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29.02.2016

16:49 Uhr

Tränengas gegen Flüchtlinge

Ausschreitungen bei Räumung von Flüchtlingslager

Die französische Polizei ging am Montag mit Tränengas gegen Flüchtlinge und Demonstranten vor. Bei der Räumung eines provisorischen Flüchtlingslagers nahe Calais war es zuvor zu Ausschreitungen gekommen.

Flüchtlinge sollen Polizisten mit Steinen beworfen und behelfsmäßige Unterkünfte angezündet haben. AP

Ausschreitungen bei Calais

Flüchtlinge sollen Polizisten mit Steinen beworfen und behelfsmäßige Unterkünfte angezündet haben.

CalaisIn Nordfrankreich ist es bei der Räumung des provisorischen Flüchtlingslagers unweit von Calais zu Ausschreitungen gekommen. Die Polizei setzte am Montag Tränengas gegen etwa 150 bis 200 Migranten und deren Unterstützer ein, die die Polizisten mit Steinen bewarfen und drei behelfsmäßige Unterkünfte in Brand setzten, wie ein Reuters-Fotograf berichtete.

Die französischen Behörden hatten zuvor einen großen Teil des provisorischen Flüchtlingslagers bei Calais am Ärmelkanal geräumt. Begleitet von einem großen Polizeiaufgebot rissen am Montag etwa 20 Bauarbeiter behelfsmäßige Unterkünfte der Migranten ab. Ein Gericht hatte zuvor die Anordnung zur Räumung für zulässig erklärt. Lediglich Gemeinschaftsbereiche wie etwa eine Schule oder ein Theater sollten erhalten bleiben.

Was treibt Flüchtlinge nach Europa?

Syrien

Die Syrer stellen die größte Gruppe; 2014 kamen nach Angaben der Grenzschutzagentur Frontex 66 700. Millionen Syrer sind auf der Flucht vor einem extrem brutal ausgetragenen Religions- und Bürgerkrieg; viele sind Flüchtlinge im eigenen Land oder gingen in die Türkei und den Libanon.

Eritrea

Das Land am Horn von Afrika gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Präsident Isaias Afwerki regiert seit 1993 mit eiserner Faust. Oppositionelle werden ermordet oder inhaftiert. Viele junge Menschen fliehen vor dem Militärdienst. Laut Frontex nahmen 2014 rund 34 300 Menschen aus Eritrea das Risiko einer Überfahrt auf sich.

Afghanistan

Nach vielen Jahren Bürgerkriegs liegen Infrastruktur und Wirtschaft des Vielvölkerstaats am Boden. Industrie gibt es kaum. Dafür floriert der Drogenhandel und die Taliban sind unbesiegt. Viele Afghanen sehen daher keine Zukunft in ihrer Heimat.

Mali

Die 16 Millionen Einwohner des armen Wüstenstaates kämpfen um das tägliche Überleben. Nach einem Militärputsch hatten Islamisten 2012 den Norden erobert und waren erst von einer internationalen Truppe zurückgeworfen worden. Die Sicherheitslage bleibt prekär und die Korruption hemmt die Entwicklung.

Nigeria

Die islamistische Terrorgruppe Boko Haram hat in Teilen des Nordostens einen Gottesstaat ausgerufen. Ihre Angriffe kosteten Tausende das Leben. 1,5 Millionen Menschen flohen vor der Miliz in andere Landesteile oder ins Ausland. Mehr als die Hälfte der Einwohner des potenziell reichen Landes lebt in extremer Armut.

Nach früheren Angaben des Innenministeriums sind vom Abriss etwa 800 bis 1000 Migranten betroffen. Unterstützer der Lagerbewohner sprechen jedoch von mindestens 3400 Menschen, darunter Frauen und kleine Kinder. Die Bewohner sollen auf andere Unterkünfte in Frankreich verteilt werden.

Im Verlauf des vergangenen Jahres sind Tausende Menschen auf der Flucht vor Krieg und Armut in dem Lager gestrandet. Die meisten von ihnen versuchen, illegal per Zügen oder Lkws über den Eurotunnel nach Großbritannien zu gelangen.

Von

rtr

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