dienstag zunächst Verständnis für die Angreifer gezeigt zu haben, statt die Attacken sofort zu verurteilen.

Der republikanische Präsidentschaftsbewerber Mitt Romney und US-Präsident Barack Obama. dpa

Der republikanische Präsidentschaftsbewerber Mitt Romney und US-Präsident Barack Obama.

Bei einer Veranstaltung in Las Vegas sagte Obama am späteren Mittwoch, dass kein Terrorakt es schaffen werde, die "Werte der USA" zu trüben. "Kein Gewaltakt wird die Entschlossenheit der USA erschüttern", sagte er.

Die USA ließen zudem die Sicherheit aller ihrer Vertretungen überprüfen. Das Konsulatspersonal in Bengasi wurde nach Deutschland ausgeflogen, das Personal der Botschaft in Tripolis wurde reduziert, wie ein US-Vertreter mitteilte. Die US-Marine schickte außerdem als "Präventivmaßnahme" zwei Kriegsschiffe an die Küste Libyens.

Kommentare (13)

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touspourun

12.09.2012, 22:08 Uhr

Welche Werte sollen denn verteidigt werden, Mitt? Freiheit und Demokratie? Lächerlich… Obama: Es gebe „absolut keine Rechtfertigung für diese Art sinnloser Gewalt“. Gibt es eine Rechtfertigung für die per ferngesteuerte US Drohne umgebrachte Zivilisten im „Krieg gegen den Terror“ in Afghanistan und Pakistan?

janzvolens

12.09.2012, 22:40 Uhr

Der "President" hat sofort schon U.S. Marines entsandt! Die Hymne des U.S. Marine Corps "From the halls of Montezuma to the sands of Tripoli" - erinnert an den ersten "Einsatz" der U.S. Marines in Lybien 1804. Auch der Fuehrer hat dort deutsche Jungs verheizt! Zum Glueck hat die Mutti da "No" gesagt zu den "Partners", genau so wie Schroeder damals im Fall Irak. Also ein paar Deutsche im 21sten Jahrhundert welche etwas gelernt hatten!

mzpx

13.09.2012, 01:26 Uhr

Also Fakt ist, beim Putsch gegen Gadafi wurde al-Quaida wie auch schon immer vom CIA unterstützt, ist quasi das gleiche.
Ich glaube nicht das es jetzt anders ist.
Immer die Amis mit ihren selbstgemachten Terror ... wer glaubt das denn noch?

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