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04.11.2016

17:45 Uhr

Tourismus in Paris

Stadt der Liebe kämpft um einen Platz an der Sonne

VonThomas Hanke

Seit den Anschlägen kommen immer weniger Touristen nach Paris. Das gibt den französischen Hauptstädtern zu denken. Die Stadt der Liebe will internationaler werden – und ihren Pariser Charme behalten. Mit vielen Ideen.

Zumindest am Eiffelturm will man die Besucher nicht mehr im Regen stehen lassen: Dort wird eine Empfangshalle gebaut, in der man im Trockenen und Warmen warten kann, bis der Moment zum Erklimmen des stählernen Gipfels gekommen ist. dpa

Paris

Zumindest am Eiffelturm will man die Besucher nicht mehr im Regen stehen lassen: Dort wird eine Empfangshalle gebaut, in der man im Trockenen und Warmen warten kann, bis der Moment zum Erklimmen des stählernen Gipfels gekommen ist.

ParisParis gilt unter Touristen als die begehrteste Stadt der Welt, die man unbedingt besuchen will. „Darüber freuen wir uns und das macht uns stolz, unsere Sorge ist nur, dass viele Touristen keine besondere Eile verspüren, sich ihren Wunsch zu erfüllen“, sagt Jean-François Martins etwas bedrückt. Zu viele sagten sich: „Der Eiffelturm steht nächstes Jahr auch noch da.“ Martins ist Stellvertreter der Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo und für Tourismus zuständig. Am Mittwoch hat er ein Langfristkonzept vorgestellt, mit dem die französische Hauptstadt nach schwierigen Jahren ein stabiles Wachstum bis 2020 erreichen will.

Die Krise setzt der Stadt an der Seine seit den Anschlägen vom Januar und November 2015 heftig zu. Martins unterstreicht, dass die Arbeit an seinem Konzept schon vorher begonnen habe, weil Paris „seine wichtigste wirtschaftliche Aktivität strukturell verbessern muss.“ Doch der Knick bei den Besucherzahlen macht die Arbeit an der Destination Paris nur umso dringender. Martins zufolge ging die Besucherzahl 2016 von Januar bis Oktober um elf Prozent zurück. Den Zahlen des Statistischen Amtes nach gab es von Januar bis Juli 12,2 Prozent weniger Übernachtungen. Einzelne besonders beliebte Highlights wie der Louvre sprechen von bis zu 20 Prozent Rückgang, wobei die Zahlen von Monat zu Monat stark schwanken.

„Klar ist aber, dass wir es mit einem längerfristigen Einbruch zu tun haben, dagegen hilft kein Wundermittel, wir müssen da durch“, wirbt Martins für Realismus. Gleichzeitig wendet er sich gegen Schwarzmalerei: „Es gibt einen Rückgang, aber der lässt sich nicht entfernt vergleichen mit dem, was Länder wie Tunesien durchmachen müssen, die es viel härter trifft.“

Man könnte tatsächlich sagen, dass Paris auf hohem Niveau klagt: Gut 24 Millionen Besucher in der Seine-Stadt sind immer noch ein äußerst hoher Wert. Vielleicht ist einfach eine Grenze des Wachstums erreicht, in mehrfacher Hinsicht: Die Stadt ist zu voll. Mit 25.000 Einwohnern pro Quadratkilometer ist sie dichter besiedelt als Kalkutta. An den besonders beliebten Treffpunkten Montmartre, Eiffelturm und Notre-Dame kommen Tausende von Touristen hinzu, mit den fast zwangsläufig auftretenden Begleiterscheinungen: Lange Wartezeiten, verdreckte Straßen, viele Taschendiebe; und viele Hoteliers und Restaurateure sind unverschämt geworden.

Zumindest am Eiffelturm will man die Besucher nicht mehr im Regen stehen lassen: Dort wird eine Empfangshalle gebaut, in der man im Trockenen und Warmen warten kann, bis der Moment zum Erklimmen des stählernen Gipfels gekommen ist.

Martins nimmt die Kritik mit Humor: „Sich von einem Kellner anschnauzen zu lassen gehört ja zum Erlebnisprogramm in Paris!“ Aber die Mairie sieht das Problem der hohen Preise für Unterkünfte, die nicht immer internationalem Standard entsprechen: Drei Sterne in Paris wären anderswo oft bestenfalls zwei. Die Stadt reagiert mit einer Politik, die gegenüber Airbnb und vergleichbaren Plattformen weniger hart ist als die anderer Metropolen. „Wir haben nichts dagegen, wenn Pariser für ein paar Tage ihre Wohnung vermieten, weil sie wegfahren.“ Was man nicht wolle, seien „Apartments, die nur noch für Touristen zur Verfügung stehen.“ Dagegen kämpfe die Stadt jetzt an mithilfe einer Registrierungsnummer für Airbnb-Vermieter, die eine Kontrolle ermögliche. „Was wir nicht wollen, sind Zustände wie in Barcelona, wo es Demonstrationen gegen Touristen gibt – uns liegt an gutem Einvernehmen.“

Auffällig ist, dass die als arrogant verschrieenen Pariser sich selbstkritische Gedanken machen. Vor einigen Wochen gab es eine Diskussionsveranstaltung zum Thema, wie man die Pariser zu einem freundlicheren Verhalten gegenüber Touristen bewegen könne. „Der durchschnittliche Pariser ist wirklich zu eilig und zu abweisend“, bemerkte eine Teilnehmerin. Man müsse die Leute auch dazu bewegen, mehr Englisch zu sprechen. Skurrile Vorschläge kamen auf: Vielleicht könnte man bereits am Flughafen Merkzettel an die Touristen verteilen, wie sich Konflikte vermeiden lassen – zum Beispiel indem man sich in der Métro nicht mit Gepäck vor die Tür stellt.

Kommentare (3)

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Herr Otto Berger

04.11.2016, 17:55 Uhr

Vielleicht ist auch das der Grund :

"Immigranten-Krieg in Pariser Touristenviertel"
Link :
http://www.metropolico.org/2016/11/04/immigranten-krieg-in-pariser-touristenviertel/

Account gelöscht!

04.11.2016, 17:58 Uhr

Stimmt nicht. Die einzige Spielregel die es gibt, sind keine Kinder. Ansonsten ist meine Herzdame (inzw. sogar Verlobte) absolut gleichberechtigt. Und wird nach der Uni als meine persönliche Fitnesstrainerin und Ernährungscoach arbeiten. Wenn ich mit spätestens Mitte 40 mit dem Börsenzeugs aufhöre, und als GT3 -Fahrer im selbst finanzierten Team in der VLN mit einem R8 LMSultra teilnehme

Frau Baur- Warendorf

04.11.2016, 18:04 Uhr

Paris ist Bunt.

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