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23.03.2004

07:11 Uhr

Tötung Jassins ist für Scharon „Selbstverteidigung“

Israels Demonstration der Macht

VonPierre Heumann (Handelsblatt)

Der Nahost-Konflikt droht außer Kontrolle zu geraten: Während Israel den Anschlag auf den Hamas-Führer Scheich Ahmed Jassin verteidigt, sucht die internationale Gemeinschaft nach einer neuen Friedensstrategie für die Region.

TEL AVIV. Es waren nur wenige Hundert Meter von der Moschee bis zum Haus des Hamas-Führers Scheich Ahmed Jassin. Doch kurz nach dem Verlassen des Gebetshauses in Gaza gegen 5 Uhr 30 schlugen israelische Raketen in die Gruppe um Jassin ein. Neben ihm starben acht Begleiter, darunter mehrere seiner Leibwächter. Innerhalb von Sekunden brach Chaos aus, blutige Hautfetzen und Splitter bedeckten die Straßen und die Wände der umliegenden Häuser. Im Sand breitete sich eine Blutlache aus. Vom Rollstuhl des gelähmten Geistlichen blieben nur ein verbrannter Sitz und ein verbogener Reifen.

Kurz darauf zogen Zehntausende Trauernde vor Jassins Haus in Gaza-Stadt und zündeten Autoreifen an. Hunderttausende von Palästinensern begleiteten später die sterblichen Überreste des 67-jährigen Hamas-Gründers. Seine Anhänger drohten, „Tod in jedes Haus“ in Israel zu bringen und schossen wild in die Luft. „Sie haben den Helden getötet, den Märtyrer, Scheich Ahmed Jassin“, dröhnte es aus den Lautsprechern einer Moschee.

Aus Angst vor spontanen Racheaktionen und Attentaten riegelte Israel noch am Morgen die besetzten Gebiete ab. Israels Premier Ariel Scharon bezeichnete die Tötung Jassins als „Akt der Selbstverteidigung“. Laut Medienberichten gab er den Befehl für die Liquidierung Jassins und überwachte die Aktion persönlich. Über Scharons Gründe wird spekuliert: Eine mögliche Erklärung ist, dass er vor dem geplanten Abzug der israelischen Streitkräfte aus dem Gazastreifen noch einmal Härte demonstrieren wollte.

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