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04.08.2014

11:19 Uhr

Todesstrafe in den USA

Zurück zu Erschießungskommandos?

VonAxel Postinett

Giftinjektionen galten in den USA lange als „saubere“ Art der Hinrichtung. Nach der verpfuschten und qualvollen Exekution in Arizona diskutiert das Land nun über archaische Methoden – wie den Tod durch die Gewehrkugel.

Gefängnis in Florence, Arizona: 15 Injektionen innerhalb von zwei Stunden. ap

Gefängnis in Florence, Arizona: 15 Injektionen innerhalb von zwei Stunden.

San FranciscoEs war nicht die erste Hinrichtung, die in den USA zu einem Desaster wurde. Aber die Details, die Ende der Woche in den USA bekannt wurden, sind schockierend. Bei seiner Hinrichtung am 23. Juli in Arizona, die eigentlich höchstens zehn Minuten hätte dauern dürfen, bekam Joseph Wood innerhalb von zwei Stunden 15 mal eine Injektion mit einer angeblich bereits beim ersten Mal tödlichen Mischung aus Medikamenten.

Die am Freitag von Woods Anwälten veröffentlichten Daten verleihen der Diskussion um die Todesstrafe in den USA eine neue Schärfe. Der wegen Doppelmordes verurteilte Wood rang laut Protokoll während seiner Hinrichtung rund 600 Mal hörbar nach Luft, erklärten Woods Anwälte. Hardliner in den USA sowie ein mit dem Wood-Verfahren befasster Richter haben bereits eine Lösung des Problems zur Hand: Die Rückkehr zur Effektivität von Erschießungskommandos.

Im Januar war es bereits in Ohio zu einem ähnlichen Zwischenfall gekommen, die Exekution mit den gleichen Schmerzmitteln dauerte mehr als 30 qualvolle Minuten. Im April starb ein Verurteilter an einem Herzinfarkt nur Minuten, nachdem seine fehlgeschlagene Hinrichtung abgebrochen wurde, weil ihm die Medikamente falsch verabreicht worden waren.

Wo die NSA im Ausland spioniert hat

Frankreich

Für Empörung sorgt diese Woche ein Bericht der französischen Tageszeitung „Le Monde“, wonach die NSA allein innerhalb eines Monats – zwischen dem 10. Dezember 2012 und dem 8. Januar 2013 – 70,3 Millionen Telefonverbindungen in Frankreich überwachte. Bereits Anfang Juli hatte der britische „Guardian“ berichtet, der Geheimdienst habe unter anderem Frankreichs diplomatischen Vertretungen in Washington und bei den Vereinten Nationen in New York ausgespäht. Im September berichtete der „Spiegel“ auch von Spähangriffen gegen das französische Außenministerium in Paris.

USA

Die „Washington Post“ und der „Guardian“ berichten Anfang Juni, die NSA und die US-Bundespolizei FBI würden auf Serverdaten der großen Internetkonzerne wie Yahoo, Facebook, Google und Microsoft zugreifen. Der Name des geheimen Überwachungsprogramms: Prism.

Großbritannien

Der „Guardian“ berichtet Mitte Juni unter Berufung auf die Snowden-Dokumente, der britische Geheimdienst habe vor vier Jahren Delegierte von zwei in London stattfindenden G-20-Treffen ausgespäht. Ziele waren demnach die Delegationen Südafrikas und der Türkei. Die NSA soll bei der Gelegenheit versucht haben, ein Satelliten-Telefongespräch des damaligen russischen Präsidenten Dmitri Medwedew nach Moskau abzuhören.

EU und Uno

In seiner Ausgabe vom 1. Juli berichtet der „Spiegel“, die NSA habe in EU-Vertretungen in Washington, New York und Brüssel unter anderem Wanzen installiert. Auch sollen interne Computernetzwerke infiltriert worden sein. Ende August berichtet der „Spiegel“, die NSA habe auch die Zentrale der Vereinten Nationen in New York ausspioniert. Dem Geheimdienst gelang es demnach, in die interne Videokonferenzanlage der Uno einzudringen.

