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21.12.2011

07:40 Uhr

Tod von Kim Jong Il

Nordkorea versetzt Truppen in Alarmbereitschaft

Auch nach dem Tod von Kim Jong Il bleibt Nordkorea ein schwarzes Loch: Wer in der kommunistischen Diktatur die Macht hat, ist weiter unklar. Die Sorgen um Stabilität und Frieden in der Region wachsen.

Kim Jong Il im Glaskasten aufgebahrt

Video: Kim Jong Il im Glaskasten aufgebahrt

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SeoulNordkorea hat nach Erkenntnissen des südkoreanischen Geheimdienstes nach dem Tod von Machthaber Kim Jong Il die innere Sicherheit erhöht und Truppen in Alarmbereitschaft versetzt. Südkoreanische Aktivisten schickten unterdessen am Mittwoch inmitten der elftägigen Staatstrauer Ballons mit Flugblättern nach Nordkorea, was Spannungen verstärken könnte.    

In den Flugblättern wird Kritik an einer Vererbung der Macht vom Vater auf dessen Sohn Kim Jong Un geübt. Pjöngjang hat angedroht, bei derartigen Aktionen Südkorea unter Beschuss zu nehmen. Kim Jong Il ist am Samstag gestorben. Im Westen wurde daraufhin ein Kampf um die Macht in dem kommunistischen Staat erwartet. Dafür gibt es bislang keine Anzeichen.   

Militär in Nord- und Südkorea

Zwei militärische Regionalmächte

An Koreas Waffenstillstandslinie am 38. Breitengrad stehen sich zwei von Großmächten unterstützte militärische Regionalmächte gegenüber. Während im westlich orientierten Südkorea Angaben über das Militär meist öffentlich zugänglich sind, beruhen Daten zur Armee des abgeschotteten Nordens meist auf Schätzungen.

Truppenstärke

Rund 1,19 Millionen Streitkräfte stehen Nordkorea zur Verfügung. Davon entfallen 1,02 Millionen auf das Heer, 60.000 auf die Marine und 110.000 auf die Luftwaffe. Außerdem stehen 600.000 Reservisten bereit. Südkorea besitzt eine Truppenstärke von rund 655.000 Menschen, wobei 522.000 auf das Heer, 68.000 auf die Marine und 65.000 auf die Luftwaffe entfallen. Zusätzlich gibt es in Südkorea 4,5 Millionen Reservisten.

Kampfpanzer

Nordkorea verfügt über 3.500 Kampfpanzer. In Südkorea sind es 2.750 an der Zahl.

Artilleriegeschütze

10.774 Artilleriegeschütze befinden sich im Besitz von Südkorea. Mehr als das doppelte, insgesamt etwa 21.000 Stück sind es in Nordkorea.

Boden-Boden-Raketen

Zu den Boden-Boden-Raketen zählen solche, die vom Boden aus gegen Bodenziele eingesetzt werden. Darunter fallen unter anderem Raketengranaten oder Panzerfäuste. 64 solcher Waffen hat Nordkorea zur Verfügung, 30 sind es in Südkorea.

Kampfflugzeuge

Etwa 620 Kampfflugzeuge sind in Nordkorea für den Einsatz bereit, davon entfallen 458 auf Jagdflugzeuge, 80 sind reine Bomber. Südkorea verfügt über 490 einsatzbereite Kampfflugzeuge, worunter sich 467 Jagdflugzeuge befinden.

Kriegsschiffe

Über lediglich drei Kriegsschiffe verfügt Nordkorea - allesamt Fregatten. 47 Schiffe stehen Südkorea zur Verfügung, darunter ein Kreuzer, 6 Zerstörer, 12 Fregatten und 30 Korvetten.

Taktische U-Boote

Solche U-Boote sind für gewöhnlich mit Torpedos bewaffnet. 70 dieser Boote hat Nordkorea auf Lager, 23 sind es in Südkorea.

