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11.09.2013

00:36 Uhr

Tränengas und Plastikgeschosse

Türkische Polizei geht hart gegen Demonstranten vor

Bei regierungskritischen Protesten in der Türkei ist ein 22-Jähriger ums Leben gekommen. Das führte zu weiteren Demonstrationen - mit so viel Tränengas in der Luft, dass ein Fußballspiel abgesagt werden musste.

Türkei

Erneute Demonstrationen nach Todesfall

Türkei: Erneute Demonstrationen nach Todesfall

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IstanbulNach dem Tod eines Demonstranten in der Südtürkei ist es bei regierungskritischen Protesten in der Millionenmetropole Istanbul erneut zu schweren Zusammenstößen gekommen. In Istanbul versammelten sich nach Angaben eines Fotografen der Nachrichtenagentur AFP rund um den Taksim-Platz bis zu 3000 Menschen, die von der Polizei mit Tränengas und Gummigeschossen daran gehindert wurden, den Platz zu betreten.

Auf der zentralen Einkaufsmeile Istiklal Caddesi ging die Polizei am Dienstagabend mit großer Härte gegen Hunderte zumeist friedliche Demonstranten vor. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas und Wasserwerfer ein, wie Augenzeugen berichteten.

Polizisten schossen außerdem mit Plastikgeschossen auf Demonstranten und unbeteiligte Umstehende. Aus den Reihen der Protestbewegung wurden Feuerwerkskörper und bengalische Feuer gezündet. Bereitschaftspolizisten verfolgten fliehende Demonstranten in Seitenstraßen. Krankenwagen waren im Einsatz. Wegen des Tränengases in der Luft musste auch ein U-21-Fußballspiel der Türkei gegen Schweden abgesagt werden.

In der Nacht zu Dienstag war bei regierungskritischen Protesten in der Stadt Antakya ein 22-Jähriger ums Leben gekommen. Der Demonstrant wurde nach Darstellung von Verwandten von einem Tränengasgeschoss der Polizei am Kopf getroffen, wie türkische Medien berichteten. Am Dienstag gab es daraufhin neue Proteste und Ausschreitungen. Nach seinem Tod war über soziale Netzwerke zu Demonstrationen in Istanbul, Antakya und anderen türkischen Städten aufgerufen worden.

Die Polizei bestritt am Dienstag aber diese Berichte. Laut Behördenvertretern stürzte er von einem Dach in den Tod, von dem er Steine auf Polizisten geworfen haben soll. Die Nachrichtenagentur Dogan berichtete, die vorläufige Autopsie habe ein "generelles Trauma" und "Hirnblutungen" als Todesursachen ergeben.

Bei dem Protestmarsch in Antakya am Montagabend war an einen zuvor in derselben Stadt getöteten Demonstranten erinnert worden. Insgesamt kamen bei den seit Ende Mai andauernden Protesten in der Türkei bislang fünf Demonstranten und ein Polizist ums Leben.

Die Proteste gegen die islamisch-konservative Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan haben zwar nachgelassen, flammen aber sporadisch wieder auf. In Istanbul war es bereits am Montag bei einem Protestmarsch gegen Polizeigewalt zu Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten gekommen. Die Demonstranten forderten die Bestrafung von Polizisten, die für die schwere Verletzung eines 14-Jährigen verantwortlich sind.

Der Jugendliche liegt seit Juni im Koma, nachdem er von einer Tränengasgranate der Polizei am Kopf getroffen worden war. Menschenrechtsgruppen haben der türkischen Polizei wiederholt vorgeworfen, mit Tränengasgewehren gezielt auf Menschen zu schießen.

Die landesweiten Proteste hatten sich Ende Mai an Plänen der Regierung entzündet, den Gezi-Park am zentralen Taksim-Platz in Istanbul zu bebauen. Inzwischen richten sie sich aber vor allem gegen den autoritären Regierungsstil Erdogans.

Kommentare (12)

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Ressmeyer

10.09.2013, 23:16 Uhr

Der Axel Springer Verlag besitzt den grössten Pressekonzern
in der Türkei (Dogan Media) und will die Regierung unbedingt stürzen so weit so gut. Aber wieso müssen wir in Deutschland auch mobilisiert werden ? Wen interessiert diese nachricht in Deutschland...

Insider

11.09.2013, 04:15 Uhr

Also doch nicht für die Europäische Union geeignet, sage ich doch eh immer wieder. Solange europäischer Boden de facto besetzt ist (siehe im Norden Zyperns) gint es NIX miteinander zu besprechen. Erdogan go home (and take all turks with you).

Doener_Wett-Essen

11.09.2013, 06:34 Uhr

Erdogan ist ein lupenreiner Demokrat:
die paar Demonstranten wollen Erdogan zusammen mit der Springer-Presse stürzen.

Und morgen liebe Kinder gibt´s ein neues Märchen aus dem Reich des Kalifen.

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