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04.11.2016

16:28 Uhr

Tragödie im Mittelmeer

Schmuggler haben auf Flüchtlinge geschossen

Schreckensbilder: Eine Frau sieht ihre Kinder vor sich ertrinken. Andere Migranten erreichen Italien nur im Koma. Eine neue Flüchtlingskatastrophe offenbart, dass die Menschenschlepper keine Gnade kennen.

Nachdem mehrere Flüchtlingsboote wenige Kilometer vor der lybischen Küste kenterten, werden mindestens 239 Menschen vermisst. dpa

Katastrophe

Nachdem mehrere Flüchtlingsboote wenige Kilometer vor der lybischen Küste kenterten, werden mindestens 239 Menschen vermisst.

Genf/RomVor der Katastrophe mit vermutlich fast 240 Toten im Mittelmeer haben Schmuggler nach Angaben einer UN-Organisation auf Flüchtlinge geschossen, damit sie an Bord gehen. Das Kinderhilfswerk Unicef teilte am Freitag mit, Augenzeugen hätten berichtete, dass sie nicht auf das Schiff gehen wollten, weil es ihnen unsicher erschienen sei. „Aber die Schmuggler schossen auf sie und zwangen sie, zu gehen“, sagte Helena Rodriguez vom UN-Kinderhilfswerks Unicef.

Am Donnerstag war bekannt geworden, dass nach dem Kentern mehrerer Flüchtlingsboote wenige Kilometer vor der libyschen Küste mindestens 239 Menschen vermisst werden.

Ein Frau aus Libyen habe ihren zwei Jahre alten Sohn, ihre 13-jährige Tochter und ihren 21 Jahre alten Bruder verloren, sagte Rodriguez, die auf der italienischen Insel Lampedusa bei der Ankunft der Überlebenden dabei war. „Die Tragödie hat die junge Frau in einen Schockzustand versetzt, nachdem ihre Kinder und ihr Bruder vor ihren Augen ertrunken waren.“ Obwohl sie den Schmugglern 2400 Dollar bezahlt habe, wollte sie zusammen mit anderen aus Angst nicht auf die seeuntüchtigen Boote.

Krisenherde in der arabischen Welt

SYRIEN

Seit 2011 wird das Land von einem Bürgerkrieg und dem Terror des Islamischen Staates (IS) erschüttert, mehr als 400.000 Menschen kamen bereits ums Leben. Millionen wurden vertrieben.

IRAK

Der zeitweilige Vormarsch des IS hat viele Menschenleben gekostet. 2015 starben in dem zerrütteten Land mehr als 7.500 Zivilpersonen eines gewaltsamen Todes. Dieses Jahr waren es bis September mehr als 4.000.

GAZA

Seit 2008 gab es drei Gaza-Kriege. Allein während des jüngsten Konflikts im Sommer 2014 wurden mehr als 2.200 Menschen getötet.

TÜRKISCHES KURDISTAN

Im Kurdenkonflikt starben seit 1984 mehr als 40.000 Menschen. Er strahlt in Nachbarländer ab. Seit 2015 eine Waffenruhe endete, herrschen in Teilen der Südosttürkei bürgerkriegsähnliche Zustände.

JEMEN

Im Bürgerkrieg zwischen der von Saudi-Arabien unterstützten sunnitischen Regierung und den schiitischen Huthi-Rebellen sind seit März 2015 mehr als 4.000 Zivilisten getötet worden.

SINAI

Das ägyptische Militär kämpft auf der Halbinsel gegen das Terrornetzwerk Islamischer Staat. Hunderte Menschen starben seit 2011 bei Anschlägen radikaler Islamisten auf der Halbinsel und in Kairo.

LIBYEN

Libyen ist nach dem Sturz von Langzeitmachthaber Muammar al-Gaddafi 2011 in Chaos und Bürgerkrieg versunken. Das Land gilt als Sammelbecken für IS-Kader aus dem Kerngebiet in Syrien und dem Irak.

Die Überlebenden seien in einem schrecklichen Zustand gewesen, als sie auf Lampedusa angekommen seien, einige waren im Koma andere hätten schwere Verbrennungen erlitten, weil sie dem Treibstoff ausgesetzt waren. „Es ist eine grauenhafte Situation hier“, sagte Rodriguez der Mitteilung zufolge.

Bei der Flucht über das Mittelmeer sind nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) in diesem Jahr bereits 4220 Menschen umgekommen und damit weit mehr als 2015. Bis Anfang November seien 725 Todesfälle mehr registriert worden als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, teilte die mit den UN verbundene Organisation in Genf mit.

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