Brasilien

Der brasilianische Sender „Globo“ berichtet Anfang September, die NSA habe Telefonate und Internetkommunikation von Staatschefin Dilma Rousseff und ihren Mitarbeitern überwacht. Auch Unternehmen wie der Ölkonzern Petrobras und Millionen brasilianischer Bürger sollen ausgespäht worden sein. Verärgert verschiebt Rousseff einen für Oktober geplanten Staatsbesuch in den USA auf unbestimmte Zeit.

Mexiko

Der „Spiegel“ berichtet diese Woche, schon 2010 sei es einer NSA-Spezialabteilung gelungen, in das E-Mail-Konto des damaligen mexikanischen Präsidenten Felipe Calderón einzudringen. Calderóns Nachfolger Enrique Peña Nieto forderte Anfang September Erklärungen von den USA, nachdem Globo berichtet hatte, die NSA habe ihn während des Wahlkampfs 2012 ausgespäht.

China

In einem Interview mit der Zeitung „South China Morning Post“ aus Hongkong gibt Snowden an, die NSA hätten chinesische Mobilfunk-Konzerne gehackt und Millionen von SMS ausgespäht. Demnach verübte die NSA auch Cyber-Attacken auf die Tsinghua-Universität in Peking. Dort sind sechs zentrale Netzwerk-Schaltstellen untergebracht, über die Chinas gesamter Internetverkehr läuft.

In Arizona sehen die Bestimmungen jeweils 50 Milligramm der Medikamente Midazolam und Hydromorphon vor. Eigenmächtig habe die Anstaltsleitung jedoch bereits die Menge heraufgesetzt, um Zwischenfälle zu vermeiden, so Woods Anwälte. Aber auch das habe offenbar nicht ausgereicht. Die Anwälte fordern jetzt eine externe Untersuchung der Vorgänge. Der Anstaltsleiter, Charles Ryan, erklärte, er sei an einer offenen Aufarbeitung der Vorgänge interessiert und betonte gleichzeitig, die Exekution sei vorschriftsmäßig abgelaufen.

Woods Anwälte hatten mehrfach, auch vor dem Hintergrund der vorherigen Vorkommnisse, mehr Einsicht in die Details der Hinrichtung und der verwendeten Medikamente verlangt. Es ist offiziell nicht bekannt, von woher die US-Strafanstalten die benötigten Injektionen beziehen, wie viel sie bezahlen und wie sie sie behandeln oder lagern. Die Hersteller selbst weigern sich kategorisch, direkt an die Gefängnisse zu liefern. Sie wollen nicht mit der Verwendung ihrer Produkte zur Tötung von Menschen in Verbindung gebracht werden.

Exekutionen mit Giftinjektionen galten lange als „saubere“ Lösung eines Problems, das die USA tief spaltet. Nach Daten des Death Penalty Information Center wenden derzeit 32 Staaten in den USA die Todesstrafe an, 18 nicht. Michigan schaffte sie 1846 als erster Bundesstaat ab, Maryland als bislang letzter in 2013. 

Kommentare (4)

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G. Nampf

04.08.2014, 13:17 Uhr

Nein: keine Erschießungskommandos.

Keine Todesstafe!

Ein Land, das eine Demokratie sein will, braucht keine Todesstrafe. Das gilt übrigens auch für Hessen.

Herr Dipl. Ing.

04.08.2014, 13:32 Uhr

Kohlenmonoxid! Schneller, sanfter Tod durch Einschlafen und Ersticken ohne Atemnot! Nicht umsonst eine japanische Lieblings-Selbstmordmethode. Sehr viele Grill-"Unfälle" zeigen auch, dass es sehr schnell geht! Bevor man etwas merkt ist man auch schon tot....

Frau Anna Berta

04.08.2014, 14:30 Uhr

Es scheint nur eine Richtung zu geben, immer weiter in die unmenschliche Perversität hinein.
Anstatt die das Morden durch sogenannte "Todesstrafe" sofort zu beenden, wird über "Alternativen" nachgedacht die uns noch tiefer ins Mittelalter zurückführen.
Traurig, wenn sogar ein Leserkommentar einen Vorschlag für eine "sanfte Methode" der Tötung aufzeigt, ohne zu begreifen, welches Gedankengut er damit bedient.

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