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03.12.2014

06:56 Uhr

Transparency-Korruptionsindex

Korruption breitet sich in BRIC-Staaten aus

In den aufstrebenden Wirtschaftsnationen ist die Korruption laut auf dem Vormarsch. Doch auch der Westen steht in der Kritik. Denn Schwarz- und Bestechungsgeld landet auch an den internationale Finanzzentren.

Korrupt: Laut einer Untersuchung von Transparency International nimmt die Korruption in der Türkei zu. dpa

Korrupt: Laut einer Untersuchung von Transparency International nimmt die Korruption in der Türkei zu.

BerlinDie Korruption ist laut einer Untersuchung von Transparency International (TI) derzeit vor allem in aufstrebenden Wirtschaftsnationen auf dem Vormarsch. Verschlechtert hat sich die Situation insbesondere in der Türkei sowie in der Gruppe der aufstrebenden Schwellenländer (BRIC), zu der Brasilien, Russland, Indien und China zählen, wie aus dem am Mittwoch vorgestellten diesjährigen TI-Korruptionsindex hervorgeht. Die Korruption werde indes nicht selten durch Geldtransfers über internationale Finanzzentren wie in Frankfurt, London oder New York befördert.

Obwohl sie meist in Ländern mit niedriger Korruptionsrate liegen, spielen multinationale Banken und internationale Finanzzentren laut TI eine wichtige Rolle dabei, dass Korruption in aufstrebenden Wirtschaftsnationen möglich sei. So werde zweifelhaften Eliten ermöglicht, unrechtmäßig erworbene Millionenbeträge beiseite zu schaffen oder zu waschen. „Fast jeder Bankenskandal, der mit Geldwäsche zu tun hat, ist über Steuerparadiese in kleinen Inselstaaten hinausgegangen“, sagte TI-Vertreterin Robin Hodess AFP. Schwarz- und Bestechungsgeld sei auch an den internationalen Finanzplätzen Frankfurt, London und New York gelandet. An solchen Stellen müsse die Korruptionsbekämpfung nachhaltig verbessert werden.

Wie Steuersünder ihr Geld in Steueroasen verstecken

Was ist eine Steueroase?

Als Steueroasen werden Länder bezeichnet, die keine oder nur sehr niedrige Steuern auf Einkommen oder Vermögen erheben - und Anlegern Anonymität und Diskretion versprechen. Besonders für Anleger, die in ihrem Heimatland höhere Steuersätze zahlen müssten, sind Steueroasen attraktiv. Die Staaten sind oft klein und wohlhabend, werden meist von stabilen Regierungen geführt und bemühen sich häufig um Investitionen aus dem Ausland. Außerdem garantieren sie Rechtssicherheit und wahren das Bankengeheimnis.

Um welche Länder geht es konkret?

Vielfach geht es um autonome Inselstaaten, weshalb häufig von „Offshore-Leaks“ die Rede ist. In Berichten werden etwa die Britischen Jungferninseln und Kaimaninseln in der Karibik, im Südpazifik die Cookinseln und Samoa, die im Indischen Ozean gelegenen Seychellen und das zu Malaysia gehörende Eiland Labuan sowie Hongkong, Singapur und Panama genannt. Aber auch auf dem Festland, etwa in Luxemburg, soll schon Geld versteckt worden sein.

Wie funktionieren die Steuersparmodelle?

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für diese Geschäfte ist Verschwiegenheit. Viele Steueroasen werben im Internet mit dieser Diskretion und locken so Anleger an, die ihr Kapital vor dem heimischen Fiskus verstecken wollen. Sie gründen oder kaufen für ihre Auslandsgeschäfte beispielsweise Tochterunternehmen, deren Gewinne im Niedrigsteuerland gehalten und wieder investiert werden. Oft erschweren komplexe Unternehmensgliederungen den Behörden die Ermittlungen.

Wie groß ist der Schaden?

Nach Schätzungen der Deutschen Steuergewerkschaft (DStG) umfasst das weltweite Hinterziehungsvolumen allein für deutsche Steuerhinterzieher mehrere hundert Milliarden Euro. Hiervon dürfte laut DStG ein nicht beträchtlicher Teil auf die Schweiz entfallen. Nach einer im Jahr 2012 veröffentlichten Studie verstecken Superreiche weltweit mindestens 21 Billionen US-Dollar (17 Billionen Euro) in Steueroasen, um dem Fiskus zu entgehen.