Kleinere Küstenwachtboote

Nordkorea verfügt zusätzlich über 383 Küstenwachtboote. Südkorea kommt auf eine Zahl von 111.

Der südkoreanische Abgeordnete Kwon Young Se sagte am Mittwoch, der Geheimdienst NIS vermute, dass sich der Norden auf die Festigung der Macht vom Kim Jong Un konzentriert. Ranghohe Offiziere der Streitkräfte hätten dem jungen Kim ihre Gefolgschaft versichert. In den großen Städten seien die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt worden.    

Die amtlichen nordkoreanischen Medien meldeten, Kim habe im Kumusan-Palast, in dem sein Vater aufgebahrt ist, Trauernde empfangen, darunter ausländische Gesandte. Weitere Einzelheiten wurde nicht genannt. Seit dem Tod Kim Jong Ils hätten mehr als fünf Millionen Nordkoreaner an Gedenkstätten in der Hauptstadt ihre Trauer zum Ausdruck gebracht. Auch die südkoreanische Regierung erlaubt privaten Gruppen, Nordkorea ihr Beileid über den plötzlichen Tod von Machthaber Kim Jong Il zu übermitteln. Der Minister für Wiedervereinigung, Yu Woo Ik, hatte am Dienstag in einer im Fernsehen übertragenen Ansprache dem nordkoreanischen Volk sein Beileid ausgedrückt.

Die Furcht vor einer Destabilisierung der Region nach dem Tod von Kim Jong Il hält an. China, die USA und Südkorea verständigten sich am Dienstag darauf, dass es „wichtig ist, Frieden und Stabilität“ auf der koreanischen Halbinsel zu erhalten, während Pjöngjang Kims Sohn und Nachfolger Kim Jong Un pries. Seoul erhöhte seine Alarmbereitschaft wegen möglicher Cyber-Angriffe aus dem Norden. Peking fürchtet Experten zufolge eine Destabilisierung oder politische Umwälzung des Landes, die mit einem Flüchtlingsstrom einhergehen könnte.

Die Lage sei „gefährlich“, denn wenn es bei der Machtübergabe an Kims Sohn Probleme geben sollte, „könnte alles im Chaos enden“, sagte Professor Joseph Cheng von der Universität in Hongkong. Chinas Staatschef Hu Jintao besuchte am Dienstag zum Zeichen der Anteilnahme die Botschaft Nordkoreas in Peking. Außenminister Yang rief das nordkoreanische Volk auf, sich hinter Kim Jong Un zu vereinen. Chinas Außenminister Yang Jiechi telefoniert mit US-Außenministerin Hillary Clinton und seinem südkoreanischen Kollegen Kim Sung Hwan, um sich über die veränderte Lage in Nordkorea abzustimmen. Dabei seien «enge Kontakte» vereinbart worden, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Peking. China ist der wichtigste Verbündete Nordkoreas. Das isolierte Land ist dringend auf Hilfe aus dem Reich der Mitte angewiesen.

Von

dapd

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

21.12.2011, 08:45 Uhr

WAS MACHT MAN MIT KARTOFFELN, WENN
SIE ZU HEISS SIND? MAN LÄSST SIE FALLEN!

Beides wird nicht überraschen.
Das Ende Kim Jong Ils und das seines Regimes.
Und dies ist auch die einzige Interpretation, die man haben kann, wenn amerikanische Flugzeugträger im Ostchinesischem Meer kreuzen, daß sich nordkoreanische Küsten verdunkeln.

KAUFEN WENN DIE KANONEN DONNERN!

marcello_de_grande

21.12.2011, 11:00 Uhr

Statt sich Hoffnung auf Krieg zu machen sollte sich der Westen lieber um seine Überschuldung und raffgierigen Banken kümmern.

marcello_de_grande

21.12.2011, 11:01 Uhr

Statt sich Hoffnung auf Krieg zu machen sollte sich der Westen lieber um seine Überschuldung und raffgierigen Banken kümmern.

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