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29.09.2014

18:02 Uhr

Tödliches Mittelmeer

Mehr als 3000 tote Flüchtlinge seit Jahresbeginn

Drei Viertel aller weltweit getöteten Flüchtlinge kommen auf dem Weg nach Europa im Mittelmeer ums Leben. Das geht aus einem Bericht der Internationalen Organisation für Migration hervor. Zahlen so hoch wie lange nicht.

Die Verzweiflung treibt die Flüchtlinge in überfüllten Booten über das Mittelmeer. dpa

Die Verzweiflung treibt die Flüchtlinge in überfüllten Booten über das Mittelmeer.

GenfDer Weg nach Europa wird für immer mehr Migranten zu einer Reise in den Tod. Nach einem Bericht der Internationalen Organisation für Migration (IOM) kamen allein auf dem Mittelmeer seit Jahresbeginn 3072 Menschen ums Leben – das sind drei Viertel aller weltweit getöteten Migranten in diesem Zeitraum und so viele wie noch nie seit dem Jahr 2000.

Insgesamt starben seit 2000 weltweit über 40.000 Menschen bei Flucht und Auswanderung.

Für den Bericht „Tödliche Reisen“, den die Organisation am Montag in Genf vorstellte, wurden die Zahlen aus aller Welt seit Ende der neunziger Jahre erfasst. Die Ergebnisse der ersten neun Monate dieses Jahres für Europa sind dabei laut IOM besonders alarmierend.

So kommen die Flüchtlinge nach Europa

Lampedusa

Lampedusa ist ein beliebtes Ziel für Flüchtlingsboote. Die italienische Mittelmeerinsel liegt nahe der nordafrikanischen Küste. Doch es gibt noch andere Routen über die Flüchtlinge nach Europa gelangen.

Quelle: Frontex Annual Risk Analysis 2013

Osteuropäische Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 407

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Ukraine: 330
Afghanistan: 52
Vietnam: 47

Balkan-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 5.634

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Afghanistan: 1.693
Syrien: 1.139
Kosovo: 979

Östliche Mittelmeer-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 12.962

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Syrien: 8.241
Afghanistan: 2.488
Somalia: 760

Albanien-Griechenland Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 3.515

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Albanien: 3.466
Mazedonien: 14
Georgien: 13

Apulien und Kalabrien

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 7.751

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Syrien: 3.040
Nigeria: 684
Eritrea: 475

Zentrale Mittelmeer-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 56.446

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Eritrea: 17.829

Unbekannt: 9.494
Syrien: 8.588

Westliche Mittelmeer-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 3.331

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Mali: 783
Kamerun: 730
Guinea: 294

Westafrikanische Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 146

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Marokko: 30
Mali: 24
Guinea: 16

Es habe etwa doppelt so viele Tote gegeben wie bei der letzten großen Flüchtlingswelle im Jahr 2011 infolge des Arabischen Frühlings, als schätzungsweise 1500 Menschen im Mittelmeer ums Leben kamen.

Im Vergleich zu anderen Brennpunkten ist Europa im Jahr 2014 mit 75 Prozent der Todesopfer trauriger unangefochtener Spitzenreiter. Mit 251 getöteten Migranten folgt Ostafrika, vor der amerikanisch- mexikanischen Grenze mit 230 Toten - das entspricht jeweils sechs Prozent weltweit.

„Unsere Botschaft ist deutlich: Migranten sterben, obwohl sie es nicht müssten“, sagte der Generaldirektor der Hilfsorganisation, William Lacy Swing. An die internationale Gemeinschaft appellierte er, diesen Menschen mehr zu helfen.

Seit dem Jahr 2000 sind nach Schätzungen der IOM weltweit über 40.000 Menschen bei Flucht und Auswanderung ums Leben gekommen. Europa sei auch dabei mit 22.000 Toten das gefährlichste Ziel für Migranten gewesen.

Mit deutlichem Abstand folgt die amerikanisch-mexikanische Grenze mit fast 6000 Toten; mehr als 3000 Menschen verloren am Horn von Afrika ihr Leben, knapp 1800 in der Sahara, zwischen 1500 und 2000 im Golf von Bengalen, sowie knapp 1500 vor der Küste vor Australien.

Viele Migranten sterben zudem in abgelegenen Gebieten der Erde und werden in keiner Statistik systematisch erfasst, wie es in dem Bericht weiter heißt. Bislang gebe es jedoch keine Organisation, die sich auf globaler Ebene um eine Erfassung der Opferzahlen kümmere.

„Es ist an der Zeit, mehr zu tun, als nur die Opfer zu zählen“, forderte IOM-Generaldirektor Swing aber auch. „Es ist Zeit, dass sich die Welt engagiert, um die Gewalt gegen verzweifelte Migranten zu stoppen.“

Von

dpa

Kommentare (4)

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Herr Horst Hamacher

29.09.2014, 19:29 Uhr

Mehr als 3000 tote Flüchtlinge seit Jahresbeginn
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Ja, so ist das: Das Leben an sich ist lebensgefährlich!

Herr Wolfgang Trantow

29.09.2014, 19:44 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Billyjo Zanker

29.09.2014, 20:04 Uhr

Es wird Zeit das sich in den Herkunftsländern, oder besser Herkunftserdteil die Gefahren dieser "Reisen" herum spricht um da vor abzuraten.

„Es ist Zeit, dass sich die Welt engagiert, um die Gewalt gegen verzweifelte Migranten zu stoppen.“

Welch ein Schwätzer, ( wieviele hat er schon bei sich privat aufgenommen)????
Es wäre besser, in erster Linie die Armuts - und Wirtschaftsflüchtlinge von ihrem Tuen ab zu raten und mit allen humanen Mitteln zu unterbinden als immer mehr Begehrlichkeiten zu wecken, durch Reden dieser Art. Wichtiger wäre es die Angekommenen umgehend zurück zu führen, denn es wird nicht mehr lange dauern und die Aufnahmeländer und der EU-Raum wird an seine Grenzen für die ausufernden Kosten stoßen.
Das kann dann auch hier dann schon mal zu inneren Unruhen kommen, bleibt es zu hoffen das die Politik endlich aufwacht und in „weniger investiert“ und es nicht soweit kommen wird.

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