Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.09.2015

07:44 Uhr

Totes Kind am Strand

Das Sinnbild der Tragödie

Ein kleiner Junge aus Syrien hat die Flucht über das Mittelmeer nicht überlebt. Er ertrinkt vor der türkischen Küste. Sein toter Körper liegt am Strand von Bodrum. Ein Bild, das weltweit große Betroffenheit auslöst.

Ailan hat die Flucht aus dem Bürgerkriegsland Syrien nicht überlebt. DHA

Am Strand von Bodrum

Ailan hat die Flucht aus dem Bürgerkriegsland Syrien nicht überlebt.

Das Foto von Ailan geht um die Welt und sorgt für Bestürzung. Der kleine Körper des Jungen, bekleidet mit einem roten T-Shirt und einer kurzen blauen Hose, war an einen Strand im Süden der Türkei gespült worden. Ein junger Polizist nimmt die Leiche in die Arme und trägt sie davon. Auf einem Foto ist zu sehen, wie der Polizeibeamte den Kopf zur Seite dreht, so als will er dem traurigen Anblick der Kinderleiche entgehen.

„Ein Foto, um die Welt zum Schweigen zu bringen“, kommentierte die italienische Zeitung „La Repubblica“ das Foto von der im Sand liegenden Jungenleiche. „Der Untergang Europas“, schrieb die spanische Zeitung „El Periodico“ in ihrer Onlineausgabe. „Was, wenn nicht dieses Bild eines an den Strand gespülten syrischen Kindes, wird die europäische Haltung gegenüber Flüchtlingen ändern?“, fragte die britische Zeitung „The Independent“ auf ihrer Website.

Im Kurznachrichtendienst Twitter wurde das Foto unter dem Hashtag in türkischer Sprache #KiyiyaVuranInsanlik verbreitet (Die fortgespülte Menschlichkeit) – und löste große Betroffenheit aus. „Wenn dieses Bild die Welt nicht verändert, haben wir alle versagt“, schrieb eine Nutzerin. „Mir kamen die Tränen (...)“, meinte eine andere. „Ohne Worte“, schrieb ein weiterer Nutzer.

Ailan saß vermutlich in einem von zwei Flüchtlingsbooten, die am Mittwochmorgen auf dem Weg von der türkischen Küste zu einer griechischen Ägäis-Insel sanken. Insgesamt zwölf tote Flüchtlinge aus Syrien, darunter fünf Kinder, wurden von der türkischen Küstenwache geborgen. 15 Flüchtlinge schafften es an Land. Drei Menschen wurden noch vermisst.

Der Notfall-Leiter der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, Peter Bouckaert, erklärte, die Flüchtlinge seien „nahezu sicher gestorben, als sie versuchten, in Europa in Sicherheit zu gelangen, indem sie an Bord eines Schmuggler-Boots gingen. Stattdessen endeten sie als die neuesten Opfer von Europas armseliger Antwort angesichts einer wachsenden Krise.“

Seit Jahresbeginn haben schon mehr als 350.000 Flüchtlinge die gefährliche Reise über das Mittelmeer gemacht, um in Europa ein besseres Leben zu finden. Oft schicken Schlepper völlig überladene und seeuntaugliche Boote auf den Weg. Dabei kommen immer wieder Menschen ums Leben.

Von

afp

Kommentare (41)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Mario Wa

03.09.2015, 10:50 Uhr

..irgendwo habe ich auch noch Bilder wie Mexikaner im Zaun hängen..interessiert auch keinen.

Herr Roland Magiera

03.09.2015, 10:52 Uhr

Ein Symbol wofür?

Für verantwortungslose Eltern, die ihr Kind in ein Schlauchboot setzen, welches für fünf Personen ausgelegt ist und mit 50 vollgepfercht wurde?
Für verantwortungslose Eltern, die in der Türkei in Sicherheit waren und dennoch ihres und das Leben ihres Kindes ohne triftigen Grund aufs Spiel setzten?

Oder für ebenso verantwortungslos wie inkompetent agierende deutsche Politiker, die mit an Dummheit nicht zu übertreffenden Versprechen diesen Ansturm erst ausgelöst haben?

Und warum lösen Kinder, die von amerikanischen Drohnen zerfetzt wurden nicht ansatzweise diese Betroffenheit aus?

Danke, dass man dieses Bild wenigstens hier noch kommentieren darf.

Herr Josef Schmidt

03.09.2015, 10:53 Uhr

Wo bleibt die Pietät liebe Redakteure ? Wie tief kann man noch sinken ?

Was soll uns das Bild sagen ausser dass die Schuldigen an dem Tod diesen Jungen nicht etwa die US Bomben auf Afghanistan, Irak, Syrien und Libyen sind sondern die Bürger Europas ?

Das ist Propaganda und Massenmanipulation übelster Art.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×