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17.06.2014

21:29 Uhr

Tödliche Anschläge auf Konsulat

US-Soldaten fassen möglichen Bengasi-Attentäter

Das US-Militär will die „Schlüsselfigur“ der Anschläge auf das US-Konsulat in der libyschen Stadt Bengasi in ihre Gewalt gebracht haben. Die Anschläge, bei dem auch der US-Botschafter starb, sorgen weiter für Zündstoff.

Anschlag in 2012

Spezialeinheit nimmt verdächtigen Attentäter fest

Anschlag in 2012: Spezialeinheit nimmt verdächtigen Attentäter fest

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WashingtonKnapp zwei Jahre nach dem tödlichen Angriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi ist den Vereinigten Staaten der erste große Fahndungserfolg gelungen. Eine US-Spezialeinheit fasste bei einer Kommandoaktion in Libyen am Wochenende einen mutmaßlichen Drahtzieher des Anschlags, wie das Pentagon am Dienstag mitteilte. Dem Verdächtigen Ahmed Abu Chatallah soll nun vor einem Bundesgericht in Washington der Prozess gemacht werden.

Chatallah sei eine „Schlüsselfigur“ des Angriffs und werde „an einem sicheren Ort außerhalb von Libyen“ festgehalten, sagte Pentagon-Sprecher John Kirby. Alle an dem Einsatz am Sonntag beteiligten US-Soldaten und Vertreter der US-Justizbehörden hätten das nordafrikanische Land unversehrt wieder verlassen. Auch zivile Opfer habe es nicht gegeben.

„Verwegene Aktion“

Bei dem Angriff radikaler Islamisten auf das Konsulat in Bengasi am 11. September 2012 waren der US-Botschafter Chris Stevens und drei US-Wachleute getötet worden. Die erste Festnahme eines mutmaßlichen Haupttäters ist ein großer politischer Erfolg für Präsident Barack Obama, den die oppositionellen Republikaner bis heute wegen des Krisenmanagements seiner Regierung scharf kritisieren.

„Die Vereinigten Staaten haben den unerschütterlichen Willen, diejenigen zur Rechenschaft zu ziehen, die Amerikanern Schaden zufügen“, erklärte Obama. Chatallah werde nun „das volle Gewicht des amerikanischen Justizsystems“ zu spüren bekommen. Außenminister John Kerry ergänzte: „Diese verwegene Aktion des hervorragenden US-Militärs ist eine deutliche Mahnung an alle, die uns zu schaden wagen, dass sie nicht straflos davonkommen.“

Libyen nach Gaddafi

20. Oktober 2011

Gaddafi wird in Sirte von Rebellen getötet.

27. Oktober

Die Vereinten Nationen beschließen das Ende des Militäreinsatzes; die Luftangriffe werden zum Monatsende beendet.

31. Oktober

Abdel Rahim al-Kib wird Chef der Übergangsregierung. Der Geschäftsmann löst Mahmud Dschibril ab, der zurückgetreten war.

3. November

Die Nato fordert von Libyens Regierung, im Land kursierende Waffen unter Kontrolle zu bringen. Im Bürgerkrieg kamen Tausende Waffen wie Boden-Luft-Raketen in die Hände von Milizen. 11. November: Rivalisierende Rebellengruppen liefern sich heftige Kämpfe um einen Militärstützpunkt westlich der Hauptstadt Tripolis.

11. November

Rivalisierende Rebellengruppen liefern sich heftige Kämpfe um einen Militärstützpunkt westlich der Hauptstadt Tripolis.

19. November

Gaddafis mit internatonalem Haftbefehl gesuchter Sohn Saif al-Islam wird im Süden des Landes festgenommen.

22. November

Al-Kib vergibt die Schlüsselressorts wie Verteidigung und Inneres an ehemalige Rebellenkommandeure. Die Übergangsregierung soll den demokratischen Aufbau in Libyen in Angriff nehmen.

6. Dezember

Die Übergangregierung setzt nach Gesprächen mit Regionalpolitikern eine Frist für die Entwaffnung der Rebellen in Tripolis. Bis Jahresende soll die Hauptstadt frei von Waffen sein.

17. Dezember

Der UN-Sicherheitsrat hebt die Sanktionen gegen die libysche Banken auf. Damit können seit dem Februar blockierte Auslands-Milliarden des Gaddafi-Regimes ins Land zurückfließen.

3. Januar 2012

Bei einem Gefecht zwischen Angehörigen verschiedener Revolutionstruppen in Tripolis kommen sechs Kämpfer ums Leben.

8. Januar

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sagt in Tripolis weitere Wiederaufbauhilfe zu. Das Auswärtige Amt hat bereits acht Millionen Euro humanitäre Soforthilfe und einen Kredit von 100 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

23. Januar

Gaddafi-Anhänger erobern Bani Walid zurück. Bei der Erstürmung der Wüstenstadt sollen mindestens fünf Menschen getötet worden sein.

Situation heute

Libyen kommt nicht zur Ruhe: Auch rund 100 Tage nach dem Tod des Diktators Muammar al-Gaddafi wird noch geschossen. Kämpfe von Rebellen untereinander oder gegen Anhänger des alten Regimes behindern den Wiederaufbau des zerstörten Landes.

Medienberichten zufolge hatte die US-Justiz vergangenes Jahr im Zusammenhang mit der Bengasi-Attacke Anklage gegen Chatallah und weitere Verdächtige erhoben. Der am Dienstag veröffentlichten Anklageschrift zufolge wird Chatallah Mord, Unterstützung des Terrorismus und illegaler Waffenbesitz vorgeworfen.

Der mutmaßliche Drahtzieher soll demnach selbst an dem Sturm auf das Konsulat teilgenommen haben. Laut „Washington Post“ könnte ihm bei einer Verurteilung lebenslange Haft oder sogar die Todesstrafe drohen.

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