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30.04.2011

16:22 Uhr

Toshiso Kosak  

Japans Atomberater schmeißt das Handtuch

Mit heftiger Kritik und unter Tränen trat Toshiso Kosak am Freitag von seinem Amt als Atomberater der japanischen Regierung zurück. Der Professor wirft Japans Spitze vor, gegen Gesetze zu verstoßen und Zeit zu schinden.

Toshiso Kosako: Japans Atomberater ist von seiner Regierung schwer enttäuscht. Quelle: dapd

Toshiso Kosako: Japans Atomberater ist von seiner Regierung schwer enttäuscht.

TokioAus Protest gegen seiner Ansicht nach zu hoch angesetzte Grenzwerte nach der Atomkatastrophe von Fukushima ist ein Berater der japanischen Regierung zurückgetreten. Er könne es nicht vertreten, dass die Regierung den seiner Einschätzung nach unangemessenen Grenzwerte von 20 Millisievert pro Stunde für Grundschulen in der Nähe von Fukushima festgesetzt habe, erklärte Toshiso Kosak am Freitagabend.   

Der Professor für atomare Strahlung an der Universität Tokio war im März von Ministerpräsident Naoto Kan als Berater ernannt worden. Regierungsberater genießen in Japan großen Respekt und es kommt äußerst selten vor, dass Wissenschaftler ihren Beraterposten aus Protest gegen die Regierungspolitik räumen.    

„Ich kann das als Wissenschaftler nicht zulassen“, sagte Kosako während einer tränenreichen Pressekonferenz am Freitagabend. „Es erscheint mir, als ziele die Reaktion der Regierung lediglich darauf ab, sich Zeit zu verschaffen.“ Kosako habe auch mangelnde Transparenz bei der Strahlungsmessung rund um den Meiler und die Anhebung der Grenzwerte für Arbeiter in der Anlage kritisiert, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo.   

Ministerpräsident Kan verteidigte hingegen das Krisenmanagement seiner Regierung. „Wir begrüßen unterschiedliche Sichtweisen unter unseren Beratern“, sagte er am Samstag im Parlament.

Kan steht immer stärker unter Druck. Die Atomkrise von Fuskushima nagt zunehmend am Image des Regierungschefs. In einer Umfrage der Nachrichtenagentur Kyodo waren 76 Prozent der Befragten der Meinung, Kan fehle es an Führungskraft. Ende März sahen dies noch 63,7 Prozent so. Inzwischen denkt knapp jeder vierte Japaner, dass der Premier sofort zurücktreten sollte. Knapp 71 Prozent der Befragten bemängeln zudem den Umgang der Regierung mit der Atomkrise.  

Kommentare (1)

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lgh

01.05.2011, 14:51 Uhr

Sind Sie sicher, dass der neue Grenzwert 20 Millisievert pro Stunde (!) sein soll, oder doch eher pro Jahr.

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