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11.10.2015

22:14 Uhr

Trauer und Wut nach Anschlägen

Erdogan-Gegner werfen Regierung Mitschuld vor

Nach dem Terroranschlag auf einen Friedensmarsch in Ankara regieren in der Türkei Trauer und Wut. Regierungsgegner werfen Präsident Erdogan vor, die Gewalt mitverschuldet zu haben. Auch in Deutschland wächst die Angst vor Anschlägen.

Attentat in Ankara

Augenzeuge berichtet vom Anschlag: „Es war so furchtbar“

Attentat in Ankara: Augenzeuge berichtet vom Anschlag: „Es war so furchtbar“

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AnkaraNach dem verheerenden Terroranschlag auf einen Friedensmarsch in Ankara regiert im der Türkei Trauer und Wut. Bei Kundgebungen im ganzen Land gaben Oppositionelle der Regierung eine Mitschuld an den Bombenexplosionen vom Samstag mit mindestens 95 Toten. „Der Staat, dem kein Flügelschlag eines Vogels entgeht, war nicht in der Lage, ein Massaker im Herzen von Ankara zu verhindern“, sagte der Parteiführer der prokurdischen HDP, Selahattin Demirtas, vor Hunderten Trauernden.

Wer hinter dem Anschlag auf die Demonstration von Oppositionellen steckte, war auch am Sonntag noch unklar. Die Regierung hatte erklärt, einiges deute auf kurdische Rebellen oder die Terrormiliz Islamischer Staat hin. 14 mutmaßliche IS-Mitglieder wurden am Sonntag in der Stadt Konya festgenommen. Ob es einen Zusammenhang zu dem Anschlag gab, war aber unklar.

Tödliche Anschläge in der Türkei (Chronik)

Oktober 2016

Am 6. Oktober begeht die TAK einen Bombenanschlag in Istanbul. Auch die PKK attackiert türkische Polizisten in Hakkari. Am 14. Oktober kommt es zu einem Raketenangriff auf die Touristenprovinz Antalya. Der letzte Anschlag ist bisher ungeklärt.

September 2016

Auch im folgenden Monat schlägt die PKK mehrmals zu: mit einer Autobombe in der türkischen Stadt Van sowie mehreren weiteren Bombenanschlägen in der Südosttürkei sowie in Mardin.

August 2016

Am 17. August begeht die kurdische Terrororganisation PKK einen Anschlag auf ein Polizeihauptquartier in Elazig. Wenige Tage später kommt es zu einer Attacke ebenfalls auf eine Polizeistation in Cizre, für die auch die PKK verantwortlich gemacht wird.

Februar 2016

Die kurdisch-sozialistische Terrororganisation TAK (deutsch: Freiheitsfalken Kurdistans) begeht einen Bombenanschlag auf ein Militärfahrzeug in Ankara. In den folgenden Monaten tritt die Gruppe mehrfach in Erscheinung: Sowohl im März als auch im Juni und Oktober 2016 legen die Terroristen erneut Bomben in Istanbul, Ankara und Midyat.

Oktober 2015

Am Rande einer regierungskritischen Demonstration in der Hauptstadt Ankara reißen zwei Sprengsätze mehr als 100 Menschen in den Tod. Die Staatsanwaltschaft macht die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verantwortlich.

Quelle: dpa

September 2015

Bei einem Bombenanschlag in Igdir in der Osttürkei werden zwölf Polizeibeamte getötet. Zuvor starben bei einem Angriff der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK und Gefechten im südosttürkischen Daglica in der Provinz Hakkari 16 Soldaten.

August 2015

Bei einem Bombenanschlag und einem anschließenden Angriff auf eine Polizeiwache in der Millionenmetropole Istanbul werden mindestens vier Menschen getötet. Zwei Frauen greifen zudem das US-Konsulat an, eine wird festgenommen. Sie soll Mitglied der linksextremen Terrororganisation DHKP-C sein.

Juli 2015

Im südtürkischen Grenzort Suruc reißt ein Selbstmordattentäter 33 pro-kurdische Aktivisten mit in den Tod. Die Behörden machen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verantwortlich, die sich allerdings nie zu der Tat bekennt.

Juni 2015

Zwei Tage vor der türkischen Parlamentswahl verüben Unbekannte in der südosttürkischen Kurden-Metropole Diyarbakir einen Sprengstoffanschlag auf eine Veranstaltung der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP. Mindestens vier Menschen sterben. Die türkische Regierung macht den IS verantwortlich.

Mai 2013

Bei der Explosion zweier Autobomben in der Grenzstadt Reyhanli werden mehr als 50 Menschen getötet. Die Regierung beschuldigt türkische Linksextremisten mit Kontakten zum Regime im benachbarten Syrien.

September 2011

Drei Menschen sterben in der türkischen Hauptstadt Ankara, als im Regierungsviertel eine Bombe explodiert. Eine Splittergruppe der PKK bekennt sich zur Tat.

Die Türkei geht seit mehreren Monaten verstärkt gegen den IS vor, auch mit vereinzelten Luftangriffen in Syrien. Vor allem richtete sich der Militäreinsatz aber gegen die kurdischen Rebellen der PKK. Diese verkündeten nach dem Anschlag eine einseitige Waffenruhe bis zur Parlamentswahl am 1. November. Das türkische Militär griff aber am Sonntag weiter PKK-Stellungen im Nordirak an.

Oppositionelle warfen Präsident Recep Tayyip Erdogan vor, den Konflikt mit den Kurden forciert zu haben, damit seine AKP bei der vorgezogenen Neuwahl wieder mehr Stimmen bekommt. Bei der Wahl im Juni hatte sie die absolute Mehrheit verloren, vor allem auch weil die HDP drittstärkste Kraft wurde.

Am Ort des Anschlags gab es am Sonntag ein Handgemenge zwischen Polizisten und Trauernden, die angeführt von Demirtas und der HDP-Kovorsitzenden Figen Yüksekdag der Opfer gedenken wollten. Einige in der Menge skandierten „Mörder Erdogan“. Die Polizei setzte Tränengas ein. 70 Demonstranten wurde es schließlich gestattet, den abgeriegelten Platz vor dem Hauptbahnhof zu betreten, um Blumen niederzulegen.

In der mehrheitlich kurdischen Stadt Diyarbakir versammelten sich 10 000 Menschen und hielten eine Schweigeminute für die Opfer ab. In Istanbul demonstrierten Tausende gegen die Regierung.

Der Vorsitzende der oppositionellen CHP, Kemal Kilicdaroglu, machte die türkische Unterstützung für die Opposition in Syrien für den Anschlag verantwortlich. „Diese Politik hat Terror in unser Land gebracht“, sagte er. „Die Türkei muss rasch aus dem Morast des Nahen Ostens heraus.“ Er sagte, zwei männliche Selbstmordattentäter hätten den Anschlag verübt.

Die Regierung teilte mit, sie habe eine Untersuchungskommission zur Aufklärung der Tat eingerichtet. Der Anschlag ähnelte einem weiteren in der Stadt Suruc im Juli, bei dem 33 türkische und kurdische Friedensaktivisten getötet wurden, angeblich von einem IS-Selbstmordattentäter. Die PKK warf der Regierung in Ankara bereits damals vor, die jungen Aktivisten nicht ausreichend geschützt zu haben, und kündigte den Waffenstillstand auf. Seitdem gab es Hunderte von Toten bei Anschlägen und Gefechten.

Von

ap

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