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22.02.2006

21:42 Uhr

Tote bei Protesten

Irak droht nun ein Bürgerkrieg

In einer offenbar gezielten Provokation der Schiiten im Irak haben Extremisten am Mittwoch eine der wichtigsten religiösen Stätten der Gemeinschaft in die Luft gesprengt. In einem dramatischen Appell warnte der irakische Präsident Dschalal Talabani daraufhin vor einem Bürgerkrieg im Land.

Einwohner von Samarra vor den Trümmern des zerstörten Imam-Ali-Schreins. Foto: AP

Einwohner von Samarra vor den Trümmern des zerstörten Imam-Ali-Schreins. Foto: AP

HB SAMARRA. Bei schiitischen Protesten gegen den Anschlag wurden Polizeiangaben zufolge sechs Sunniten getötet, darunter drei Geistliche. Allein in Bagdad wurden demnach 27 Moscheen angegriffen, zwei davon brannten vollständig aus. Auch an anderen Orten kam es zu Gewalt gegen Sunniten. Die schiitische Regierung hatte das Attentat sunnitischen Rebellen angelastet, die mit der Al-Kaida im Irak verbündet sind.

„Dieses abscheuliche Verbrechen warnt uns vor einer Verschwörung gegen das irakische Volk, die das Ziel hat, Krieg unter Brüdern anzustiften“, sagte Talabani in einer direkt im Fernsehen übertrgenen Rede. Die Iraker müssten sich nun gemeinsam gegen diese Gefahr wehren und dürften sich nicht in einen Bürgerkrieg hineinziehen lassen. Talabani rief alle Gemeinschaften im Irak auf, den Anschlag zu verurteilen. Die Tat dürfe das Land nicht davon abhalten, eine Regierung der nationalen Einheit zu bilden, in der alle religiösen Gemeinschaften und Volksgruppen vertreten seien, fügte er hinzu.

Der schiitische Ministerpräsident Ibrahim al-Dschaafari ordnete eine dreitätige Staatstrauer an und rief seinerseits die Moslems im Land zur Einheit auf. Er steht als designierter Chef der neuen Regierung derzeit unter dem Druck der USA und Großbritanniens, in das künftige Kabinett auch Sunniten aufzunehmen. Die Alliierten erhoffen sich davon eine Beruhigung der Spannungen zwischen den beiden Gemeinschaften. Schiiten waren wiederholt das Ziel sunnitischer Anschläge. Tausende Menschen sind dabei in den vergangenen Jahren getötet worden.

Auch die USA riefen die Iraker dazu auf, „sich gegen den Terror zu vereinigen“. Der Anschlag sei ein Versuch der irakischen Al-Kaida, im Land und in der Region Konflikte zwischen den Religionsgemeinschaften zu schüren. Der von Schiiten regierte Iran bezichtigte Israel und die von den USA geführten Truppen, Drahtzieher des Anschlags zu sein.

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