Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.04.2015

07:55 Uhr

Todesstrafe in Indonesien

Erschießungskommando exekutiert verurteilte Drogenschmuggler

Trotz weltweiter Proteste hat sich Indonesien nicht erbarmen lassen. Ein Erschießungskommando hat sieben verurteilte Drogenschmuggler hingerichtet. Eine ebenfalls inhaftierte Frau wurde in letzter Sekunde verschont.

Bis zuletzt haben Unterstützer der Verurteilten auf Gnade gehofft. Reuters

Hinrichtung in Indonesien

Bis zuletzt haben Unterstützer der Verurteilten auf Gnade gehofft.

JakartaSieben von neun wegen Drogenverbrechen zum Tode verurteilte Häftlinge in Indonesien sind am Mittwoch hingerichtet worden. Unter den Getöteten waren auch die beiden Australier Myuran Sukumaran und Andrew Chan, um die die Regierung in Canberra bis zuletzt auf höchster diplomatischer Ebene gekämpft hatte. Generalstaatsanwalt Muhammad Prasetyo sagte auf einer Pressekonferenz, die Exekutionen seien in der Nacht zum Mittwoch von einem 13 Mitglieder starken Erschießungskommando ausgeführt worden.

Die Hinrichtung einer Philippinerin wurde als einzige verschoben, wie der indonesische Generalstaatsanwalt Muhammad Prasetyo am Mittwoch mitteilte. Auch das Schicksal eines Franzosen ist noch ungewiss.

Australiens Premierminister Tony Abbott gab bekannt, dass sein Land als Reaktion auf die noch nicht offiziell bestätigten Hinrichtungen seinen Botschafter aus der indonesischen Hauptstadt Jakarta abziehen werde. „Diese Exekutionen sind sowohl grausam als auch unnötig“, sagte Abbott vor Reportern. „Grausam deshalb, weil Andrew Chan und Myuran Sukumaran etwa ein Jahrzehnt im Gefängnis verbracht haben, bevor sie hingerichtet wurden und unnötig, weil sich diese beiden jungen Australier vollständig in Haft rehabilitiert haben.“

Indonesien: Proteste nach Hinrichtung von Ausländern

Indonesien

Proteste nach Hinrichtung von Ausländern

In Indonesien gelten äußerst strenge Drogengesetze. Jetzt wurden fünf Ausländer wegen Drogenvergehen exekutiert – trotz internationaler Proteste. Die Niederlande und Brasilien zogen ihre Botschafter aus Jakarta ab

Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff teilte mit, die mittlerweile zweite Hinrichtung eines brasilianischen Staatsbürgers in Indonesien in diesem Jahr „markiert einen ernsthaften Vorfall in den Beziehungen zwischen den beiden Ländern“. In Indonesien sitzen im Moment 125 Menschen im Todestrakt. 49 davon wurden wegen Drogenverbrechen zum Tode verurteilt. Präsident Joko Widodo hatte gelobt, bei Drogenkriminellen keine Gnade walten zu lassen.

Eine ebenfalls zum Tod verurteilte Philippinerin erhielt im letzten Moment einen Aufschub, wie der Sender MetroTV und die Zeitung „Jakarta Post“ berichteten. Die Vollstreckung des Todesurteils gegen Mary Jane Veloso wurde demnach in letzter Minute ausgesetzt, nachdem sich ein Verdächtiger, der sie ohne ihr Wissen als Drogenkurierin missbraucht haben soll, den Behörden gestellt habe. Der philippinische Staatschef Benigno Aquino ließ erklären, sein Land sei Indonesien dankbar. „Wunder werden wahr“, sagte Velosos Mutter Celia einem philippinischen Radiosender. Die beiden Söhne ihrer Tochter seien wach und riefen: „Ja, ja, Mama wird leben.“

Die Hinrichtung des ebenfalls wegen Drogenhandels verurteilten Franzosen Serge Atlaoui wurde nach Protesten der französischen Regierung zunächst zurückgestellt. Nach der Hinrichtung der anderen Ausländer erklärte das Außenministerium in Paris, Frankreich stelle sich weiter gegen die Todesstrafe „in allen Fällen und unter allen Umständen“. Atlaouis Lage bleibe „sehr besorgniserregend“.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Edmund Stoiber

28.04.2015, 17:52 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr never mind

29.04.2015, 08:24 Uhr

warum regt sich die Welt nicht auf wenn in den USA Menschen hingerichtet werden ? Sind diese Hinrichtungen nicht ebenfalls unmenschlich ?

Herr Peter Spiegel

29.04.2015, 08:48 Uhr

Man sollte unsere geschulten und mit Drogendelikten erfahrenen Sozialarbeiter nach Jakarta
schicken, dann kommt so etwas nicht mehr vor.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×