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18.10.2014

16:18 Uhr

Tourismus boomt

Griechenlands Standbein ist wieder gesund

Schlechter Service und hohe Preise verscheuchten seinerzeit viele Touristen. Doch Griechenlands Tourismus-Branche hat sich geändert und erlebt einen Boom. Doch das ist nicht nur der Verdienst des Landes.

Touristen besuchen die Akropolis in Athen. Der Tourismus im Krisenland läuft wieder hervorragend – Hotels sind bis Anfang November ausgebucht. dpa

Touristen besuchen die Akropolis in Athen. Der Tourismus im Krisenland läuft wieder hervorragend – Hotels sind bis Anfang November ausgebucht.

AthenDie Sorgen um die Zukunft Griechenlands sind zurück an der Börse. Der griechische Leitindex ist auf Talfahrt. Doch es gibt auch gute Nachrichten aus dem Euro-Krisenland: Einer der wichtigsten Wirtschaftszweige - der Tourismus - boomt. Bis zum Jahresende wird ein Rekord von mehr als 20 Millionen Besuchern erwartet. „Damit wird unser Bereich fast 20 Prozent des Bruttoinlandproduktes erwirtschaften“, sagte kürzlich der Chef des Verbandes der griechischen Tourismusunternehmen, Andreas Andreadis.

„Es ist Mitte Oktober und wenn ich mich umschaue, habe ich den Eindruck, wir befinden uns noch in der Hochsaison“, sagt Hotelier Dimitris Skalidis aus der Touristenstadt Nafplion auf der Halbinsel Peloponnes. Seine zwei Hotels sind bis Anfang November ausgebucht.

Hollywood-Stars, Weltklasse-Fußballspieler und Unternehmer vor allem aus dem östlichen Mittelmeer und den Golfstaaten genießen das „süße Leben“ á la Ägäis auf den Jet-Set-Inseln Santorini und Mykonos. Die Preise sind allerdings manchmal schwindelerregend. Ein Luxuszimmer mit Blick auf's Meer kann mehr als 3000 Euro pro Tag kosten.

Auf kleineren, weniger bekannten Inseln wie Antiparos oder Milos können Urlauber dagegen für 30 bis 40 Euro pro Nacht ein Quartier finden. Auch in Athen gibt es Zimmer für unter 40 Euro die Nacht. „Der Gast ist der König und wir tun alles, um zufriedene Besucher zu haben“, sagt Hoteldirektor Christos Pilatakis von der Insel Rhodos. Mit 40 Jahren Erfahrung weiß er, welche Folgen der Ärger eines unzufriedenen Gastes haben kann: „Er kehrt nach Hause zurück und vergrault mit negativen Kommentaren Dutzende potenzielle Besucher“.

In der Vergangenheit hatten viele Hotels und Tavernen mit hohen Preisen und schlechtem Service so manchen Besucher enttäuscht. Doch das hat sich geändert, sagt Hoteldirektor Pilatakis. „Gute Preise, netter Service und die traditionelle Gastfreundschaft der Griechen haben die Wende gebracht“. Zudem hätten die Krisen in Nordafrika und im Nahen Osten viele Touristen bewogen, Urlaubziele wie Griechenland zu wählen.

Jugendarbeitslosigkeit in Krisenländern Europas

Frankreich

Die Perspektivlosigkeit von jungen Menschen ohne Job gilt in Frankreich als eine der größten Gefahren für den sozialen Zusammenhalt. Die Arbeitslosenquote der unter 25-Jährigen lag zuletzt (Juni) bei 22,4 Prozent. Die Regierung von Präsident François Hollande finanziert mit Milliardenbeträgen Eingliederungsprogramme sowie sogenannte „Zukunftsarbeitsplätze“ für gering qualifizierte Jugendliche. Zudem wurde das System sogenannter „Generationenverträge“ geschaffen. Es bietet kleinen Unternehmen finanzielle Anreize, die sich gleichzeitig für den Nachwuchs und für alte Arbeitnehmer einsetzen.

Griechenland

Nach Angaben vom Mai sind in Griechenland 53,1 Prozent der unter 25-Jährigen ohne Job. Im Vorjahr waren es 59,6 Prozent. Die leichte Verbesserung liegt nach Angaben der Gewerkschaft des privaten Bereichs am boomenden Tourismus. In Griechenland sollen nach den Worten von Regierungschef Antonis Samaras in den kommenden Monaten 145.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Sie sollen mit Hilfe von EU-Mitteln und dem für 2014 erwarteten zaghaften Wirtschaftswachstum entstehen. In den nächsten Monaten sollen 600 Millionen Euro EU-Subventionen für neue Jobs – vornehmlich Ausbildungsplätze – nach Griechenland fließen.

Italien

43,7 Prozent der jungen Italiener sind arbeitslos, Schüler und Studierende nicht eingerechnet. Das nationale Statistikamt Italiens (Istat) sieht die Jugendlichen als „am stärksten von der Krise betroffen“. Der sozialdemokratische Regierungschef Matteo Renzi bemüht sich – bisher erfolglos – um eine Entspannung der Lage. Zeitarbeitsverträge sollen leichter verlängert, der Kündigungsschutz in den ersten drei Jahren ausgesetzt werden. So – und mit Steuererleichterungen – möchte er die Arbeitgeber entlasten. Durch EU-Gelder, 1,5 Milliarden in den kommenden zwei Jahren, erhofft sich Renzi eine bessere Grundlage zur Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit.

Spanien

Die Arbeitslosenquote beträgt in Spanien bei den unter 25-Jährigen 53,5 Prozent. Schon seit Jahren bezeichnen spanische Politiker aller Parteien die hohe Jugendarbeitslosigkeit als eines der größten Probleme. Dennoch geschah relativ wenig, um das Problem zu lösen. Die Regierung beschloss im Juli Hilfen für Unternehmer, die junge Leute einstellen. Politiker aus Deutschland warben in Spanien für eine Übernahme des deutschen Systems der dualen Berufsausbildung. Die Traditionen des spanischen Bildungssystem verhinderten jedoch, dass diese Idee sich in größerem Umfang durchsetzen konnte.

Viele junge Griechen fanden dank des Booms in diesem Sommer Arbeit für ein paar Monate. Es gibt allerdings auch Schattenseiten: Die Verbände der Hotelangestellten protestieren, weil einige Hoteliers im Rückstand mit ihren Zahlungen an ihr Personal sind. Manche Unternehmer wollen ihre Angestellte erst nach Ende der Saison im November bezahlen. Der Hotelierverband meint, dies seien Einzelfälle.

Auch 2015 rechnet die Branche mit einem Rekordjahr für den griechischen Tourismus. Derweil treibt Investoren die Sorge vor einem Machtwechsel in Athen um: Die radikale Linke (Syriza) liegt in Umfragen deutlich vor der Regierungskoalition unter Premier Antonis Samaras. Sie könnte die im Februar anstehende Wahl des Präsidenten blockieren und so Neuwahlen des Parlaments erzwingen, fürchten manche. „Was wir jetzt brauchen ist politische Stabilität“, sagt Hotelier Skalidis.

Von

dpa

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