Sind die Aktionen legal oder illegal?

Nicht alle Methoden, die deutschen Steuerbehörden zu umgehen, sind illegal. Wer etwa seinen Wohnsitz ins Ausland verlegt, kann privates Einkommen in ein ausländisches Niedrigsteuerland verlagern, ohne sich strafbar zu machen. Strafbar macht sich aber, wer dem Finanzamt seine Geldanlagen in Überseegebieten verschweigt, seinen Wohnsitz aber in Deutschland hat und dort auch sein Einkommen versteuern müsste. International tätige Konzerne können ihre Gewinne durchaus legal auf die Tochterunternehmen verteilen, so dass ein möglichst geringes Steueraufkommen anfällt.

Die Türkei erlebte der Untersuchung zufolge in der diesjährigen Rangliste der weltweit korruptesten Staaten den größten Absturz und kam auf 45 Punkte. Der Corruption Perceptions Index (CPI) reicht von null bis 100, wobei 100 für den niedrigsten Korruptionsgrad im öffentlichen Sektor steht. Die Türkei liegt damit 2014 auf Platz 64 in der Länder-Rangliste, im Vorjahr lag das Land noch auf Platz 53.

Auch in anderen aufstrebenden Wirtschaftsnationen wie China oder Brasilien nimmt die Korruption TI zufolge zu. „Aufstrebende Wirtschaftsnationen, deren Regierungen Transparenz verweigern und Korruption tolerieren, schaffen ein Klima der Straflosigkeit, in dem Korruption blüht“, erklärte der TI-Vorsitzende José Ugaz.

Der CPI listet 175 Länder nach dem Grad auf, in dem dort Korruption bei Amtsträgern und Politikern wahrgenommen wird. Er stützt sich auf verschiedene Umfragen und Untersuchungen von unabhängigen Institutionen. Laut TI werden Geschäftsleute sowie Länderanalysten befragt und Umfragen mit Staatsbürgern im In- und Ausland miteinbezogen. Deutschland bekam in diesem Jahr 79 Punkte und liegt damit unverändert auf Platz zwölf. Den besten Wert erzielte Dänemark (92 Punkte), Schlusslichter sind Somalia und Nordkorea (jeweils acht Punkte).

Kommentare (5)

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Herr Thomas Behrends

03.12.2014, 09:19 Uhr

Überschrift
"In den aufstrebenden Wirtschaftsnationen ist die Korruption laut auf dem Vormarsch. Doch auch der Westen steht in der Kritik. Denn Schwarz- und Bestechungsgeld landet auch an den internationale Finanzzentren."

Wie soll man das verstehen "Doch auch der Westen steht in der Kritik." ?

Ich dachte, dass der Westen (auch Deutschland!) der Erfinder von Bakschisch ist.

Hier werden derart viele Leute geschmiert, dass es nicht mehr feierlich ist!

Es fängt an beim Einkäufer für Bauleistungen in Unternehmen und Beamten und zieht sich durch alle Wirtschafts- und Amtsbereiche.

Das sind nun wirklich keine Neuigkeiten !

Herr Fred Meisenkaiser

03.12.2014, 09:42 Uhr

Nicht nur dort! Auch Deutschland ist äußerst korrupt, man nennt es hier Lobbyismus.
Deshalb wurde auch das entsprechende Transparency-Gesetz von deutschland wie auch von Syrien und Nordkorea nicht unterzeichnet

Herr Thomas Behrends

03.12.2014, 10:16 Uhr

Überschrift
"In den aufstrebenden Wirtschaftsnationen ist die Korruption laut auf dem Vormarsch. Doch auch der Westen steht in der Kritik. Denn Schwarz- und Bestechungsgeld landet auch an den internationale Finanzzentren."

Wie soll man das verstehen "Doch auch der Westen steht in der Kritik." ?

Ich dachte, dass der Westen (auch Deutschland!) der Erfinder von Bakschisch ist.

Hier werden derart viele Leute geschmiert, dass es nicht mehr feierlich ist!

Es fängt an beim Einkäufer für Bauleistungen in Unternehmen und Beamten und zieht sich durch alle Wirtschafts- und Amtsbereiche.

Das sind nun wirklich keine Neuigkeiten !

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