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28.02.2004

21:30 Uhr

International

Tote bei Anti-Chavez-Protesten in Venezuela

Zehntausende von Venezolanern haben während des G-15-Gipfels in der Hauptstadt Caracas gegen Präsident Chavez demonstriert. Bei Straßenschlachten mit der Polizei starben zwei Menschen.

HB BERLIN. In der venezolanischen Hauptstadt Caracas ist es bei Protesten gegen den linksnationalistischen Staatschef Hugo Chavez zu Zusammenstößen von Anhängern der rechtsgerichteten Opposition mit Chavez-Unterstützern und der Polizei gekommen. Dabei kamen am Freitag zwei Menschen ums Leben.

Nach Behördenangaben wurden mehr als 50 Menschen verletzt, etwa die Hälfte von ihnen durch Schüsse der Sicherheitskräfte. Das Innenministerium teilte mit, zwei der Opposition nahe stehende Polizisten seien festgenommen worden.

Innenminister Lucas Rincón sagte, die beiden Polizisten hätten sich mit Schusswaffen unter die Demonstranten gemengt. Sie seien dem Chávez-kritischen Bürgermeister von Baruta unterstellt, einem Stadtviertel im Südosten der Millionenmetropole Caracas

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Die Proteste fanden am Rande eines Gipfeltreffens der Gruppe der 15 (G-15) statt, einem Zusammenschluss von mittlerweile 19 Schwellen- und Entwicklungsländern aus Asien, Afrika und Lateinamerika. An den Demonstrationen in der Nähe des Tagungsortes nahmen Zehntausende von Menschen teil.

Die Demonstranten schossen mit Zwillen und anderen Wurfgeschossen auf die Nationalgarde; diese antwortete mit Tränengas und Gummigeschossen. Vize-Präsident José Vicente Rangel warf der Opposition vor, die gewählte Regierung mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln stürzen zu wollen - wie bei dem gescheiterten Putschversuch im April 2002.

Auch in der Industriestadt Valencia, hundert Kilometer westlich von Caracas, kam es zu Straßenschlachten. Die Demonstranten protestierten gegen die Ankündigung der Wahlbehörde, mehr als eine Million von der Opposition gesammelte Unterschriften für einen Volksentscheid zur Amtsenthebung von Chavez erneut zu überprüfen, ob sie möglicherweise gefälscht seien.

Die venezolanische Verfassung legt fest, dass für ein Amtsenthebungsreferendum rund 2,5 Millionen gültige Unterschriften erforderlich sind. Die Opposition hat nach eigenen Angaben 3,4 Millionen Unterschriften gesammelt.

Chavez erwähnte die Proteste in seiner Eröffnungsrede auf dem Gipfeltreffen mit keinem Wort. Statt dessen kritisierte er die Auswirkungen des Neoliberalismus, der Lateinamerika verarmen lasse, und schlug vor, engere Kontakte zwischen der G-15 und der Blockfreienbewegung, der Gruppe der Entwicklungsländer G-77 und China zu knüpfen.

Der zweitägige Gipfel sollte am Samstag mit einer «Erklärung von Caracas» zu Ende gehen. An der Konferenz nehmen die Präsidenten von Brasilien und Kolumbien, Inácio Lula da Silva und Alvaro Uribe, sowie die Staats- oder Regierungschefs von Argentinien, Iran, Jamaika, Nigeria und Simbabwe teil.

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